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Ja, richtig gelesen. Denn geht es nach dem Web-Projekt ufwc.co.uk, dann sind die Niederländer gegenwärtig Träger des inoffiziellen Weltmeistertitels. Dieser wird im Gegensatz zum FIFA-Pendant nicht bei Turnieren ausgespielt, sondern im Stile der Weltmeisterschaften im Boxsport: Titelverteidiger versus Herausforderer.

Let's get ready to rumble! Die Niederlande müssen den inoffiziellen WM-Titel gegen Dänemark verteidigen
Bereits seit dem 19. November 2008 darf sich die niederländische Elftal mit dem Titel des inoffiziellen Weltmeisters schmücken. Seitdem konnten ihn Robben & Co elf Mal verteidigen. Am 14. Juni steht in Johannesburg der nächste Titelkampf an. Der Gegner heißt Dänemark.
Die Ermittlung des inoffiziellen Champions ist eigentlich ganz einfach. Keine Turniere, keine Qualifikationsmodi, keine Koeffizienten oder Setzlisten – nur zwei Kontrahenten. Das Wettkampfsystem des Boxsports stand Pate. Einziger Unterschied: Jede Verbandsauswahl kann der Herausforderer sein. Zwischen freundschaftlichem Test und Pflichtspiel wird nicht unterschieden. Sportliche Hürden müssen davor keine genommen werden.
Die kuriose Idee wurde im Jahre 2002 während einer britischen Radiosendung geboren. Ein schottischer Hörer rief an und behauptete, dass Schottland mit dem Sieg über England 1967 eigentlich Weltmeister geworden wäre. Wer den Champ schlägt – vor allem als erster –, muss demzufolge selber einer sein.
So ganz falsch war die These des Anrufers freilich nicht. Das dachten auch viele britische Journalisten, allen voran Paul Brown, der mit einigen Kollegen die Idee weiterverfolgte und eine Genealogie der inoffiziellen Weltmeister ausarbeitete, die bis zu den Ursprüngen des modernen Fußballsports zurückreicht.
Die Urzeit der Länderspiele
Das erste Länderspiel im Jahre 1872 fand zwischen England und Schottland statt, den bis dato einzigen existierenden Nationalmannschaften. Der Sieger wäre folglich auch der Beste der Welt gewesen. Allerdings trennten sich die beiden Teams mit einem torlosen Remis, was eigentlich eine erfolgreiche Titelverteidigung bedeuten würde – wie beim Boxen eben. Nur fehlte der regierende Weltmeister selbstverständlich.
Erst die zweite Begegnung sollte Klarheit bringen. England besiegte Schottland am 8. März 1873 mit 4:2 und wurde damit der inoffizielle Weltmeister. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten sollte der Titel naturgemäß wandern, den Ärmelkanal oder den Atlantik überqueren sollte er aber vorerst nicht. Zu groß war die Dominanz der "Home Nations" in der Frühzeit dieses Sports.
Als 1930 schließlich die FIFA ihr erstes WM-Turnier austrug, verzichteten die Briten auf eine Teilnahme ihrer Auswahlmannschaften. Sie seien die Besten und es wäre unter ihrer Würde, das auch noch beweisen zu müssen. Insofern hatte das uns hier vorliegende Gedankenspiel schon Fürsprecher, lange bevor es konzipiert worden war. Dem Sieg Uruguays haftete leider der Makel an, dass vor allem England und Schottland nicht mitgespielt hatten.
Österreich an der Weltspitze
1931 war es schließlich soweit, dass die Schüler reif genug waren und den frühen Meistern den Titel entrissen. Der regierende inoffizielle Weltmeister Schottland wurde von Österreich in Wien mit 5:0 gedemütigt. Das legendäre Wunderteam um Matthias Sindelar war der erste nicht-britische Titelträger und konnte diesen bis zum 3:4 gegen England an der Londoner Stamford Bridge 1932 sogar verteidigen. Bis 1939 war die alte Ordnung wieder hergestellt. Da gewann nämlich Jugoslawien gegen England mit 2:1.
