picMit dem 53. und letzten Finale am 29. Juni 1963 zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln endete die Geschichte der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, um dann den Weg frei zu machen für die Erfolgsgeschichte der Bundesliga. Viele große Spiele aus den Anfängen des deutschen Fußballs bleiben allerdings unvergessen. Jetzt könnt ihr die mehr als 1000 Spiele zwischen 1903 und 1963 mit allen Aufstellungen, Torschützen, Mannschaftskadern, Torjäger- und Rekordspielerlisten auf weltfussball.de abrufen.

Im letzten Endspiel hatten die Schwarz-Gelben vom Borsig-Platz vor 75.000 Zuschauern im Stuttgarter Neckarstadion das bessere Ende für sich und holten mit einem 3:1 über den Vorjahresmeister aus der Domstadt zum dritten Mal die Krone des Deutschen Fußballs nach Dortmund. Hoppy Kurrat, Reinhold Wosab und Aki Schmidt hatten die Borussen uneinholbar mit 3:0 in Führung gebracht, den Kölnern gelang durch Karl-Heinz Schnellinger nur noch der Anschlusstreffer.

Schalker Kreisel und fränkische Dominanz
Eine ganze Reihe namhafter Spieler hat die 60-jährige Historie der Endrunden um die Deutsche Fußball-Meisterschaft hervorgebracht. Eine ganze Ära prägten die Schalker mit ihrem Kreisel ab den frühen 30er Jahren. Bis 1942 konnten Ernst Kuzorra, Fritz Szepan & Co. sechs Meistertitel einfahren. Wie sehr die Schalker über viele Jahre den Deutschen Meisterschaften den Stempel aufgedrückt haben, sieht man unter anderem an den Rekordlisten. In der Ewigen Torjägerliste belegen mit Fritz Szepan, Ernst Kalwitzki und Ernst Kuzorra gleich drei Schalker die ersten Plätze. Auf Platz vier und fünf folgen mit Uwe Seeler und Helmut Schön zwei Spieler, die auf unterschiedliche Weise noch lange nach der Einführung der Bundesliga den Weg der Deutschen Nationalmannschaft prägten. Mit 87 Einätzen ist der Schalker Szepan auch der Spieler mit dem meisten Partien, ihm folgen in der Liste der Rekordspieler weitere vier Schalker.

Der Beginn der Schalker Ära Anfang der dreißiger Jahre fällt zusammen mit dem Ende einer anderen: Zwischen 1926 und 1931 erreichte Hertha BSC mit seinen Top-Stürmern Hanne Sobek und Willi Kirsei sechs Mal in Folge das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Allerdings dauerte es bis zur fünften Finalteilnahme, bevor die Hauptstädter erstmals die Trophäe in die Luft recken durften. Die großen Konkurrenten der Berliner Hertha kamen in den 20er Jahren aus dem Frankenland und aus Hamburg. Der 1. FC Nürnberg, die SpVgg Fürth und der Hamburger SV waren abwechselnd im Besitz der "Viktoria", der Wandertrophäe, die dann 1949 von der Meisterschale abgelöst wurde.

Finale ohne Meister
Der 1. FC Nürnberg und der Hamburger SV waren auch die Protagonisten des zweifellos denkwürdigsten Finales der deutschen Fußballgeschichte. Im Sommer 1922 trafen beide Vereine aufeinander, um den 14. Meistertitel auszuspielen. Schon die erste Partie sollten die Zuschauer niemals vergessen. 2:2 stand es nach der regulären Spielzeit. Da auch in der 30-minütigen Verlängerung kein Tor fiel, musste – so sah es die Regel damals vor – bis zum nächsten Tor für eine der beiden Mannschaften weitergespielt werden. Nach 189 Minuten reiner Spielzeit brach Schiedsrichter Dr. Peco Bauwens die Partie aufgrund einbrechender Dunkelheit ab. Die sommerlichen Temperaturen und das harte Spiel beider Mannschaften hatte seinen Tribut gezollt: 23 mal war das Spiel wegen Verletzungen unterbrochen, 19 mal mussten die Sanitäter helfen.

Ordentlich zur Sache ging es auch in der Neuauflage sechs Wochen später. Schon in der 18. Minute verloren die Nürnberger ihren ersten Spieler. Willy Böß hatte nachgetreten und wurde folgerichtig des Platzes verwiesen. Nach 90 spannenden Minuten stand es 1:1 nach Toren und 11:9 nach Spielern. Nürnbergs Verteidiger Anton Kugler hatte sich so schwer verletzt, dass er mit der Bahre vom Platz gebracht werden musste. Einwechselungen gab es damals noch nicht, die Franken mussten also in doppelter Unterzahl weitermachen. In der 100. Minute verwies Schiedsrichter Bauwens mit Heinrich Träg den zweiten Nürnberger vom Platz. Aber auch die 11 gegen 8-Überzahl konnten die Hamburger nicht zum entscheidenden Treffer nutzen. Als sich direkt vor der Verlängerungspause auch noch Liutpold Popp vom 1. FC Nürnberg so schwer verletzte, dass für ihn an ein weiterspielen nicht zu denken war, brach  Schiri Bauwens die Partie ab. Der DFB erklärte den HSV auf der Jahrestagung drei Monate nach dem zweiten Finale zum Deutschen Meister, die Norddeutschen verzichteten allerdings auf diesen Titel. Offiziell ist damit das Jahr 1922 ohne Deutschen Fußballmeister.

Ralf Amshove