04.09.2015 13:45 Uhr

Russland: Alle Hoffnungen auf Slutskiy

Leonid Slutskiy (r.) soll die russische Nationalmannschaft noch zur EM führen
Leonid Slutskiy (r.) soll die russische Nationalmannschaft noch zur EM führen

Im verzweifelten Kampf um einen Platz bei der EM 2016 richtet die stolze Sportnation Russland all ihre Hoffnungen auf den neuen Nationaltrainer Leonid Slutskiy.

Vor dem Schicksalsspiel der Sbornaja gegen den direkten Konkurrenten Schweden an diesem Samstag titelt die Fachzeitung "Sport-Express": "Slutskiys Rettungsoperation beginnt". Mit seinem ersten Spiel als Nationalcoach tritt der 44-Jährige das schwere Erbe seines hart kritisierten Vorgängers Fabio Capello an - und kann auf einen ordentlichen Vertrauensvorschuss bei Fans und Experten bauen.

Die Lage des WM-Gastgebers 2018 könnte schwieriger kaum sein: Mit acht Punkten aus sechs Spielen steht Russland auf Platz drei der Gruppe G, hinter Schweden (12) und Österreich (16). Ein direktes Ticket für die Euro 2016 in Frankreich buchen die beiden Erstplatzierten. Platz drei reicht eventuell für die Direktqualifikation oder einen Playoff-Platz.

Gelöste Stimmung

Trotz der schwierigen Situation ist die Stimmung bei der Vorbereitung auf die wohl wichtigste Partie des Jahres gelöst. Die Spieler lachten und seien gut drauf, sagt Slutskiy in der Khimki-Arena im Norden Moskaus.

Eine lange Pechsträhne mit lediglich zwei Siegen hatte die Sbornaja in Capellos vergangenen anderthalb Amtsjahren verfolgt. Beobachter sind sich einig: Neben dem wichtigen EM-Platz geht es für Sluzki nun vor allem darum, Liebe und Respekt der Fans zurückzugewinnen.

Neuer Trainer, neue Erwartungen

Den Ruf eines Revolutionärs genießt er aber nicht. Große Änderungen seien ausgeblieben, schreibt die Zeitung "Rossijskaja Gaseta". "Neuer Trainer, neue Erwartungen", sagt Slutskiy selbst. Doch die Zeit sei knapp. "Einiges können wir einfach nicht rechtzeitig durchspielen."

Erst im Mai wurde der bisherige - und weiter amtierende - Cheftrainer des Traditionsklubs CSKA Moskau von russischen Sportfunktionären auf seinen neuen Posten gehievt. Sportminister Vitaly Mutko, der erst diese Woche zum neuen Chef des Fußballverbands RFS gewählt wurde, hält große Stücke auf Slutskiy. Doch Experimente wolle er in der Nationalmannschaft nicht mehr sehen, sagt Mutko.

Nur vom Verein Gehaltszahlungen

Im Gegensatz zum hoch bezahlten Capello bekommt Slutskiy lediglich Bonuszahlungen als Nationaltrainer. Ein Gehalt zahlt ihm nur der Verein. Für den RFS dürfte dies angesichts einer schweren Wirtschaftskrise im Land ein wichtiges Argument für den Russen gewesen sein. Mehrfach hatte die Regierung zuletzt auch das Budget für die WM 2018 in Russland gekürzt.

Russische Fans legen großes Vertrauen in den Chef der Nationalmannschaft. Einer Erhebung unter den Lesern der Zeitung "SP" zufolge rechnen rund 70 Prozent der mehr als 45.000 Befragten damit, dass die Sbornaja unter Slutskiy noch die Kurve kriegen wird.

Keine Furcht vor Schweden

Vor allem für die Psyche wären drei Punkte gegen die Schweden mit ihrem auch in Russland bewunderten Starstürmer Zlatan Ibrahimovic dringend notwendig. "Wir schätzen die Schweden, aber wir fürchten sie nicht. Wir haben genügend Ressourcen, um drei Punkte zu holen", gibt sich Slutskiy selbstbewusst. Und auch gegen Liechtenstein (5. Platz, 5 Punkte) muss beim folgenden Qualifikationsspiel am Dienstag ein Sieg her, um den Anschluss an die Tabellenspitze zu halten.

Doch auch wenn es gegen Schweden nicht klappt und das Projekt EM-2016 schließlich scheitern sollte, darf Russland noch im Pariser Stade de France auflaufen, wo im kommenden Jahr der Europameister gekürt wird. Am 29. März trifft die Sbornaja am Ufer der Seine auf Frankreichs Équipe Tricolore - zu einem Freundschaftsspiel.

Mehr dazu:
>> Die Situation in Gruppe G

dpa