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Deutschland hat eine neue Nummer 1! Während diese Personalentscheidung 2006 das Land in Atem hielt, beschränken sich die Medien heute auf ihre Chronistenpflicht. René Adler taugt für keine knallige Schlagzeile und selbst Tim Wiese bleibt ruhig.
So jubelt die neue Nummer 1: René Adler folgt der DFB-Pressekonferenz
Maßlose Enttäuschung, Triumph, Mobbing, endgültiger Rücktritt – es waren große Worte, die nach dem 7. April 2006 durch die deutschen Medien getragen wurden. Die Journalisten rieben sich die Hände, weil eine einzige Personalentscheidung des Bundestrainers ein ganzes Land bewegte: Jens Lehmann wurde im Vorfeld der WM 2006 zur Nummer 1 gemacht, Oliver Kahn wurde abgesägt. Der Knall war laut und er hallte lange nach.
Vier Jahre später bleibt es ruhig. Torwarttrainer Andreas Köpke verkündet auf einer unspektakulären Pressekonferenz die neue Nummer 1. René Adler sitzt daneben, freut sich und will die Aufmerksamkeit nicht auf das nahende Großereignis lenken, sondern auf das bevorstehende Testspiel gegen Argentinien. Der Leverkusener wird aller Voraussicht nach bei der WM 2010 das deutsche Tor hüten und die Medien verkünden das, wie es ihre Aufgabe ist. Mehr nicht.
Nicht einmal Tim Wiese will pöbeln
Was vor vier Jahren wochenlang Schlagzeilen produzierte, wird heute zur Kenntnis genommen. Allein die "BILD" hat die Hoffnung auf eine knallige Überschrift noch nicht aufgegeben und hakt bei Tim Wiese nach. Beim Bremer Torwart und der mutmaßlichen Nummer 3 ist schließlich am ehesten ein Spruch der Kategorie Kahn/Lehmann zu holen. Aber selbst Wiese mag nicht richtig pöbeln, betont lediglich, dass ihn diese Entscheidung nicht überrasche. Kein Knall. Während die Bayern-Verantwortlichen vor vier Jahren ordentlich gegen Klinsmann und Co. gestänkert haben, ist weder aus Gelsenkirchen noch aus Bremen irgendetwas zu hören.
Verständlich. Denn die Entscheidung der DFB-Trainer ist nicht überraschend. René Adler ist unter drei unerfahrenen Kandidaten der mit den meisten Länderspielen. Im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Russland hatte der Leverkusener starke Nerven bewiesen und seine Trainer nachhaltig beeindruckt. Ein offenes Rennen zwischen René Adler, Manuel Neuer und Tim Wiese, die beide nur zwei Mal für den DFB auflaufen durften, war es zumindest augenscheinlich nicht.
Nummer 1 ohne Streitpotenzial
Anders als Oliver Kahn und Jens Lehmann kann Deutschlands neue Nummer 1 nicht polarisieren. Wie zuletzt in Bremen, als ihm ein sicherer Ball durch die Hände flutschte und im Tor landete, hat René Adler auf dem Rasen zwar gelegentliche Aussetzer. Abseits des Platzes allerdings patzt der gebürtige Leipziger für gewöhnlich nicht.
Adler spricht reflektiert über die eigene Leistung, auch wenn sie nicht fehlerfrei war. Markige Sprüche über die Konkurrenz verkneift er sich im Gegensatz zu manch anderem Torhüter, der bereits das DFB-Trikot tragen durfte. Er legt sich nicht mit den gegnerischen Fans an, wie es nicht nur Oliver Kahn und Jens Lehmann, sondern auch seine aktuellen Konkurrenten aus Gelsenkirchen und insbesondere aus Bremen gelegentlich tun.
Dass seine Nominierung als Nummer 1 nahezu geräuschlos über die Bühne geht, ergibt sich also nicht nur aus der veränderten Situation gegenüber 2006. René Adler selbst hat seinen Teil dazu beigetragen und die deutschen Medien werden dem besonnenen Keeper mit ihrer sachlichen Berichterstattung gerecht – genauso übrigens, und das ist dann doch eine Parallele, wie 2006, als Jens Lehmann und Oliver Kahn jene knallige Schlagzeilen bekamen, die ihnen angemessen erschienen.
Tipp: Weltfussball berichtet am Mittwochabend im Live-Ticker von Adlers erstem Spiel als deutsche Nummer 1!
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>> Artikel zu "Adlers Höhenflug"
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Maike Falkenberg |