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Enthüllungen von Wikileaks haben nun auch den Sport erreicht. Die Internet-Plattform veröffentlichte Berichte, die den bulgarischen Fußball in Mafiahänden sieht. Leute mit direkter Beziehung zur Unterwelt besitzen demnach Vereine in Bulgarien, benutzen sie als Tarnung für Geldwäsche und sprechen Spiele und Ergebnisse ab, berichtete die US-Botschaft in einer Depesche am 14. Jänner 2010 aus Sofia.
Die Wikileaks-Information wurde von der spanischen Zeitung "El Pais" veröffentlicht und von der bulgarischen Online-Ausgabe der Tageszeitung "Dnevnik" ( www.dnevnik.bg ) zitiert. Die Depesche war betitelt als "Rote Karte für den bulgarischen Fußball wegen Korruption" und beschrieb die beliebteste Sportart im Land als Symbol der korrumpierende Auswirkung der Unterwelt. Fußball werde zur Legitimierung von dubiosem Geld missbraucht, die Absprache von Spielergebnissen sei weithin bekannt. Die neue Regierung (ab 2009) habe Versuche gestartet, gegen Steuerhinterziehungen und Korruption vorzugehen, aber mit nur geringem Effekt, so die US-Botschaft in Sofia.
Die bekanntesten Fußballklubs sind zur Wendezeit von Gemeinden und Staatsinstitutionen wie Militär (CSKA Sofia) und Miliz/Polizei (Levski Sofia) an die sogenannte "neue Businesselite" verkauft worden, die gute bis enge Beziehungen zur Unterwelt und zur früheren Staatssicherheitsdienst (Stasi) gehabt hätten. So seien auch heute noch fast alle Mannschaften im Besitz von Personen, die in Verbindung mit der Mafia stehen oder gestanden sind, erklärt die US-Botschaft und nennt sogar konkrete Namen.
Einer der beliebtesten Klubs, Levski Sofia, ist offiziell im Eigentum des Rechtsanwalts Todor Batkow, der als Strohmann des berühmt-berüchtigten ukrainischen Unternehmers Michael Tschorni, der wegen Gefährdung der Staatssicherheit im Jahre 2000 ausgewiesen wurde, gilt. Die Businessgruppe TIM, die mit Schutzgelderpressung angefangen haben soll, besitzt Tschernomore Warna (Schwarzes Meer). Die als Großmafiabosse bezeichneten "Gebrüder Margini" (Krassimir und Nikolaj Marinow; gegen Letzteren läuft seit mehr als vier Jahren ein Gerichtsverfahren wegen Mord und Schutzgelderpressung) besitzen mit ihren Partnern Slavia Sofia, den ältesten Fußballverein im Land.
Waffen, Geld und Unterwelt
Lok Sofia ist in den Händen des als Waffenhändler bekannten Nikolaj Gigow. Meister Litex Lovech (Lowetsch) gehört Grischa Gantschew, ein ehemaliger Ringer, der in den frühen 90er-Jahren als Anführer der Schutzgelderpressergruppe "die Ringer" galt. Gantschew war aber auch einer der Ersten, der sein Business durch Fußball und Getränke-Produktion legitimierte. Rekordmeister CSKA Sofia war jahrelang in den Händen von Wassil Boschkow, ein Mathematiker, der nach der Wende mit Wechselstuben angefangen hatte und 2008 inoffiziell als der reichste Mann des Landes mit mehr als einer halben Milliarde Euro galt. Seine Beziehungen zur Unterwelt sind immer vermutet, aber nie laut ausgesprochen worden.
Dazu kommen auch Lok Plowdiw und Samokow. Die jüngsten zwei Besitzer von Lok Plovdiv wurden erschossen, ebenso wie 2010 der Eigentümer von Samokow. Plowdiw-Boss Georgi Iliew war als Boss der Bosse bekannt.
Laut Sportjournalisten wie Krum Sawow und Wladimir Pamukow sind auch abgesprochene Spielergebnisse Alltag, so die US-Botschaft im Jänner 2010. Dies werde durch Druck oder Bestechung von Schiedsrichtern und Spielern erreicht. Nach Meinung der Journalisten würde das zu einer Enttäuschung der Zuschauer und Fans führen, geringere Einschaltquoten im Fernsehen und geringere Besucherzahlen in den Stadion seien die Folge. Lag der Schnitt früher um 10.000 Zuschauer, so kommen heute nur noch zwischen 500 und 2.000 Besucher zu den großen Verein.
Der einzige Genannte, der am Montag einen Kommentar abgab, war Batkow. Er erklärte der Online-Ausgabe der Tageszeitung "Trud", dass er lediglich Anwalt von Tschorni sei und das nicht in Bulgarien, sondern im Ausland, weil er kein Geschäft mehr im Land habe.
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