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Stadtrundgang oder Sightseeing auf die Akropolis ist am Mittwochvormittag für die Kicker von Fußball-Meister Sturm Graz in Athen angesagt gewesen. Durch die verfrühte Anreise zum Europa-League-Spiel gegen AEK hatten Manuel Weber und Co. Zeit, sich nach dem Frühstück für einige Stunden vom "runden Leder" abzulenken.

Demonstrationen prägen das Straßenbild in Griechenland
Von richtigem Urlaubsfeeling fehlt derzeit in Griechenlands Hauptstadt aber jede Spur, Streiks und Demonstrationen stehen aufgrund der nationalen Finanzkrise an der Tagesordnung. Am Dienstagabend wurde einmal mehr vor dem Regierungsgebäude demonstriert, die Polizei setzte Tränengas ein, um die Demonstranten zurückzudrängen. Hotelanlagen waren zum Teil aus Sicherheitsgründen abgeriegelt, konnten nur durch Hintereingänge verlassen werden und Mitarbeiter trugen Schutzmasken.
Auch am Mittwoch stand der öffentliche Verkehr so gut wie still, Bus- und U-Bahn-Fahrer hatten sich wegen der harten Sparpolitik und möglichen Entlassungen im öffentlichen Dienst dazu entschlossen, ihre Arbeit niederzulegen, dazu fuhren auch keine Taxis.
Die Krise hat natürlich auch den Sport nicht verschont. Besonders betroffen sind die Vorbereitungen der zum Teil schon fix qualifizierten Athleten auf die Olympischen Spiele 2012 in London. "Deren Vorbereitungen sind stark beeinträchtigt, weil sie keine Unterstützung bekommen. Das ist ein großes Problem", sagte Yannis Darras, Präsident der European Union of Sports Press.
Auch auf den griechischen Fußball hat sich die Krise negativ ausgewirkt. Das weiß auch Mario Hieblinger, der sein Geld seit mehr als fünf Jahren beim Erstligisten Ergotelis verdient. "Wir Spieler haben Kürzungen in Kauf genommen, mit denen wir leben können", sagte der 34-Jährige. Zudem habe es in der Vergangenheit auch bei der Auszahlung leichte Probleme gegeben. "Das war kurzfristig einmal, wurde aber zur Zufriedenheit der Spieler gelöst", fügte der Abwehrspieler, der seinen bis Sommer 2013 gültigen Vertrag erfüllen will, hinzu.
Die Clubs haben vor allem auch damit zu kämpfen, dass sie in der Vergangenheit keine Steuern gezahlt haben, womit jetzt Schluss ist. Das zum Teil undurchsichtige Geschäftsgebaren der Vereine soll ab sofort sorgfältig geprüft werden, die Vereine sind dabei, ein Arrangement mit dem Staat zu treffen. "Das ist ein großes Problem", weiß auch Darras. Für den UEPS-Präsidenten hat die Krise aber vordergründig auf den Fußball-Amateurbetrieb ihre Auswirkungen.
"Der Profibetrieb wird gesponsert von den Lotterien und den TV-Sendern. Das Problem der Clubs ist nur, dass sie mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen", analysierte Darras. Deshalb hat der Großteil der griechischen Clubs zum Teil auch sehr hohe Schulden. "AEK ist ein großer Name im griechischen Fußball, aber auch sie haben mit finanziellen Problemen zu kämpfen", sagte Hieblinger. Da ist auch nicht förderlich, dass wegen der Schuldenkrise weniger Fans in die Stadien pilgern. "Die Vereine haben rund 25 Prozent weniger Einnahmen durch Ticket-Verkäufe", sagte Darras.
Manipulations-Skandal "nicht förderlich für den griechischen Fußball"
Griechenlands Fußball steckt aber auch wegen eines Manipulations-Skandals in der Krise. Olympiakos Volos und A.O. Kavala mussten in die vierte Liga zwangsabsteigen und nach vier gespielten Runden ist immer noch nicht geklärt, ob zwei Teams nachrücken oder die Super League nur mit 14 Teams zu Ende gespielt wird. "Das ist nicht förderlich für den griechischen Fußball und sehr ärgerlich", betonte Hieblinger.
Die beiden Clubbesitzer Achilleas Beos (Volos) und Makis Psomiadis (Kavala) waren vom griechischen Fußballverband (EPO) zu lebenslangen Sperren und Geldstrafen in Höhe von umgerechnet je 90.000 Euro verurteilt worden. Sie dürfen nie wieder ein Amt im Fußball annehmen und kein griechisches Stadion mehr betreten. Gegen beide läuft auch ein juristisches Verfahren. Sie sollen mehrere Spiele manipuliert haben. Welche diese sind, versucht derzeit die Justiz zu klären.
Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hatte in den vergangenen zwei Jahren mehrere Spiele griechischer Mannschaften als "verdächtig" eingestuft. Der griechische Fußballverband hatte zudem den beiden Teams zunächst zehn bzw. acht Punkte abgezogen. Bereits zuvor war dem Traditionsclub Iraklis Saloniki wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten die Lizenz entzogen worden. Der EPO hatte übrigens Anfang Juni für zwei Wochen seinen Betrieb aus Protest gegen Gewalt und Unregelmäßigkeiten im griechischen Fußball eingestellt.
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