Der Traum von der Champions League ist seit Mittwochabend ausgeträumt, die Realität für Österreichs Fußball-Meister SK Sturm Graz heißt Europa League. Nach einer durchwachsenen Leistung und der damit verbundenen 0:2-Heimniederlage gegen den weißrussischen Serienmeister BATE Borisow müssen die Grazer mit dem "Trostbewerb" vorlieb nehmen.

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Tapfer bedankte sich Sturm-Kapitän Manuel Weber nach dem bitteren Ausscheiden in der Champions League beim tollen Grazer Publikum

Die Enttäuschung bei der Truppe von Trainer Franco Foda war riesengroß, war sie doch nach dem Auswärts-1:1 dem vierten Einzug in die CL-Gruppenphase der Vereinsgeschichte nach den Saisonen 1998/1999, 1999/2000 und 2000/2001 nahe gewesen. Die Sturm-Kicker saßen nach dem Schlusspfiff minutenlang enttäuscht am Boden der UPC-Arena und waren sich der Tragweite der Niederlage bewusst. "Die Enttäuschung ist riesig, das war eine einmalige Chance, die wir vielleicht nie wieder bekommen", brachte es Andreas Hölzl auf den Punkt. Besonders bitter ist das Ausscheiden, da die Chancen in 180 Minuten durchaus dagewesen wären.

Im Hinspiel hatte Milan Dudic die Riesenchance auf das 2:0 ausgelassen, am Mittwoch war Hölzl in der neunten Minute nach gutem Beginn der Grazer im Abschluss nicht kaltschnäuzig genug. "Unsere Chancenauswertung war schlecht. Wenn man kein Tor schießt, hat man es nicht verdient, in die Champions League zu kommen", war der Tiroler auch selbstkritisch.

Roman Kienast, der sich im Sonntag-Bundesligaspiel einen Mittelfußknochenbruch zugezogen hatte, fehlte den Steirern in der Offensive an allen Ecken und Enden. "Wenn Roman dabei gewesen wäre, hätten wir es vielleicht geschafft", sagte Szabics. Coach Foda wollte sich auf solche Spekulationen nicht einlassen. "Es macht keinen Sinn, sich auf den Kienast-Ausfall auszureden. Uns hat einfach zu viel gefehlt", betonte der Deutsche.

Imre Szabics ließ nur hin und wieder seine Klasse aufblitzen, der als hängende Spitze aufgebotene Haris Bukva konnte sich genauso wie die Mittelfeld-Außenspieler Hölzl und Patrick Wolf sowie die eingewechselten Mario Haas und Samir Muratovic kaum in Szene setzen. Zudem patzte auch die Defensive zweimal. Beim 0:1 wurde Wolodko nicht attackiert und konnte außerhalb des Strafraums einschießen. Das 0:2 war eine Kopie vom 1:1 im Hinspiel, auch diesmal war der aufgerückte Simic nach einem Freistoß per Kopf zur Stelle. "Das ist sehr, sehr bitter", meinte Jürgen Säumel.

Frust und Leere bei Säumel

Laut dem Sturm-Rückkehrer werde man erst in den nächsten Tagen so richtig realisieren, welche Chance man ausgelassen hat. "Der Frust ist riesengroß, momentan verspüre ich nur eine Leere. Die Europa League ist zwar auch eine Leistung, aber wenn man so knapp vor der Champions League steht, überwiegt die Enttäuschung", sagte Säumel.

Das sah auch Torhüter Christian Gratzei so. "Wir hätten über uns hinauswachsen müssen, das ist uns nicht gelungen. Die Europa League ist nur ein kleiner Trostpreis", meinte der Sturm-Goalie. "Im Vorhinein hätten wir es gerne genommen, jetzt ist es aber unheimlich bitter", ergänzte Hölzl. Für einen Großteil der Mannschaft wäre die Champions League Neuland gewesen, nur Szabics (15 Spiele/für Stuttgart und Sturm), Haas (10/Sturm), Ferdinand Feldhofer (9/Sturm) und Kienast (1/Rapid) haben bisher dort neben Coach Franco Foda (9/Sturm) und Tormanntrainer Kazimierz Sidorczuk (15/Sturm) Erfahrungen sammeln können.

Die Ausgangssituation für die Grazer im Playoff war vor dem zweiten Spiel so gut wie schon lange nicht mehr für einen ÖFB-Klub gewesen, trotzdem zogen Kapitän Manuel Weber und Co. den Kürzeren. Die Königsklasse geht damit zum sechsten Mal in Folge ohne österreichische Beteiligung über die Bühne. Die Steirer ließen nicht nur hohe finanzielle Einnahmen (7,2 Millionen Euro rein an Startgeld) liegen, sondern auch wichtige Zähler für die UEFA-Fünf-Jahres-Wertung, hätte es doch vier Bonuspunkte gegeben.

Borisov gibt damit nach der Saison 2008/09 ein Comeback in der Eliteliga, die rund 50 mitgereisten Anhänger zündeten aus Freude zahlreiche Kracher. Der 34-jährige Coach Wiktor Gontscharenko, der auch schon damals auf der BATE-Trainerbank war, war voll des Lobes für seine Mannschaft. "Es ist ein fantastisches Erlebnis. Viele haben nicht an uns geglaubt, wir aber schon. Die Spieler haben gekämpft wie die Löwen", sagte der Ex-Kicker, der sich nun Manchester United als Gegner wünscht. Für die Borisov-Kicker lohnte sich der Aufstieg auch finanziell, 1,6 Millionen Euro werden an die Spieler ausgeschüttet.

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apa