Aufgebrachte Fußballfans haben am Samstagabend in Kairo im Zuge eines Platzsturms neun Menschen verletzt. Der Präsident des Ägyptischen Verbands, Samir Saher, sagte deshalb am Sonntag den für 15. April geplanten Neustart der ägyptischen Fußball-Meisterschaft ab.

Hunderte Anhänger waren in der 90. Minute der afrikanischen Champions-League-Partie zwischen Gastgeber Zamalek und dem Club Africain de Tunis beim Stand von 2:1 auf den Platz gerannt, nachdem der Schiedsrichter ein Tor des heimischen Vereins wegen Abseits nicht anerkannt hatte. Die Tunesier hatten das Hinspiel 4:2 gewonnen.

Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen im Cairo-Stadion in der Vorstadt Nasr City. Steine flogen, Feuerwerkskörper explodierten, das Mobiliar des Stadions wurde demoliert. Die ägyptischen Spieler schützten ihre tunesischen Gegenspieler vor Stockhieben und Tritten der erbosten Fans.

Verbandspräsident Saher stattete noch am Sonntag dem tunesischen Botschafter in Kairo einen Besuch ab, um sich zu entschuldigen. Den Start der schon einmal verzögerten Frühjahrs-Saison verschob er diesmal auf unbestimmte Zeit. Zur ersten Verschiebung war es wegen der Massenproteste in Ägypten gekommen, die am 11. Februar zum Sturz von Präsident Hosni Mubarak geführt hatten.

Die Gewalt der Fußball-Fans löste in ägyptischen und tunesischen Internet-Foren Betroffenheit und Kritik aus. Noch zu Jahresbeginn hatten sich Jugendliche beider Länder moralisch gegenseitig unterstützt, als sie ihre jeweiligen Despoten von der Macht vertrieben hatten. Der tunesische Präsident Zine El Abidine Ben war bereits am 14. Jänner zum Rücktritt gezwungen worden.

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apa