Sieben mal probiert, sieben mal ist nichts passiert – so lassen sich die Erfahrungen der DFB-Elf mit der Squadra Azzurra bei Welt- und Europameisterschaften auf einen kurzen Nenner bringen. Weltfussball wirft einen Blick auf die sieben Duelle.        

picDie Kapitäne Uwe Seeler (re.) und Giacinto Facchetti (li.) tauschen vor dem legendären Halbfinale 1970 die Wimpel.

Sieben Spiele und kein Sieg – mit dieser aus deutscher Sicht niederschmetternden Bilanz versuchen nicht nur italienische Medien ihrem Team Mut und dem Gegner Angst zu machen. Dabei waren die Aufeinandertreffen der beiden Größen des Weltfußballs stets Duelle auf Augenhöhe. Vier der sieben Vergleiche endeten Unentschieden, bis auf das WM-Finale 1982 hatte keines der Spiele nach 90 Minuten einen Sieger.

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WM 1962: Deutschland – Italien 0:0
Für die beiden ehemaligen Weltmeister war das Spiel ihr Auftakt in das 62er Turnier.  Chancen gab es zwar auf beiden Seiten, aber sowohl der junge Wolfgang Fahrian auf deutscher Seite wie auch Lorenzo Buffon – übrigens ein Cousin des Großvaters von Gianluigi Buffon – konnten ihren Kasten sauber halten. Auffällig war dagegen die harte Gangart beider Teams. Wenige Tage später sollte es im zweiten Gruppenspiel der Italiener gegen Chile zur "Schlacht von Santiago" kommen, das als eines der brutalsten Spiele der Fußballgeschichte gilt. Am Ende half der Punkt im Auftaktspiel den Deutschen mehr als den Italienern. Deutschland qualifizierte sich als Gruppensieger für das Viertelfinale, Italien schied nach der Vorrunde aus.

>> Die Spieldaten: Deutschland - Italien 0:0

WM 1970: Italien – Deutschland 4:3 n.V.
Das "Jahrhundertspiel": 90 Minuten lang deutete nichts auf die spätere Bezeichnung für diese Halbfinal-Partie hin. Boninsegna  hatte Italien früh in Führung gebracht, danach versuchte die Squadra Azzurra mit einer reinen Defensivtaktik die knappe Führung über die Zeit zu retten. Nach vielen vergebenen Chancen gelang ausgerechnet Italien-Legionär Karl-Heinz Schnellinger vor mehr als 100.000 Zuschauern in der Nachspielzeit der Ausgleich. In der Verlängerung wurden alle taktischen Zwänge beiseite geworfen. Die schnelle Führung der Deutschen durch Gerd Müller konterten die Italiener bis zum Seitenwechsel durch Treffer von Burgnich und Riva. Doch die gehandicapte deutsche Elf – Franz Beckenbauer hatte sich, nachdem das deutsche Auswechselkontingent erschöpft war, eine Schulterverletzung zugezogen und spielte mit einem Schulterverband – kam wieder durch Gerd Müller in der 110 Minute zurück ins Spiel. Der 3:3-Ausgleich hielt allerdings nicht lange. Schon eine Minute später traf Gianni Rivera zum 4:3-Endstand. Im Aztekenstadion von Mexiko erinnert heute eine Bronzetafel an dieses außergewöhnliche Spiel.

>> Ein ausführlicher Bericht zum "Jahrhundertspiel"
>> Die Spieldaten: Italien - Deutschland 4:3 n.V.

WM 1978: Deutschland – Italien 0:0
Acht Jahre nach dem Jahrhundertspiel kommt es in der Zwischenrunde der WM 1978 zum erneuten Aufeinandertreffen der beiden Fußballgroßmächte.  Italien war souverän durch die Vorrunde marschiert und hatte dort sogar den späteren Weltmeister Argentinien geschlagen, während sich das deutsche Team mit zwei dürftigen und torlosen Unentschieden gegen Polen und Tunesien in die Zwischenrunde zitterte. Das 0:0 zum Auftakt der Zwischenrunde half letztlich keinem. Die Deutschen schieden durch die als „Schmach von Cordoba“ bekannt gewordene 2:3-Niederlage gegen Österreich sang- und klanglos aus dem Turnier aus, während Italien zwar das Duell mit den Niederlanden um den Einzug ins Finale verlor, sich aber immerhin für das Spiel um den dritten Platz qualifizieren konnte.

