26.09.2017 11:45 Uhr

AEK - die Vertriebenen wieder im Hoch

AEK mischt oben wieder mit
AEK mischt oben wieder mit

"Athlitiki Enosis Konstantinoupoleos", kurz AEK, ist in Athen eine fixe Größe. Der Verein wurde 1924 gegründet und umfasst neben einer Fußballabteilung auch Sektionen im Basketball, Volleyball, Boxen oder Schach. Im Fußball ist AEK elffacher Landesmeister, der letzte Titel datiert aber schon aus dem Jahr 1994. Vor drei Jahren ging AEK bankrott, seit 2015 spielt der Verein aber wieder erstklassig.

Historisch ist AEK, das Donnerstag (ab 21:05 Uhr im weltfussball-Liveticker) in der Europa League die Austria empfängt, ein Verein der Vertriebenen. Nach dem Griechisch-Türkischen Krieg (1919 bis 1922) erfolgte die Umsiedlung der griechischen Bevölkerung aus Kleinasien und vor allem Konstantinopel. Das Wappen der in Athen gegründeten "Sportvereinigung Konstantinopel" erinnert daran, zeigt es doch den byzantinischen Doppelkopfadler. Auch PAOK Saloniki hat seine Wurzeln in Konstantinopel.

Seine sportliche Blütezeit erlebte die Fußball-Sektion der Gelb-Schwarzen ab den späten 70er-Jahren. 1977 stand der Verein im Halbfinale des UEFA-Cups. Unter dem österreichischen Trainer Helmut Senekowitsch holte AEK 1983 den griechischen Cup. Im neuen Jahrtausend häufte man aber Schulden an. Dies gipfelte im sportlichen Abstieg 2013. Der Verein entschloss sich, Insolvenz anzumelden und in der dritten Liga neu zu starten.

Mit dem Tiger an der Spitze

Dimitris Melissanidis ist seither der neue starke Mann an der Spitze. Der "Tiger", dessen Familie seine Wurzeln am Schwarzen Meer hat, ist ein reicher Unternehmer (Öl, Treibstoff, Schifffahrt). Melissanidis darf als hemdsärmelig bezeichnet werden. Anfang September prügelte sich der 66-Jährige in einem Lokal mit dem Eigentümer von Liga-Konkurrent Larisa, welcher wiederum mit dem Boss von Olympiakos befreundet ist.

Olympiakos ist wie Panathinaikos ein Erzrivale von AEK. Gewalttätige Anhänger sorgen auch immer wieder für Negativschlagzeilen aus Griechenland. So musste auch das Derby zwischen AEK und Olympiakos am Sonntag in der 70. Minute für eine Viertelstunde unterbrochen werden, nachdem die Polizei bei Auseinandersetzungen der Fans vor dem Stadion Tränengas eingesetzt hatte. Dieses strömte auch in die Arena.

Traustason eine Randerscheinung

Sportlich gesehen ist AEK - das schon 2015 wieder erstklassig war - nicht nur aufgrund des 3:2-Erfolgs gegen den Meister aktuell top. Vier Siege und ein Remis bei 10:2 Toren stehen in der Liga nach fünf Runden zu Buche.

In der Europa League siegte die Mannschaft des spanischen Trainers Manolo Jiménez zum Auftakt bei Rijeka mit 2:1. Den Einzug in die Gruppenphase schaffte man über Club Brugge (0:0, 3:0). Zuvor war AEK in der Qualifikation der Champions League an CSKA Moskva (0:2, 0:1) gescheitert. Rapid-Leihgabe Arnór Ingvi Traustason, der im Juli nach Athen übersiedelte, kam bisher nur zu einem Cup-Einsatz und zu zwei Liga-Auftritten.

Heimstätte ist das Athener Olympiastadion, das fast 70.000 Zuschauer fasst. Seit Juli wird im Athener Viertel Nea Filadelfeia jedoch eine neue Arena errichtet. Das "Hagia Sophia Stadion" soll 2019 fertiggestellt sein, benannt ist es nach der berühmten ehemaligen Krönungskirche der byzantinischen Kaiser.

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apa/red