14.09.2017 11:21 Uhr

Córdoba im Fokus: Köln ohne One-Man-Show

Es läuft noch nicht rund bei Köln-Stürmer Córdoba
Es läuft noch nicht rund bei Köln-Stürmer Córdoba

Jhon Córdoba soll eine zentrale Figur im Spiel des 1. FC Köln werden, doch Vergleiche mit dem 25-Tore-Stürmer Anthony Modeste machen ihm das Leben schwer. Der Kolumbianer bringt andere Stärken mit.

Jörg Schmadtke kämpfte gegen Windmühlen. Wochenlang arbeitete der Sportchef des 1. FC Köln sich ab für realistische Erwartungen an seinen Rekordtransfer. Jhon Córdoba sei "nicht der Nachfolger" von Anthony Modeste, "diese Erwartungen gibt es bei uns nicht", der Kolumbianer werde "nicht an 25 Toren gemessen", sagte Schmadtke ausdauernd.

Und doch kam es, wie es wohl kommen musste. Die ersten Spiele ohne Tore und Siege, und die Diskussion um Córdobas Tauglichkeit als neuer Anführer im Angriff war in der Welt. Und so war der 24-Jährige auch rund um das Europacup-Comeback der Kölner beim FC Arsenal eine zentrale Figur, wenn es um die Bewertung des Kölner Bundesliga-Fehlstarts ging. Und um die Chancen des Klubs in dieser Saison.

Ein anderer Spielertyp

Vor allem zwei Zahlen sorgen dafür, dass wohl kein Stammtisch, keine Theke in Köln an den Vergleichen zwischen dem Neuzugang und dem bisherigen Topstürmer Modeste vorbeikommt. 25 Tore des Franzosen in der Vorsaison - die beste Ausbeute eines FC-Stürmers seit mehr als 30 Jahren. Und kolportierte 15 Millionen Euro Ablöse für Córdoba - die höchste Summe, die der Verein je für einen Spieler bezahlt hat.

Doch die Kriterien für den aus Mainz gekommenen Stürmer seien andere, betonte Schmadtke. Modeste war nicht nur für Kölner Verhältnisse in den vergangenen beiden Jahren ein Ausnahmestürmer. Die Trefferquote war ohnehin herausragend, doch auch spielerisch gab der technisch starke, schnelle Angreifer dem Team neue Möglichkeiten.

Córdoba ist nun ein anderer Spielertyp, der andere Aufgaben erfüllen soll. "Es ist unausweichlich, dass die Leute uns vergleichen", sagt er selbst, "aber ich bin hier, um zu arbeiten. Beim FC hat man mich verpflichtet, weil man meine Stärken kennt, wie ich Bälle festmache und Mitspieler einsetze."

Modeste nur schwierig zu ersetzen

Nach dem Abgang von Modeste muss Trainer Peter Stöger seine Offensive umschulen, den einen einzigen Zielspieler soll es nicht mehr geben, Córdoba soll mit seiner körperlichen Präsenz Räume schaffen für die Kollegen. Dieser Ansatz scheint fast alternativlos, denn ein gleichwertiger Modeste-Ersatz war für einen Klub wie Köln gerade angesichts des überhitzten Transfermarkts nicht zu haben. Eine One-Man-Show hat ihren Preis.

"Natürlich ersetzt kein Team unserer Kragenweite mal eben so einen Stürmer, der 25 Tore geschossen hat", sagte FC-Vizepräsident Toni Schumacher im Gespräch mit "t-online.de": "Aber Tony Modeste stand in der letzten Saison nicht alleine auf dem Platz. Da waren noch zehn andere."

Diese sind nun allerdings gefordert, sie müssen mehr Torgefahr entwickeln. Ohne Treffer von Yuya Osako, Marcel Risse, Leonardo Bittencourt oder Milos Jojić dürfte es schwierig werden in dieser Saison. Und auch der Plan mit Córdoba geht nur auf, wenn der Neuzugang beginnt, regelmäßig zu treffen. "Stürmer werden nun mal an ihren Toren gemessen", sagt er selbst.