12.10.2017 15:56 Uhr

Vor 25 Jahren: Als Maradona fast zum HSV wechselte

Diego Maradona war 1992 beim HSV im Gespräch
Diego Maradona war 1992 beim HSV im Gespräch

Im Jahr 1992 wollte ein zwielichtiger Baulöwe dem Hamburger SV unbedingt den alternden Welt-Star Diego Maradona schenken. Finanziert werden sollte der Deal mit einem kuriosen Plan.

Auch zu Beginn der neunziger Jahre war man beim Hamburger SV nicht zufrieden. Die Saison 1991/1992 hatte der Bundesliga-Dino auf einem enttäuschenden zwölften Tabellenplatz abgeschlossen. Schon damals klafften Anspruch und Wirklichkeit in der Hansestadt weit auseinander.

Jens, genannt "Johnny", Solterbeck wollte daran etwas ändern. Der umtriebige Bauunternehmer aus Kiel, Freund von Uwe Seeler und Trainer-Ikone Ernst Happel, pumpte zu dieser Zeit Millionen in den Klub.

1992 plante Solterbeck den ganz großen Coup. "Ich schenke dem HSV einen Starspieler", sagte er dem "Spiegel". Der äußerst schwergewichtige und mindestens ebenso großspurige Unternehmer dachte dabei an keinen Geringeren als Diego Maradona.

Maradona nach Dopingsperre auf dem Markt

Der vielleicht beste Mittelfeldspieler der achtziger Jahre befand sich zu dieser Zeit auf dem Markt. Maradona war im Frühjahr 1991 positiv auf Kokain getestet worden.

Das Gastspiel bei seinem Herzensklub SSC Neapel hatte der in die Jahre gekommene Superstar daraufhin mitten in der Saison abgebrochen. Die FIFA sperrte ihn für 15 Monate.

Nun peilte die lebende Legende ein Comeback an. Solterbeck knüpfte nach eigenen Angaben über internationale Spielervermittler den Kontakt zum Objekt der Begierde.

Kurioser Finanzierungsplan für Maradona-Gehalt

Auch einen Finanzierungsplan für das horrende Gehalt Maradonas hatte Solterbeck bereits in der Schublade. Der Argentinier sollte über die Eintrittsgelder bei Heimspielen finanziert werden – und deswegen auch nur im heimischen Volksparkstadion zum Einsatz kommen.

"Bei Auswärtsspielen hätte er nur gespielt, wenn wir an den Einnahmen der Gastgeber beteiligt worden wären. Denn zum HSV mit Maradona kommen auch in anderen Stadien automatisch 15.000 Zuschauer mehr", erklärte Solterbeck.

Doch alle Planungen liefen ins Leere. Maradona erlag den Lockrufen aus dem hohen Norden nicht. Stattdessen wechselte er zum spanischen Erstligisten FC Sevilla.

Maradona-Story "der größte Blödsinn aller Zeiten"?

Dass der "Göttliche" jemals ein ernsthaftes Thema beim HSV gewesen sei, bestritt Jahre später Heribert Bruchhagen, der 1992 als Manager von Schalke 04 zu den Rothosen gewechselt war.

"Das war der größte Blödsinn aller Zeiten. Für mich ist die Story noch immer der Prototyp für schlechte Recherche", sagte Bruchhagen in einem "11Freunde"-Interview.

Solterbeck, zur Zeit seiner Maradona-Pläne schon mehrfach vorbestraft, ging wenige Jahre danach mit seiner Baufirma pleite. Maradona konnte in Sevilla nicht mehr an seine Leistungen vor der Dopingsperre anknüpfen.

Tobias Knoop