Rasanter hätte sein Aufstieg kaum sein können. Nur drei Jahre nach seinem Bundesligadebüt fährt René Adler als Stammkeeper zur WM nach Südafrika. Im Laufe seiner Karriere nutzte er jede seiner Chancen konsequent. Im Vergleich zu seinen Vorgängern ist er eher ein ruhiger Typ.

Ruhig und beschaulich geht es in Liebertwolkwitz, einem Stadtbezirk im Südosten von Leipzig zu. Wenn man durch die Straßen läuft, würde man nicht vermuten, dass die einstige Gemeinde große Berühmtheiten hervorbrachte. Doch genau hier wuchs der neue Hoffnungsträger der deutschen Nationalelf auf. Genau hier bekam ein kleiner Junge namens René Adler im Alter von sechs Jahren seine ersten Torwartschuhe. Genau hier stopfte ihm seine Mutter damals Watte in die Schuhe, weil diese ihm zu groß waren.

Neun Jahre stand Adler bei den Jugendmannschaften des VfB Leipzig im Tor, bevor er mit 15 Jahren von Bayer Leverkusen entdeckt wurde. Adler ergriff die Chance und zog ins Rheinland. Vier Jahre lang lebte er bei seinem Torwarttrainer und Förderer Rüdiger Vollborn im ausgebauten Dachgeschoss.

Es dauerte nicht lange, bis Adler den Sprung ins Regionalligateam schaffte. Ab 2002 hütete er das Tor der zweiten Mannschaft und stand ein Jahr später als 18-Jähriger erstmals im Bundesligakader. An Jörg Butt kam er zunächst nicht vorbei und musste so noch fast vier Jahre auf sein Debüt warten. Parallel sammelte Adler aber bereits internationale Erfahrung und durfte mit der U16 und U19 an der Europameisterschaft teilnehmen.

Grandioses Bundesligadebüt gegen Schalke

Am 25. Februar 2007 war es dann soweit. Und nach diesem Tag sollte René Adler bereits ganz Fußball-Deutschland kennen. Aufgrund einer Roten Karte von Jörg Butt zwei Spieltage zuvor und einer eher mäßigen Leistung des Ersatzkeepers Benedikt Fernandez in der Partie darauf bekam er auf Schalke seine Chance.

Es war die Geburtsstunde des René Adler. Denn er hielt beim 1:0-Sieg so grandios, dass der damalige Trainer Michael Skibbe keine andere Wahl hatte, als den jungen Nobody auch in den kommenden zehn Spielen der Saison aufzustellen und den einstigen Stammkeeper Butt trotz seiner über 300 Bundesligaspiele auf der Bank schmoren zu lassen. Dieser wechselte nach der Spielzeit völlig frustriert zu Benfica Lissabon und zeigt bekanntlich derzeit bei den Bayern wieder Topleistungen.

Nur zwei Gegentore in der WM-Quali

Seitdem verpasste Adler bei Leverkusen nur vier Spiele und leistete sich so gut wie keine Patzer. Schnell wurde auch Joachim Löw auf den Torhüter aufmerksam und nominierte ihn völlig überraschend als dritten Mann für die EM 2008. Bis zu seinem ersten Länderspiel musste er sich aber noch bis zum 11. Oktober 2008 gedulden. Auch diesmal rutschte Adler nur durch einen Zufall in die Startelf. Ausgerechnet vor dem bisher wichtigsten Spiel der bisherigen WM-Qualifikation hatte sich die damalige Nummer eins Robert Enke die Hand gebrochen.

Wie bei seinem Debüt in der Bundesliga zeigte Adler auch diesmal eine bärenstarke Vorstellung, so dass man das Gefühl hatte, er würde schon seit eh und je im DFB-Tor stehen. Beim 2:1-Sieg gegen Russland war er der Held des Spiels und kassierte in den vier anschließenden Spielen der WM-Quali nur ein Tor. Als er im Oktober 2009 den 1:0-Sieg beim Rückspiel in Moskau festhielt, galt er als größter Konkurrent von Stammtorwart Robert Enke. Nach dessen Selbstmord im Monat darauf wurde er zum Favoriten auf den Platz im WM-Tor und bekam nun den Vorzug vor Manuel Neuer und Tim Wiese.

Wie auf dem Spielfeld gibt sich René Adler auch neben dem Platz: Ruhig und zurückhaltend. Ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern Jens Lehmann und Oliver Kahn, die für öffentliche Eskapaden bekannt waren. Mit René Adler hat Deutschland einen neuen Torwart-Titan der etwas anderen Art.