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Samstag, 22.10.2011
In unserem heutigen FussballBLOG geht es um einen Teil der Fussballwelt, der vielen von euch wahrscheinlich relativ unbekannt sein dürfte. In Zentralamerika gibt es vier Ligen, die weitestgehend unbemerkt vom Rest der Welt ihre Spiele austragen. Trotzdem oder gerade deswegen bieten sie viele begabte Spieler und spannende Duelle.
Die „Liga Nacional de Futbol de Honduras“ unterteilt sich im Jahr in zwei Meisterschaften. Wie in Mittel- und Südamerika üblich spielen die Vereine eine Frühjahrs – (Apertura) und Herbstmeisterschaft (Clausura) aus. Daher gibt es pro Jahr immer zwei Meister, die von 10 Mannschaften ausgespielt werden. Die stärksten Teams und daher auch in den letzten Jahren oftmals Meister, sind C.D. Olimpia aus Tegucigalpa, C.D. Motagua, ebenfalls in Tegucigalpa beheimatet und Real C.D. Espana aus San Pedro Sula. Hinzu kam in den letzten Jahren noch C.D. Marathon aus San Pedro Sula, jedoch ist bei den Titeln mit 23 Meisterschaften C.D. Olimpia ganz klar vorne. Auch aktuell streiten sich wieder die Topmannschaften um den Titel.
Der bekannteste Spieler aus Honduras dürfte Wilson Palacios sein, aktuell bei den Tottenham Hotspurs unter Vertrag und dort auch Stammspieler. Mit seinem Wechsel nach Europa richtete sich das Augenmerk erstmals in Richtung Zentralamerika. David Suazo, Catania Calcio, ist der zweite honduranische Profi, der in einer europäischen Topliga sein Geld verdient. Weitere könnten folgen, auch weil die Mannschaft im Januar dieses Jahres die Copa Centroamericana gewann und sich im Finale immerhin gegen die favorisierten Spieler aus Costa Rica durchsetzte!
Die Liga Nacional de Guatemala geht nach dem gleichen System mit Apertura und Clausura vor. Hier spielen 12 Mannschaften zwei Meister im Jahr aus, von denen mit Communicaciones und Municipal nur zwei Teams in der Hauptstadt Guatemala City beheimatet sind. Alle anderen verteilen sich recht gleichmäßig über das Land. Die beiden Hauptstadtvereine machen allerding, sicherlich auch durch die höchste Finanzkraft, die Meisterschaften meistens unter sich aus. Municipal wurde 28 mal Meister, Communicaciones 24 Mal. Meisterschaften anderer Teams sind in dieser Liga sehr ungewöhnlich, entsprechend groß ist der Abstand in der Titeltabelle. Der bekannteste Spieler Guatemalas spielt aktuell in der MLS bei Chicago Fire. Marco Pappa ist dort Stammspieler und sorgte diese Saison mit 8 Toren aus 28 Einsätzen als rechter Mittelfeldspieler für Aufsehen. Insgesamt steckt die Liga noch in den Kinderschuhen und die Professionalität muss ausgebaut werden, damit Fussballer aus Guatemala auch in Europa Chancen haben.
Die Salvadoran Primera Division, ebenfalls mit dem Spielmodus Apertura und Clausura, besteht aktuell aus 10 Teams, von denen 3 aus der Hauptstadt San Salvador kommen. Das größte Stadion, das Cuscatlan in der Hauptstadt, in dem auch die Nationalmannschaft ihre Spiele austrägt, fasst immerhin 45.000 Zuschauer und ist nicht nur das größte Stadion in Zentralamerika, sondern hat als Einziges auch eine LED Anzeigetafel, die europäischen Standards entspricht. Das erfolgreichste Team in El Salvador kommt jedoch nicht aus der Hauptstadt, sondern aus Santa Ana. C.D. FAS konnte vorallem in den frühen 2000er Jahren überzeugen und sicherte sich bisher 17 Meisterschaften. Außerdem holten sie 1979 den CONCACAF Champions Cup, was in Nord- und Mittelamerika der Champions League entspricht. Dieses Kunststück gelang jedoch einige Jahre vorher auch ihren größten Rivalen, C.D. Aguila aus San Miguel. Diese sind mit 14 Meistertiteln auch die größten Konkurrenten in der Meisterschaft und Spiele zwischen den beiden Teams gelten in Zentralamerika als eines der größten Fussballspektakel überhaupt. Alianca F.C. aus San Salvador ist mit 10 Titeln der erfolgreichste Hauptstadtklub und ebenfalls Gewinner des Champions Cups. Allerdings spielten Mannschaften aus El Salvador in den letzten Jahren hier keine große Rolle mehr und die Erfolge liegen alle lange zurück. Dies könnte auch ein Grund sein, wieso Fussballer aus El Salvador nicht unbedingt zu den Exportschlagern gehören. Gerade mal ein Spieler der aktuellen Nationalmannschaft spielt im Ausland. Steve Purdy verdient sein Geld in der MLS bei den Portland Timbers und gilt damit als Nationalheld in El Salvador, da er sich in der amerikanischen Leistungsgesellschaft durchgesetzt hat.
Auch die Nicaraguan Primera Division verfährt nach dem Apertura – Clausura – Prinzip. Hier gibt es jedoch ein Team, das klar aus allen heraussticht, was die Anzahl der Meisterschaften angeht. Diriangen F.C. aus Diriamba feierte bisher 26 Titel. Auffallend ist jedoch, dass in den letzten Jahren kein Titel mehr hinzu kam. Die Liga besteht seit 1933 und viele der Titel gewann das Team in den 40er Jahren. Auch in der Zeit bis 2005 kamen noch einige hinzu, jedoch wurde die Herrschaft von Real Esteli und Deportivo Walter Ferretti aus der Hauptstadt Managua abgelöst, die sich die letzten Titel immer hin und her schoben. Das größte Stadion, das Estadio Nacional in Managua, hat an sich eine Kapazität von 30.000 Zuschauern, ist jedoch so baufällig, dass nur noch knapp 8.000 zugelassen werden. Bei der Copa Centroamericana im Januar dieses Jahres, schied das Team schon in der Gruppenphase aus. Kein Wunder, ist der einzige Spieler, der sich im Ausland durchgesetzt hat, auch bei Boavista S.C. in Brasilien unter Vertrag, einem höchstens zweitklassigen Fussballverein.
Die Entwicklung in Zentralamerika schreitet voran, doch muss gerade Nicaragua schauen, dass es nicht auf der Strecke bleibt. Honduras und El Salvador scheinen aktuell die stärksten Ligen und auch Nationalmannschaften zu bilden und vielleicht kommen nach Wilson Palacios ja noch andere junge Spieler über den Atlantik, die in europäischen Ligen den Fans Freude bereiten können. Wir sind gespannt.
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