Über diesen Umweg landete der inoffizielle Weltmeistertitel während des Krieges in der Einflusssphäre der Achsenmächte Deutschland und Italien, also inklusive der mit ihnen verbündeten sowie den von ihnen besetzten Staaten. Ergänzt wurde das dünne Teilnehmerfeld durch die neutralen Länder Schweiz und Schweden, wo der Titel schließlich ab Ende des 2. Weltkrieges bleiben sollte.
Südamerikaner holen sich den Titel
Bei der WM 1950 nahmen die britischen Teams endlich auch an einer FIFA-Weltmeisterschaft teil und mussten prompt einsehen, dass sie bei weitem nicht mehr die Besten in "ihrem" Sport waren. England verlor damals übrigens durch eine 0:1-Niederlage den inoffiziellen WM-Titel an die USA, die ihn gleich im nächsten Spiel an Chile weiterreichten. Damit hatte der Titel erstmals auch Europa verlassen. Erst 1958 kehrte er nach einem 3:1-Sieg der Bundesrepublik Deutschland über Argentinien dorthin zurück.
1963 taucht mit den Niederländischen Antillen der erste "exotische" Name in der Ahnenreihe der Sieger auf. Vorerst sollte das aber eine Ausnahme bleiben. Der Titel wurde in den folgenden Jahrzehnten weiterhin zwischen Europa und Amerika hin und hergereicht. Keiner der Champions sollte dabei in den Verdacht kommen, nicht über eine ausreichende sportliche Qualität zu verfügen.
Auch Österreich nicht, das sich 1967 und 1968 ebenfalls wieder auf der Ehrentafel eintragen konnte. Anders als bei ihren berühmten Vorgängern haben sich ihre Namen aber nicht so sehr ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Bekannteste Spieler, die beim 1:0-Sieg über die UdSSR dabei waren: Rudi Flögel und Torschütze Leopold Grausam. Bei den erfolgreichen Titelverteidigungen standen dann unter anderem Fußballer wie Erich Hof, Josef Hickersberger, Ernst Fiala oder Thomas Parits im Aufgebot.
Titelvereinigungen
Einige Male konnten die beiden Weltmeistertitel bei den WM-Endrunden vereint werden. Etwa 1966 und zwischen 1974 und 1986. Verhindern konnte das eigentlich nur das Ausscheiden eines regierenden Weltmeisters nach Regeln des UFWC in der Qualifikations- oder Gruppenphase. Denn bei den Turnieren selbst muss der Titel wandern. Ergebnisse nach Verlängerung sowie im Elfmeterschießen werden miteinbezogen.
Erst Frankreich hatte 1998 wieder die Möglichkeit zur Titelvereinigung, verlor den inoffiziellen Titel aber bereits nach einem Jahr an Russland. Die Sbornaja zählt als russischer bzw. sowjetischer Repräsentant übrigens zu den erfolgreichsten Teams in dieser Wertung, die mehr oder weniger überraschend von Schottland angeführt wird. Pro gewonnenem Titelkampf gibt es für den Sieger einen Punkt. Deutschland findet sich mit Italien ex aequo auf dem siebenten Platz. Österreich belegt mit zwölf Punkten Rang fünfzehn.
Weltmeisterliche Afrikaner
Russland verlor den Titel schließlich an Israel, womit zumindest geographisch ein weiterer Kontinent erschlossen wurde. 2004 wurde mit Nigeria erstmals ein afrikanisches Team zum inoffiziellen Weltmeister. Es folgten Angola und Zimbabwe als Sieger bevor noch einmal Nigeria den Titel tragen durfte. Den verloren die Eagles aber 2005 gleich im nächsten Spiel an Rumänien.
Seither wechselte der inoffizielle WM-Titel wieder mehrmals. Dank den Niederlanden, die wie erwähnt Schweden bezwingen konnten und seither stets siegreich blieben, wird es 2010 voraussichtlich wieder zu einer Titelvereinigung kommen. Das Spiel der Oranjes gegen das Danish Dynamite ist erst der Anfang.
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Sebastian Kelterer |