<b>Viele bekannte Gesichter der Bühne Bundesliga spielen unbeachtet von den deutschen Medien im Ausland. Diesmal geht es in der weltfussball-Serie "Rampenlicht" u.a. um den Doppelgänger Andy Garcias.                          
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picDimitar Berbatov (v.) feiert einen seiner Treffer für den FC Fulham

Wenn es im Fußball eine Oscarverleihung gäbe, so wären die aussichtsreichsten Kandidaten die üblichen Verdächtigen: Lionel Messi wäre ohnehin in jeder Kategorie widerstandlos favorisiert, außer vielleicht als "Kopfballungeheuer des Jahres". Cristiano Ronaldo wäre konkurrenzlos in den Kategorien "bester männlicher Hauptdarsteller" und "bestfrisierter Marketing-Magnet" des Jahres sowieso. Und sonst? Vielleicht gäbe es auch eine Kategorie, in der facettenreiche und wandelbare Spieler ausgezeichnet würden: Charakteristiken also, die eher einem Schauspieler zuzuordnen sind als einem Profifußballer.

Für solch einen Preis käme Fulham-Stürmer Dimitar Berbatov in Frage, der dem jungen "Paten-Darsteller" Andy Garcia so sehr ähnelt, dass englische Boulevard-Medien einst witzelten, der ehemalige Angreifer von Manchester United habe eine hochkriminelle Vergangenheit. Doch die "Pate-Trilogie" mit Garcia diente dem damals jungen Fußballer eher als Lehrmaterial, um die englische Sprache zu lernen und lediglich in dem Sinne als Vorbild, dass der mittlerweile international renommierte Angreifer anscheinend seine Spielweise der Wandelbarkeit eines Schauspielers entlehnt hat.
So trifft der siebenmalige bulgarische Fußballer des Jahres - wie auch am letzten Wochenende im Spiel Fulhams bei Arsenal (3:3) - regelmäßig wie er will: Vorzugsweise mit rechts, manchmal mit links und des Öfteren auch mit dem Kopf. Jedoch lassen sich Berbatovs Qualitäten nicht nur anhand seiner Treffsicherheit festmachen: Für einen klassischen Mittelstürmer verfügt der frühere Leverkusener über ein extrem hohes taktisches Spielverständnis und starke technische Fähigkeiten. Außerdem glänzt der Bulgare regelmäßig als Vorbereiter für seine Mitspieler, bspw. gelangen ihm in fünfeinhalb Jahren im Bayer-Trikot neben 68 Bundesliga-Toren stolze 33 Assists.

Während Berbatovs Kritiker ihm ob seiner lässigen, eleganten und bedachten Spielweise einen Hang zur Faulheit und zum Phlegma attestieren, strafte Manchester Uniteds drittteuerster Spieler aller Zeiten (38 Millionen Euro) jene besonders in seiner Zeit bei den "Red Devils" Lügen: Fiel sein Sturmpartner Wayne Rooney einmal verletzt aus, so schlüpfte Berbatov in dessen Rolle und überzeugte durch einen - für ihn ungewohnten - hohen Aufwand und Entschlossenheit.
Seine Vielschichtigkeit demonstrierte Berbatov unlängst beim spektakulären 3:3 seines FC Fulham bei Arsenal. Beim Blockbuster der ehemaligen Bundesliga-Spieler waren nicht etwa Per Mertesacker oder Lukas Podolski die Hauptdarsteller, sondern Dimitar Berbatov: Erst stellte er nach einer Ecke per Kopf den Anschluss zum 0:2-Rückstand her, dann bereitete er durch eine technisch perfekt geschlagene No-Look-Flanke aus vollem Lauf den Ausgleich vor und erzielte letztlich sogar die zwischenzeitliche 3:2-Führung durch einen frech und gelassen, mit verzögertem Anlauf verwandelten Elfmeter.

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Ehemaligentreffen am Bosporus

In der Türkei kam es am letzten Wochenende in der Begegnung zwischen Beşiktaş Istanbul und Bursaspor ebenfalls zu einem Gipfeltreffen ehemaliger Bundesliga-Spieler. Auch dort standen beim 3:3-Unentschieden einige "alte Bekannte" im Rampenlicht. Während bei Bursa besonders der ehemalige Wolfsburger Tuncay Şanlı durch zwei Assists und der frühere Bochumer Stanislav Šesták durch den Treffer zur 1:0-Führung auffielen, sorgten auf Beşiktaş-Seite Olcay Şahan und Hugo Almeida für die Höhepunkte: Der einstige Duisburger und Lauterer traf für die Istanbuler sehenswert zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Hugo Almeida lieferte mit seinem Elfmeter-Tor zum vorläufigen 3:2 das Kontrastprogramm zum Elfer von Dimitar Berbatov, er knallte den Ball mit roher Gewalt in die Tormitte.

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Wieder in Form gekommen

Zwei Stürmer, die in Europa weit weniger treffsicherer waren als Dimitar Berbatov oder Hugo Almeida, sorgen gerade mit Grêmio Porto Alegre in Brasilien für Furore. Dank der Tore von André Lima (ehemals Hertha BSC) und Marcelo Moreno (früher Werder Bremen) besiegte Grêmio am letzten Wochenende den großen FC São Paulo mit 2:1 und steht nun kurz vor dem Gewinn der Vizemeisterschaft.

Beide Angreifer konnten sich bei ihren damaligen Vereinen in Europa nicht durchsetzen und mussten eine schier endlose Wechselodyssee mit etlichen Leihen über sich ergehen lassen, bevor sie nun beim einstigen Klub von Ronaldinho und Tita ihr Glück fanden. Ein Blick in die brasilianische Torjägerliste und auf die aktuelle Form von Fred, Luis Fabiano oder Vágner Love zeigt: Sie sind nicht die einzigen Ex-Europa-Legionäre, die momentan am "Zuckerhut" im Rampenlicht stehen!

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Lennart Dommer