Für Vize-Weltmeister Niederlande ist die EURO in Polen und der Ukraine schon nach der Gruppenphase zu Ende. Die Truppe von Chefcoach Bert van Marwijk unterlag am Sonntag in Charkiw Portugal mit 1:2 (1:1) und beendete die Gruppe B damit punktlos als Letzter. Die Portugiesen zogen dank eines groß aufspielenden Cristiano Ronaldo, der auch beide Tore (28., 74.) erzielte, ins Viertelfinale ein.

picCristiano Ronaldo schoss sich den Frust von der Seele

Damit hat es in der EM-Geschichte weiterhin kein Team nach zwei Niederlagen in den ersten Spielen - 0:1 gegen Dänemark und 1:2 gegen Deutschland - noch geschafft, den Aufstieg zu fixieren. Für die Niederländer, für die Van der Vaart traf (11.), ist es die größte Schmach seit 1984, wo man erst gar nicht beim Turnier vertreten war, sowie das erste Out nach der Gruppenphase seit 1980. Damals hatten die Niederländer bei der acht Teams umfassenden EM in Italien in ihrer Gruppe Rang drei belegt.

Die Portugiesen waren mit Ausnahme der Anfangsviertelstunde klar besser und kamen völlig verdient zum Sieg. Der zuletzt als "Chancentod" stark in die Kritik geratene Ronaldo drückte der Partie seinen Stempel auf. Nach einem Pereira-Idealpass kam Vlaar zu spät und der Real-Madrid-Star ließ sich die Möglichkeit nicht entgehen (28.). Beim 3:2 gegen Dänemark hatte Ronaldo eine ähnliche Chance noch stümperhaft ausgelassen.

Bereits zuvor hatte Portugals Kapitän nur die Außenstange getroffen (16.), und bei einem Kopfball seinen Meister in Stekelenburg gefunden (23.). Danach hatte der Niederlande-Goalie bei einem ansatzlosen Ronaldo-Weitschuss seine Mühe (33.) und ging ein Kopfball des Offensivstars knapp daneben (35.). Nach dem Seitenwechsel schloss Ronaldo einen Konter nach Nani-Vorarbeit mustergültig zum entscheidenden 2:1 ab (74.). In der 90. Minute verhinderte nur die Stange einen Triplepack des Angreifers.

Die Niederländer hätten mit zwei Toren Unterschied gewinnen müssen, um aufzusteigen, waren aber meilenweit davon entfernt. Van Marwijk hatte zuletzt Rückendeckung von Verbandsseite erhalten, aufgrund des miserablen Abschneidens mit null Punkten aus drei Spielen scheint aber auch seine Zukunft trotz längerfristigen Vertrags mehr als ungewiss.

Van Marwijk brachte im Spiel der letzten Chance drei neue Kräfte in der Anfangsformation. Anstelle von Heitinga sollte Vlaar die Innenverteidigung stabilisieren, im zentralen Mittelfeld bekam der kreativere und offensivere Van der Vaart gegenüber Trainer-Schwiegersohn Van Bommel den Vorzug und an vorderster Front agierte Huntelaar. Van Persie agierte als hängende Spitze, Sneijder rückte für den zu Beginn auf die Bank verbannten Afellay auf die linke Offensivseite.

Der Europameister von 1988 war aber nur in der Anfangsphase furios. Van der Vaart nahm sich nach Robben-Zuspiel aus 20 Metern ein Herz und traf unhaltbar für Patricio genau ins lange Eck (11.). Der Kapitän rechtfertigte damit gleich einmal seine Aufstellung von Beginn an. Wer allerdings glaubte, dass die "Oranjes" in der Folge groß aufspielten, lag völlig falsch. Der Gegentreffer war wie ein Weckruf für die Portugiesen, die sich plötzlich wie verwandelt präsentierten und die völlig überforderte Niederlande-Defensive immer wieder vor Probleme stellten.

Wie vor der Pause war auch in den zweiten 45 Minuten von den erstmals von Beginn an gemeinsam in der Spitze aufgebotenen Huntelaar und Van Persie überhaupt nichts zu sehen, vor allem aber auch, da sie kaum brauchbare Bälle erhielten. Portugal bekommt es im Viertelfinale am Donnerstag in Warschau mit Tschechien zu tun.

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apa