Im mit 168 Meter Seehöhe höchstgelegenen Stadion des englischen Profi-Fußballs, im The Hawthorns, erreicht derzeit auch der Lärmpegel ungeahnte Höhen. West Bromwich hat im siebenten Premier League-Heimspiel den sechsten Sieg eingefahren und liegt nach dem 2:1-Erfolg gegen Chelsea auf Platz vier.

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Doppelt hält besser: West Bromwich setzt zum Höhenflug an, während Fernando Torres wieder mal ins Leere fährt  

Samstag Nachmittag in den Midlands, West Bromwich bei Birmingham. Weltstar Fernando Torres, die Nr. 9 bei Chelsea FC, verlässt hängenden Kopfes das Spielfeld, wird ob seiner Vorstellung ausgelacht und verspottet. Minuten später wird der Ire Shane Long, die Nr. 9 bei West Bromwich Albion, ausgewechselt und das 112 Jahre alte Stadion hebt fast ab. Sitzen bleibt jedenfalls keiner.

Es ist aber mehr als nur eine Momentaufnahme: In der Schützenliste liegen Torres und Long mit bislang vier Treffern zwar gleichauf, in der Scorerwertung hinkt der 50 Mio. Pfund Ablöse teure Welt- und Europameister dem 6,5 Mio. Pfund Ablöse teuren Iren hinterher – bei den Assists steht es nämlich 0:4.
>> Schützenliste Premier League
>> Scorerliste Premier League  

Dabei ist West Bromwich Albion jener Klub, bei dem vor einem Jahr fast alle noch ziemlich zusammengezuckt sind, als ein gewisser Paul Scharner etwas vom Europacup-Einzug daherfaselte. Samstag Nachmittag nahm Manager Steve Clarke die magischen Wörter Champions League in den Mund. Ungefragt. Er stellte sich nach dem 2:1-Sieg gegen Chelsea und den daraus resultierenden vierten Platz beim Resümee nämlich die Frage gleich selbst: "Ob wir jetzt an die Champions League denken können? So weit schaue ich nicht. Aber die Fans können ruhig davon träumen."

Clarke hat leicht reden. Er kennt die Champions League bestens. Die Chelsea-Legende (330 Spiele von 1987 bis 1998) war vier Jahre lang Assistenztrainer bei den "Blues" unter José Mourinho bzw. Avram Grant (2004 bis 2008), ehe er seine Lehre bei West Ham unter Gianfranco Zola (2008 bis 2010) und bei Liverpool unter Roy Hodgson und Kenny Dalglish abschloss. West Bromwich ist sein erster Job als Cheftrainer, abgesehen von einem einzigen Spiel als Interimscoach bei Newcastle (1:5 gegen Manchester United, 1999).

Weit weniger fiel Clarke zur Leistung seiner Truppe ein: "Da fehlen mir einfach die Worte, was hier heute abgegangen ist." Bei BBC sprang Harry Redknapp für ihn in die Presche und meinte über Long: "Der ist als Gegner wie die Pest. Den kriegst du nicht los. Wenn du gegen irgendjemanden spielst, der Shane Long dabei hat, kriegst du automatisch Probleme. Die standing ovations hat er völlig zurecht bekommen."

Gegen Chelsea durchlebte jener ein Wechselbad der Gefühle, denn wenige Stunden vorher hatte er erfahren, dass seine Großmutter verstorben ist. Nach seinem Tor grüßte er Richtung Himmel und präsentierte sein T-Shirt mit dem Aufdruck "Rest in Peace Nan". Als Redknapp und Co. ihre Lobeshymnen anstimmten, saß Long schon im Flieger Richtung Irland.

Carragher gönnt West Brom den Erfolg nicht

Dass West Bromwich keinesfalls dort bleiben soll, wo es derzeit ist, möchte Liverpools Jamie Carragher. Der Verteidiger ging nach dem 3:0-Sieg der Reds gegen Wigan in die Offensive und meinte: "Wir haben heuer zwar keinen guten Start hingelegt, aber von den Top vier sind wir nicht weit weg."

Es sei nicht leicht gewesen, die Abgänge von Spielern wie Maxi Rodriguez oder Dirk Kuyt zu kompensieren. Manager Brendan Rodgers hat dafür Andre Wisdom (19 Jahre), Raheem Sterling (17) oder Suso (heute 20. Geburtstag) eingebaut. "Das dauert eben seine Zeit", so Carragher, "hoffentlich werden wir schon bald davon profitieren."
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ts