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WM 1982: Italien – Deutschland 3:1
Das WM-Finale von 1982 ist das einzige Pflichtspiel zwischen den beiden Mannschaften, das nach 90 Minuten einen Sieger hatte. Eine bis dahin durch dürftige Auftritte wenig überzeugende DFB-Elf hatte im Halbfinale gegen Frankreich zum ersten Mal in dem Turnier geglänzt und mit einem Kraftakt einen 1:3-Rückstand in der Verlängerung aufgeholt und letztlich im Elfmeterschießen gewonnen. Offensichtlich hatte die Elf von Trainer Jupp Derwall zu viele Körner gelassen, denn im Finale hatten sie den Italienern nichts entgegenzusetzen. Die Squadra Azzurra führte bereits mit 3:0, als Paul Breitner in der 83. Minute den Ehrentreffer für Deutschland erzielen konnte. Italien holte sich damit den dritten Weltmeistertitel.

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EM 1988: Italien – Deutschland 1:1
Zum Auftakt der Europameisterschaft im eigenen Land musste Deutschland gleich gegen Italien ran. Deutschland ging zwar als Mitfavorit in das Turnier, im ersten Spiel war allerdings die junge italienische Mannschaft mit dem 20-jährigen Paolo Maldini deutlich überlegen. Die folgerichtige Führung durch Roberto Mancini in der 53. Minute konnte die Beckenbauer-Elf nur drei Minuten später durch ein Freistoßtor von Andreas Brehme ausgleichen. Beide Teams qualifizierten sich für das Halbfinale, zogen aber gegen die Niederlande (Deutschland) bzw. gegen die UdSSR (Italien) den Kürzeren.

>> Die Spieldaten: Italien - Deutschland 1:1

EM 1996: Deutschland – Italien 0:0
Im letzten Gruppenspiel ging es für die Spieler von Italiens Coach Arrigo Sacchi um Alles oder Nichts. Nur ein Sieg gegen Deutschland würde den Viertelfinaleinzug ermöglichen, während die deutsche Elf nach zwei Siegen gegen Tschechien und Russland nur noch theoretisch ausscheiden konnte. Spieler des Spiels aus deutscher Sicht wurde Keeper Andreas Köpke. Der jetzige Torwarttrainer der DFB-Elf hielt nicht nur einen Foulelfmeter von Gianfranco Zola in der 9. Minute, sondern verhinderte mit zahlreichen weiteren Paraden eine Niederlage gegen die Italiener. Die Squadra Azzurra schied mit dem Unentschieden aus, Deutschland holte wenige Tage später mit einem 2:1-Erfolg über Tschechien seinen bislang letzten Titel.

>> Die Spieldaten: Deutschland - Italien 0:0

WM 2006: Deutschland – Italien 0:2 n.V.
Grosso beendet das deutsche Sommermärchen. 119 Minuten lang war Italien zwar die bessere Mannschaft, konnte aber den Ball nicht an Jens Lehmann vorbei im deutschen Gehäuse unterbringen. Als sich die deutschen Fans schon auf eine Fortsetzung des Elfmeterdramas aus dem Viertelfinale gegen Argentinien eingestellt hatten, traf Fabio Grosso mit einem Schlenzer ins lange Eck in der 119. Minute zum 1:0. In der Nachspielzeit der Verlängerung erhöhte Alessandro del Piero auf 2:0, stieß damit ganz Deutschland in Trauer und Italien das Tor zum Finale auf. Zum Spieler des Spiels in Dortmund ernannte die Fifa übrigens einen gewissen Andrea Pirlo.

>> Die Spieldaten: Deutschland - Italien 0:2 n.V.

Ralf Amshove