Viele bekannte Gesichter spielen weitgehend unbeachtet von der deutschen Presse im Ausland. Diesmal geht es u.a. um die sich anbahnende Premier-League-Karriere eines eigentlichen Ersatztorwarts und einen einstigen Skandalkicker.                                

picDas Tor von Swansea City ist für die nächsten Spiele der Arbeitsplatz von Gerhard Tremmel

Plötzlich ging alles ganz schnell. Gerhard Tremmel wärmte sich kurz auf, betrat den grünen Grund des Etihad Stadiums von Manchester City und war "mittendrin statt nur dabei" im Abenteuer Premier League. Der frühere "Hachinger" und Cottbusser spielte auf einmal nicht mehr in der deutschen Provinz, sondern gegen eine der besten Angriffsreihen des Weltfußballs, in der stärksten Liga der Welt. Und Tremmel hielt seinen Kasten sauber gegen die Star-Truppe um Agüero, Tévez und Balotelli.

Kurz vor Ende des Transferfensters im Sommer 2011 unterschrieb der gebürtige Münchner einen Zwei-Jahres-Vertrag beim englischen Premier-League-Aufsteiger Swansea City. Die walisischen "Schwäne" brauchten einen erfahrenen und routinierten Ersatzmann hinter ihrer etatmäßigen Nummer Eins, Michel Vorm. Tremmel hatte nach Jahren in der ersten und zweiten Bundesliga für eine Saison bei RB Salzburg gespielt und avancierte als eigentlicher Ersatztorwart zeitweise zum sichersten Keeper der österreichischen Bundesliga. Trotzdem verpflichteten die "Bullen" nach der Spielzeit 2010/11 zusätzlich zu ihrer wieder genesenen Nummer Eins Eddie Gustafsson einen weiteren Goalie.

Nun, über ein Jahr später, steht Tremmel plötzlich im Kasten und damit im Rampenlicht eines Premier-League-Teams. Was war passiert? Der holländische Nationaltorwart Vorm hatte sich in der zweiten Hälfte des Spiels bei Manchester City eine schwere Leistenverletzung zugezogen und fällt nun für mindestens zwei Monate aus. Nach seiner Einwechslung durch "Swans"-Coach Michael Laudrup zeigte Tremmel eine gute Leistung gegen den Weltklasse-Angriff der "Citizens" und darf sich nun im Herbst seiner Karriere auf Kracherspiele gegen die "Big-Four" des englischen Fußballs, Chelsea (03.11.), Liverpool (24.11.), Arsenal (01.12.) und Manchester United (22.12.), freuen.

Und wer weiß, vielleicht hat Swansea in ein paar Wochen sogar eine neue Nummer Eins und die Premier League ist aus deutscher Fan-Perspektive um eine Attraktion reicher.

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Danijel Ljuboja ist den hiesigen Fußballfans in vorwiegend schlechter Erinnerung. Er galt als Abzocker, als "Krawall-Kicker", als "Pulverfass". Und nun ist dieses Pulverfass "explodiert". Jedoch nicht, wie es die Anhänger des VfB Stuttgart, des HSV oder des VfL Wolfsburg erwartet hätten, abseits des Platzes, sondern darauf.

Nachdem es den Serben 2011 zu Legia Warschau verschlug, deutete er in seiner ersten Saison sein Leistungsvermögen bereits an (17 Scorerpunkte) und schoss nun nach sechs Toren in den ersten acht Partien 2012/13 im Spiel gegen Piast Gliwice den Vogel ab: Dank Ljubojas Doppelpacks drehte Tabellenführer Legia einen 0:2-Rückstand und gewann das Spiel mit 3:2. Besonders sehenswert war dabei der zwischenzeitliche Anschlusstreffer zum 1:2, als der Serbe den Ball mit seiner rechten Hacke und einer Ganzkörperdrehung ins Tor zauberte.

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Lucas Barrios hat mit seinem mutigen Wechsel nach China zum Guangzhou Evergrande FC viele Fußballfans überrascht. Der einstige Welttorjäger und zweifache deutsche Meister darf sich seit letztem Wochenende nun auch chinesischer Meister nennen. Doch der sportliche Wert dieses Titels sowie des Wechsels von "Lucas" darf stark angezweifelt werden. Ganze zwei Treffer und zwei Assists gelangen dem gebürtigen Argentinier bei der Titelverteidigung des von Marcello Lippi gecoachten chinesischen Teams.

Wie die zeitweisen Gerüchte um eine Rückkehr nach Europa zeigen, scheint der paraguayische Nationalspieler alles andere als zufrieden mit seinem Standing in Guangzhou: Dort sind nämlich Darío Conca und die beiden Brasilianer Muriqui und Cléo die Stars des Teams und die Eckpfeiler der Meistermannschaft, jedoch nicht der ehemalige Dortmunder, der seit seinem Wechsel ganze 340 Liga-Minuten für seinen neuen Verein gespielt hat.

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"Besser" gewechselt ist da der ehemalige Schalker Marvin Pourie. Den früheren U-18-Nationalstürmer, der bereits zweieinhalb Jahre in der Jugend des FC Liverpool kickte, zog es im Sommer 2011 nach mehreren erfolglosen Leihen zu deutschen Zweiligaklubs völlig überraschend nach Dänemark zu Silkeborg IF.

Dort netzte der Mittelstürmer in seiner ersten Saison gleich neun Mal ein und bewahrte seinen Verein damit vor dem Abstieg. Trotz des schwachen Saisonstarts seines Klubs in dieser Spielzeit traf der frühere Schalker in bisher elf Einsätzen bereits sieben Mal und markierte auch bei der 1:2-Niederlage gegen Randers FC am letzten Wochenende den einzigen Treffer von Silkeborg. Der "Umweg" Dänemark scheint sich auszuzahlen für Pourie.

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Lennart Dommer