04.05.2017 10:10 Uhr

Die "Untrainierbaren" des SK Rapid

Ein Ungar und ein Isländer mit hängenden Köpfen in Österreich
Ein Ungar und ein Isländer mit hängenden Köpfen in Österreich

Auf den SK Rapid wartet am Samstag (ab 18:30 Uhr im weltfussball-Liveticker) beim Bundesliga-Heimspiel gegen den Wolfsberger AC die Stunde der Wahrheit. Die Ausgangslage ist klar: Nur ein Sieg zählt!

Geht in Wien-Hütteldorf gegen den bisherigen Saison-Angstgegner aus Kärnten - zwei bittere Schlappen und ein Remis - etwas schief, dann ist beim österreichischen Rekordmeister der Abstiegskampf noch präsenter, als er es ohnehin bereits ist.

Grund genug für einen weltfussball-Lokalaugenschein. Die Fakten: Fünf Runden vor Schluss liegt Rapid nur sechs Punkte vor Schlusslicht SV Ried. Auf Rang sieben. Im "worst case" ist nach Abschluss der 32. Bundesliga-Runde der Absturz an die neunte und vorletzte Stelle möglich. Die schlechteste Platzierung der Vereinsgeschichte unter Trainer-Flop Lothar Matthäus (Position acht in der Saison 2001/02) gerät in der Spielzeit 2016/17 ernsthaft in Gefahr.

"I'm a mess!"

Es ist nicht überliefert, ob Edward Christopher "Ed" Sheeran (der als britischer Singer-Songwriter aktuell einen Hit nach dem anderen landet) weiß, wer oder was Rapid ist. Ein Rapid-Spieler bemühte am Mittwoch vor dem Nachmittags-Training aber einen seiner Titel. "I'm a mess", sagte Millionen-Flop Arnór Ingvi Traustason gegenüber weltfussball und brachte es damit auf den Punkt.

Bei der EM 2016 mit seinem Siegestor zum 2:1 gegen Österreich noch ÖFB-Killer. Zuvor vom schwedischen Meister IFK Norrköping nach neun Liga-Einsätzen mit nur zwei Toren als große Offensiv-Hoffnung präsentiert. Wer diesen Spieler "gescoutet", beobachtet sowie gut genug für Rapid befunden hat, fragen sich die grün-weißen Fans noch heute.

Die "Kronen Zeitung" stempelte den 24-Jährigen nach seiner Leistung bei der jüngsten 2:3-Pleite gegen Admira Wacker längst als Totalversager ab: "Traustason, als EURO-Held geholt, wirkt mit seiner Körpersprache wie ein Anti-Isländer. Keine Spur von einem Krieger auf dem Platz."

Als Traustason (lernt aktuell fieberhaft deutsch, um endlich mehr Anschluss in seiner neuen "fremden" Heimat zu bekommen) mit dieser "Kritik" konfrontiert wurde, gingen beim Isländer die nordischen Wogen hoch: "Leute, die so etwas schreiben, wissen nichts! Nichts über Rapid und nichts über den Fußball. Sie sollten zu Bäumen sprechen, um ihren Blödsinn los zu werden, aber nicht in einer Zeitung abdrucken!"

Wenn man mit dem vierten Trainer in einer Saison spricht

"Oh, I'm a mess right now. Inside out. Searching for a sweet surrender. But this is not the end. I can't work it out", der Songtext von Ed Sheeran ist wie gemacht für Arnór Ingvi Traustason. Ein Isländer gibt erst dann auf, wenn er im Grab ist und beerdigt wurde. So wie früher erfolgreiche Spieler-Generationen auch beim SK Rapid.

"Ich habe hier in weniger als einem Jahr mit vier Trainern gesprochen. Zuerst mit Zoran Barišić, der mich unbedingt wollte, dann mit Mike Büskens und Damir Canadi und jetzt mit Goran Djuricin. Schreibt die Zeitung darüber? Wissen diese Leute, wie unterschiedlich die Vorstellungen dieser Betreuer waren? Waren sie bei den Gesprächen dabei?", redete sich der Neuzugang mit Vertrag bis 2020 in Fahrt.

Man bedankt sich für den interessanten "small talk", der sich zum "big talk" entwickelte. Schüttelt sich die Hand. Verabschiedet sich. Traustason zischt mit dem Tretroller ab ins Ernst Happel-Stadion zu den Kabinen. Das Training im Prater wartet.

