Viele talentierte deutsche Jugendspieler wagen Jahr für Jahr den Schritt ins Ausland.Während einige sich bei ihren Klubs durchsetzen, scheitern andere und kehren nach Deutschland zurück, ohne den großen Durchbruch geschafft zu haben.              

picAlexander Merkel (re.) bei seinem Profidebüt gegen Ajax Amsterdam.

Es war die 75. Spielminute im Champions-League-Spiel des AC Mailand gegen Ajax Amsterdam, als der brasilianische Stürmerstar Robinho den Platz verließ und Platz machte für einen bis dato nur Fachleuten bekannten 18-jährigen – Alexander Merkel. Das Profidebüt des Deutsch-Kasachen war der vorläufige Höhepunkt eines Karrierewegs, den jährlich dutzende junge deutsche Fußballtalente wählen – den Sprung ins Ausland.

Nachdem Alexander Merkel, geboren in Perwomaiskij in Kasachstan, beim JSG Westerwald mit dem Fußballspielen anfing, folgte im Alter von 13 Jahren der Wechsel in die Jugendabteilung des VfB Stuttgart. Dort entwickelte sich der offensive Mittelfeldspieler derart gut, dass er schon bald zum Kreis der Jugendnationalmannschaft gehörte. Zahlreiche Bundesligavereine wie der FC Bayern München oder der Hamburger SV buhlten daraufhin um Merkel, der jedoch wenig später ein Angebot erhalten sollte, welches er nur schwerlich ausschlagen konnte: Der große AC Mailand wollte ihn für seine Jugendmannschaft verpflichten.

Nachdem Merkel in einem Probetraining überzeugen konnte, vollzog er schließlich den Schritt nach Italien – und das im Alter von nur 16 Jahren. In den Jugendmannschaften des AC wusste Merkel auf der Position des Zehners auf Anhieb zu überzeugen, sodass er vor der Saison einen Profivertrag bei den Lombarden unterschrieb und ihn Mailands neuer Trainer Massimiliano Allegri erstmals mit der ersten Mannschaft trainieren ließ. Doch damit nicht genug: Im Dezember folgte also das Profidebüt Merkels, und das ausgerechnet in der Champions League im ausverkauften Giuseppe Meazza-Stadion. Der Ex-Stuttgarter scheint auf einem guten Weg zu sein, sich in Italien durchzusetzen.  „Mein Traum ist es, mich hier dauerhaft durchzusetzen, dafür arbeite ich hart“, so der Sohn russischer Eltern. Doch längst nicht alle jungen Deutschen, die in der Jugend den Sprung ins Ausland wagten, sind auf ihrem Weg derart weit gekommen.

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Als Supertalent gescheitert

Im Jahr 2005 wechselte der erst 13-jährige Dennis Krol von Bayer Leverkusen zum FC Barcelona, nachdem ihn spanische Scouts bei einem Jugendturnier auf Gran Canaria entdeckten. Auf die anfängliche Euphorie folgte jedoch schnell Ernüchterung: Krol konnte sich in seinen fünf Jahren in Spanien nicht durchsetzen, saß die meiste Zeit auf der Bank. 2009 folgte die Rückkehr zu Bayer. Anstatt im Nou Camp in Barcelona aufzulaufen, kickt er nun in der Regionalliga West für die Zweitvertretung der Werksklubs.

Das wohl krasseste Scheitern eines großen Fußballtalents erzählt die Geschichte von Sebastian Kneißl. Im Jahr 2000 wechselte der gebürtige Lindenfelsener von Eintracht Frankfurt nach London zum FC Chelsea. Kneißl galt zu der Zeit als eines der größten deutschen Stürmertalente und spielte in den Jugendnationalmannschaften des DFB mit Philipp Lahm und Piotr Trochowski zusammen. Doch gerade als er auf dem Sprung in die erste Mannschaft der Blues stand, kaufte 2003 Roman Abramowitsch den Klub und setzte dem Talent etablierte Star-Stürmer wie Hernán Crespo oder Adrian Mutu vor die Nase. Kneißl ließ sich nach Schottland und Belgien ausleihen, wurde jedoch auch dort nicht glücklich. Nach Stationen beim AFC Wimbledon und Wacker Burghausen beendete er schließlich 2007 seine Karriere. Mittlerweile spielt Kneißl wieder, beim 1. FC Schweinfurt in der Bayernliga. Nebenher macht er eine Ausbildung auf der Geschäftsstelle des Vereins.

Hitz & Huth erobern die Insel

Doch gibt es natürlich auch Fälle von Spielern, die sich im Ausland durchgesetzt und sich mittlerweile im Profigeschäft etabliert haben. Prominenteste Beispiele für einen gelungenen Schritt ins Ausland sind sicherlich Thomas Hitzlsperger und Robert Huth, die in der Jugend nach England wechselten und später zu Nationalspielern aufstiegen. Felix Bastians und Kevin Pezzoni haben ebenfalls von ihren England-Stationen profitiert, beide spielen mittlerweile in der Bundesliga.

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>> Felix Bastians im Profil
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Dass nur die wenigsten Spieler, die in ihrer Jugend zu ausländischen Vereinen wechseln, tatsächlich eine große große Karriere starten, hat weniger mit der fehlenden Durchsetzungskraft der deutsche Talente zu tun. Es schaffen eben nur die wenigsten Jugendspieler, sich bei Profivereinen durchzusetzen, ob sie nun in Deutschland, England oder Spanien spielen. Doch haftet den Spielern, die ins Ausland gehen, oft eine größere Erwartungshaltung an, umso größer und negativer sind dann die Reaktionen, wenn sie es nicht bis nach ganz oben schaffen.

Gegen Inter und Werder in der Champions League

Auch in dieser Spielzeit stehen wieder viele deutsche Talente wie Alexander Merkel bei ausländischen Vereinen unter Vertrag. Der 19-jährige Thilo Leugers spielt bei Twente Enschede und kam in dieser Saison bereits auf sechs Ligaspiele in Holland und auf zwei Champions League-Einsätze gegen Werder Bremen und Inter Mailand. Shkodran Mustafi, U-17-Europameister 2009, hat den Sprung vom Hamburger SV nach England zum FC Everton gewagt, der 17 Jahre alte Torhüter Loris Karius spielt bereits seit zwei Jahren in der Jugend von Manchester City. Ab Juli 2011 wird Serge Gnabry, bisher für die traditionell guten Jugendmannschaften des VfB Stuttgart aktiv, zum FC Arsenal wechseln.

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Wer es von ihnen ganz nach oben schaffen wird und für wen der Traum der ganz großen Karriere nur ein solcher bleibt, wird die Zukunft zeigen.

Julian Bischoff