Arminia Bielefeld nimmt den Sicherungsfonds der DFL in Anspruch. Dass dies mit dem Abzug von drei Punkten sanktioniert wird, dürfte die nun sicher abgestiegenen Arminen kaum stören. Der Rest der Liga aber hat allen Grund zum Murren. - Ein Kommentar -
picNicht kreditwürdig: Bielefelds Fans schätzen die Lage ihres Vereins realistisch ein


Der Sicherungsfonds ist zu dem Zweck eingerichtet worden, während der Spielzeit aufkommende Finanzlücken eines Klubs zu überbrücken und so den Spielbetrieb aufrechterhalten zu können - stets eines der obersten Ziele der DFL. Bis zu zwei Monate können aus ihm die Spielergehälter gezahlt werden. Die Finanzspritze für die Arminia wird ca. 1,2 Millionen Euro betragen.

In den Fonds zahlen alle Vereine eine entsprechend ihrer Personalkosten anteilige Summe ein, er wird auch gerne als "Solidaritätsfonds" bezeichnet. Solidarität, das bedeutet Verbundenheit mit den Aktivitäten und Zielen anderer und deren Unterstützung, ein Einsatz für gemeinsame Werte. Es muss also die Frage erlaubt sein: Wie steht es um die Arminia? Hat der ostwestfälische Klub diese gemeinsamen Werte und Ziele verfolgt und sich die Solidarität der anderen damit nun verdient?


Schuldenberg auf der Alm

Die Antworten auf diese Fragen scheinen klarer denn je. Der Verein hat es in den letzten Jahren geschafft, 27 Millionen Euro Schulden anzuhäufen, stand bereits in diesem wie auch im vergangenen Jahr kurz vor dem Konkurs, ehe in vermeintlich letzter Sekunde private Sponsoren und Gönner zur Rettung herbeieilten.

Sportlich bereits zur Winterpause abgeschlagen, wurde jedoch abermals die private Geldschatulle geöffnet, um noch einmal im großen Stile auf dem Transfermarkt zuzuschlagen. Aktuell befinden sich infolgedessen sage und schreibe 41 Spieler im Bielefelder Kader - ein Vorgang, der aus heutiger Sicht nur als beispiellose Dreistigkeit bezeichnet werden kann.

Der sportliche Erfolg blieb freilich aus. Auf wie neben dem Platz gibt die Arminia seit geraumer Zeit ein denkbar trauriges Bild ab. Die Leitung des Vereins legt seit Monaten einen Katalog an Peinlichkeiten und chaotischen Zuständen an den Tag, der wahrlich seinesgleichen sucht.
Zusammen mit der für einen Zweitligisten gewaltigen Höhe der Verbindlichkeiten - entstanden vor allem durch zu hohe Personalkosten und Fehlkalkulationen im Zusammenhang mit dem Umbau des Stadions - zeugt all dies von einem geradezu einzigartigen Missmanagement auf der Alm.

Zuletzt sollen auch die letzten Banken dem Klub den Geldhahn zugedreht haben. Ein wirklich klares Bild der Sachlage können oder wollen die Verantwortlichen in Bielefeld aber schon lange nicht mehr vermitteln. In erprobter Salami-Taktik wurde die Öffentlichkeit immer wieder nur scheibchenweise mit der Wahrheit konfrontiert.


Rückzahlung fraglich

Nun also darf die Konkurrenz der Arminia über die letzte Hürde bis zum 34. Spieltag helfen. In Bielefeld selbst verspricht man weiter einen fairen sportlichen Wettbewerb.
Doch konnte von einem solchen zuletzt eigentlich je die Rede sein? Das ist Augenwischerei. Viel näher liegt die Annahme, dass jeder Punktgewinn der Arminia in der laufenden Spielzeit auf Kosten derjenigen Konkurrenten errungen wurde, die mit Augenmaß und Vernunft wirtschaften und eher auf einen teuren Spieler oder eine weitere Stadionsanierung verzichten, statt sehenden Auges einen solch riesigen Schuldenberg anzuhäufen. Im Vergleich dazu fällt die nun verhängte Strafe eines Abzugs von drei Punkten geradezu lächerlich gering aus - und das selbst dann, wenn die Arminia nicht schon abgeschlagenes Schlusslicht wäre.

In diesem Zusammenhang von Solidarität zu sprechen, dürften viele andere Klubs mit einiger Berechtigung insofern als Hohn empfinden. Statt in einen integeren und schuldlos in Not geratenen Verein mit Perspektive stecken sie nun ihr Geld in ein Fass, dem der erkennbar fehlende Boden zuvor mutwillig ausgeschlagen wurde. Dass die 35 Klubs ihre 1,2 Millionen Euro jemals wiedersehen werden - eine Rückzahlung wird frühestens im Falle eines Bielefelder Wiederaufstiegs fällig -, ist mehr als fraglich.  

Der DFL blieb aufgrund der bei der Einrichtung des Fonds von ihr selbst festgelegten Rahmenbedingungen keine andere Wahl als diesen nun auszuzahlen. Diese Bedingungen haben, das sollte bei aller Klage nun nicht vergessen werden, alle Klubs mit beschlossen. Nach der Erfahrung Arminia Bielefeld bedürfen sie aber ganz sicher einer gründlichen Überarbeitung - sowohl was die Bedingungen der Erteilung der Finanzhilfe als auch die damit verbundenen Sanktionen angeht.


>> Artikel "Arminia Bielefeld im Sinkflug aus der 2. Liga"

Lars Plantholt