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Es ist noch gar nicht lange her, da verzauberte Grafite die Bundesliga. Doch die Rückkehr in den Alltag fällt nach 28 Toren in der Vorsaison schwerer, als dem Torjäger lieb sein kann. Die Saison läuft - mit Ausnahme des Champions-League-Auftaktes gegen Moskau - bisher völlig an Grafite vorbei.
Der bullige Stürmer fiel zuletzt lediglich durch Zoff mit dem Trainer, die Verbannung auf die Ersatzbank und eine unnötige rote Karte in der Champions League auf. Coach Armin Veh zog deshalb jetzt die Reißleine und schickte den Stürmer in seine Heimat Brasilien, wo er den Kopf frei bekommen soll. Doch Grafite ist nicht allein mit seinem Schicksal, nach einer überragenden Saison und dem Gewinn der Torjägerkrone in ein tiefes Loch zu fallen.
Erst Torjäger-Kanone, dann Versenkung
Auch andere Torschützenkönige mussten tiefe Leistungstäler durchschreiten. So brachte es etwa Thomas Christansen in der Saison 2002/2003 auf 21 Buden für den VfL Bochum und sicherte sich damit die Torjäger-Kanone. Doch schon im nächsten Jahr brachte er es nach seinem Wechsel zu Hannover nur noch auf 9 Treffer in 26 Spielen, ehe er im Sturm der Niedersachsen keine Rolle mehr spielte.
Auch andere Torjäger konnten ihre tollen Quoten nicht über mehrere Spielzeiten halten. Schalkes Däne Ebbe Sand lieferte zwar auch noch einige Jahre nach der Auszeichnung als bester Schütze solide Zahlen von 6 bis 11 Saisontoren für Schalke ab, die Bilanz der Saison 2000/2001 erreichte er aber nie wieder. Ebenso konnten Stürmerkollegen wie Heiko Herrlich oder Theofanis Gekas nur noch selten Glanzlichter setzen. Zwar spielten hierbei auch schwere Verletzungen und die Missgunst des Trainers eine Rolle, doch das schwere Schicksal eines Torjägers, der an seinen besten Leistungen gemessen wird, ereilte sie dennoch.
Max zeigt, wie es geht
So gilt es nun für Grafite, sich selbst aus dem Tief zu ziehen und zu hoffen, dass ihn er seine Treffsicherheit wiederfindet. Ein Beispiel dafür, dass dies möglich ist, ist Martin Max. Der für 1860 München stürmende Max startete mit über 30 Jahren noch einmal richtig durch und sicherte sich in seinen letzten Spielzeiten zweimal die Torjägerkrone – obwohl die Folgesaison jeweils eher mäßig verlief.
Im Jahr nach seiner zweiten Torjäger-Kanone (2003/2004) wurde Max bei den "Löwen" ausgemustert, seine Karriere schien vorbei. Doch dem Stürmer gelangen auch für seinen neuen Klub Hansa Rostock noch einmal beachtliche 20 Saisontreffer. Wenn Grafite seine Form bald wieder findet, sind ihm diese auch in der laufenden Saison noch durchaus zuzutrauen. Ruft man sich Tore wie das unvergessene Hacken-Tor gegen die Bayern in Erinnerung, wäre das der gesamten Bundesliga nur zu wünschen.
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Nils Marlow |