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Der erste Absteiger aus der Regionalliga Süd fest: Der SSV Reutlingen meldete am Montag Insolvenz an. Ob der Klub in der kommenden Saison in der Oberliga antreten darf, ist unsicher. Es ist nicht der erste Zwangsabstieg des ehemaligen Zweitligisten.
Es schien alles so schön zu werden im März 2002. Der SSV Reutlingen hatte gerade Mainz 05 mit 2:0 nach Hause geschickt, stand auf Rang zehn der 2. Bundesliga und begann nun mit dem Bau einer schmucken neuen Haupttribüne im Stadion an der Kreuzeiche. Die Arena sollte zur Bundesligareife umgebaut werden. Doch schon damals war die Schönheit nur Schein.
Kleiner Klub, große Träume
Nachdem die Schwaben ein Jahr vorher mit einem gewissen Armin Veh auf der Trainerbank aufgestiegen waren und auf Anhieb Siebter wurden, brach der plötzliche Erfolg ebenso schnell in sich zusammen. Denn der millionenschwere Geschäftsmann Dieter Winko, der den Verein Ende der 1990er Jahre entschuldet hatte, übertrieb es mit dem Ehrgeiz.
Der von ihm verpflichtete Veh wanderte bereits während der Saison zum damaligen Erstligisten Hansa Rostock ab, die Renovierung des Stadions trieb den Klub tief in die Schuldenfalle und Winkos finanzielle Winkelzüge wurden mit dem Abzug von sechs Punkten in der Saison 2002/2003 bestraft.
Der zweite tiefe Fall
Die Mannschaft konnte diese Hypothek nicht verkraften und stieg ab - mit verheerenden Folgen. Denn der DFB verweigerte dem SSV die Lizenz für die damals drittklassige Regionalliga. Nun hatte man zwar ein schönes 15.000-Zuschauer-Stadion, aber spielte in der Oberliga. Davon hat sich Reutlingen bis heute nicht erholt.
Nun also steht binnen sieben Jahren der zweite Zwangsabstieg des Klubs fest. Überraschend kommt das nicht, die erdrückende Schuldenlast von rund vier Millionen Euro war den Verantwortlichen bereits im vergangenen Herbst bekannt. Das daraufhin entwickelte Sanierungskonzept griff jedoch nicht, so dass der Insolvenzantrag die letzte Möglichkeit war, den Verein am Leben zu halten.
Worst Case Kreisliga C
Die laufende Saison will der SSV zu Ende spielen, doch wie tief es danach geht, ist unsicher. Denn ein schuldenfreier Neubeginn in der Oberliga ist nur möglich, wenn sich Gläubiger, Verein und Insolvenzverwalter auf einen Insolvenzplan einigen und das daraufhin eröffnete Insolvenzverfahren bis zum Beginn der Saison 2010/2011 abgeschlossen ist. Ist dies nicht der Fall, gilt der SSV bereits vor der Saison als Oberliga-Absteiger. Außerdem muss eine Spielkommission der Fußball-Verbände Württemberg, Baden und Südbaden dem Oberliga-Start zustimmen.
Es könnte allerdings noch schlimmer kommen. Denn sollte der Insolvenzverwalter keine Möglichkeit sehen, das Verfahren zu eröffnen, gehen buchstäblich die Lichter aus an der Kreuzeiche. In diesem Fall müsste der SSV aufgelöst werden und in der Kreisliga C neu beginnen. Die Sünden der Vergangenheit wirken lange nach.
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Joachim Rothbauer |