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10.08.2009 - 12:19 Uhr
HSV nach Holperstart: «Müssen uns steigern»

Freiburg (dpa) - Schonungslose Selbstkritik statt Schönfärberei. Nach dem ernüchternden Remis beim frech-forschen SC Freiburg versuchte der Hamburger SV erst gar nicht, seine rundum enttäuschende Leistung durch fadenscheinige Ausreden zu rechtfertigen.

«Damit kann man nicht zufrieden sein», konstatierte Trainer Bruno Labbadia. «Wir müssen noch sehr viel arbeiten. Ich erwarte ein Stück mehr.» Top-Stürmer Mladen Petric, wie seine Mannschaftskollegen weit unter Normalform agierend, wirkte nach dem schmeichelhaften 1:1 (0:1) beim mutig attackierenden Aufsteiger der Fußball-Bundesliga ratlos: «Das war keine gute Leistung. Ich habe keine Erklärung, warum wir so schwach gespielt haben. Wir können froh sein über den Punkt.»

Zum Teil lag der hilflose und holprige Auftritt der Hanseaten aber auch am überzeugenden Comeback der Freiburger nach vier Jahren Erstliga-Abstinenz. «Wir haben heute ein erstes kleines Duftzeichen gesetzt», lobte SC-Coach Robin Dutt seine Schützlinge. «Die Leistung war sehr ordentlich, aber die Enttäuschung über das Ergebnis überwiegt.» Tommy Bechmann war nach der überraschenden frühen HSV-Führung ausgerechnet durch den Ex-Freiburger Jonathan Pitroipa (3. Minute) wenigstens noch der Ausgleich (65.) geglückt. Angesichts der Vielzahl guter Torchancen verschenkte der Neuling aber zwei Punkte.

Labbadia sprach dem Kontrahenten sein «Kompliment» aus. Dann hagelte es Kritik fürs eigene Team, das nach dem 1:0 nicht einmal mehr die einfachsten Grundregeln des Fußball-Einmaleins beherzigte. «Danach haben wir nur noch reagiert, überhaupt nicht nach vorne agiert, nicht mehr Fußball gespielt und viel zu wenig Druck ausgeübt», listete Labbadia verärgert eine ganze Reihe von Versäumnissen auf. Der HSV knüpfte nahtlos an die schwachen Vorstellungen im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf und in der Europa League gegen Randers FC an.

Für die hoch ambitionierten Hamburger lässt dieser verkorkste Saisonstart wenig Gutes hoffen. Die knapp 24 Millionen Euro teuren Neuzugänge David Rozehnal, Eljero Elia (beide später eingewechselt), Marcus Berg und Robert Tesche saßen auf der Bank; allein der ablösefreie Zé Roberto stand in der Startformation, passte sich aber dem pomadigen Gegurke an. «Die können noch nicht so fit sein», nahm Labbadia seine Einkäufe in Schutz. Zudem habe der HSV nur vier Wochen Vorbereitungszeit gehabt, die darüber hinaus nicht optimal gewesen sei. Dass sich die Freiburger doppelt so lange auf die Stunde X präpariert haben, mag ein Grund für ihre Überlegenheit gewesen sein, entschuldigt den HSV-Trott aber nicht.

Schließlich hat der Europa-League-Teilnehmer hohe Ansprüche. «Wir wollen ins internationale Geschäft», sagte Labbadia. Von Titel oder Champions League sprach der Trainer wohlweislich nicht. Gelingt den Norddeutschen nicht schnell ein sportlicher Quantensprung, dürften sie vorerst im Mittelfeld herumdümpeln, zumal die beiden nächsten Gegner Borussia Dortmund und Meister VfL Wolfsburg ein noch schwereres Kaliber als Freiburg sind. «Wir müssen uns verbessern», räumte Kapitän David Jarolim ein. «Wir müssen nach vorne schauen.»