Bei strömenden Regen. Dort zeigt sich einmal mehr, warum Rapid dort steht, wo man steht. Bei Spiel-Formen Offensive gegen Defensive gelingt schon in Trainingssituationen eine Ewigkeit kein einziger Treffer. Wie soll es dann im Spiel gegen einen Gegner unter Druck funktionieren? Erst "Einser"-Kapitän Steffen Hofmann findet auf seiner Abschieds-Tournee endlich doch das Netz. Er ist der letzte Spieler, an dem sich Talente wie Philipp Malicsek, Louis Schaub oder Tamás Szántó noch ein Vorbild nehmen können.

"Zweier"-Kapitän Stefan Schwab, der zuvor als Skateboard-Fahrer Aufsehen erregt hatte, nimmt sich indes in einer Privat-Ansprache weltfussball zur Brust. Ein echter Anführer, der sich zumindest traut den Mund aufzumachen. So wie auch in der "Kronen Zeitung". Seine Zitate dort ("Wir haben Angst vorm Siegen") erzürnen jedoch viele Rapid-Fans.

Rapid-Chefcoach: "Tacheles geredet"

Rapid-Interimscoach Goran Djuricin bestätigte indes gegenüber weltfussball, dass der Kuschelkurs mit den "Untrainierbaren" endgültig vorbei ist: "Wir haben nach der Niederlage in der Südstadt Tacheles geredet. Ich wollte der Mannschaft den Druck abnehmen und habe deshalb nicht über das Wort Abstieg gesprochen. Aber jetzt ist es damit vorbei!"

"Wir haben gegen Admira Wacker 45 Minuten lang eine teilweise sehr gute, aber nach der Pause eine mittlere und dann sogar schlechte Leistung geboten. Die Mannschaft versucht sich nach der Führung die letzten Meter zu sparen und das wird dann eben in unserer Situation bestraft. Ich habe ihnen das in der Video-Analyse gezeigt und dann können sie auch nicht widersprechen", so Djuricin.

"Meine Spieler können es ja, aber sie müssen es endlich wieder über 90 Minuten zeigen. Ich mache mir keine Sorgen, weil ich die Qualität meiner Spieler kenne. Bei mir geht es nicht nach Namen, sondern nur nach Leistung. Die Besten werden bei mir immer spielen", sagte der Interimscoach der Grün-Weißen, der am Sonntag mit der jüngsten Rapid-Startelf seit den 70er-Jahren auch die entsprechenden Taten gesetzt hatte.

Wie meinte Thomas Murg, der mit seiner negativen Körpersprache bei seinen zahlreichen Ballverlusten ins Kreuzfeuer der Kritik gerückt war, im weltfussball-Gespräch: "Mir ist es egal, was die Rapid-Fans, Journalisten oder andere Menschen sagen. Es gibt ein paar Leute, denen ich vertraue. Der Rest interessiert mich nicht."

Hoffentlich ist Goran Djuricin einer der Leute, denen er vertraut. Nächster Auftritt der "Untrainierbaren"? Am Donnerstag um 15:00 Uhr beim Nachmittags-Training. Eine geschlossene Einheit. Fans oder Journalisten sind dort nicht erwünscht. Am Samstag beim Heimspiel gegen den Wolfsberger AC ist ein Besuch vorerst noch möglich.

Update:

Thomas Murg meldete sich bei Peter Klinglmüller, der beim SK Rapid als Direktor Kommunikation, Medien und PR tätig ist. Hier der Text von Murg im Wortlaut:

Also wegen diesem Artikel auf weltfussball.at
Das Zitat von mir entspricht nicht der Wahrheit! Ich habe nur gesagt, dass ich mich unglaublich freu auf das Finale und auf die Fans in Klagenfurt, die es zu einem Heimspiel werden lassen! Ebenfalls dass es unglaublich ist, egal wo wir spielen, der Auswärtssektor immer voll ist, und das wir mit Abstand die besten Fans in der Liga haben! Lediglich hab ich gesagt, dass es mir egal ist, was Journalisten über mich schreiben, und ich Personen habe, denen ich vertrau und mit denen ich über meine Leistung in den Spielen diskutiere. Und das ich sehr selbstkritisch bin!

Dazu ist Folgendes wichtig:

weltfussball unterhielt sich mit Thomas Murg auch über den Einzug des SK Rapid in das Finale des ÖFB-Cups in Klagenfurt, wo sich am 1. Juni eine grün-weiße Völkerwanderung an den Wörthersee ankündigt. Dabei zeigte sich der Steirer mit den von ihm erwähnten Sätzen von der Treue der Rapid-Fans begeistert.

Nicht unerwidert, kann jedoch der Vorwurf bleiben, dass "Zitat entspricht nicht der Wahrheit!" Angesprochen von weltfussball auf die Kritik der Rapid-Fans an seiner Körpersprache und seinem Verhalten bei Ballverlust sagte er wortwörtlich: "Mir ist es egal, was die Rapid-Fans, Journalisten oder andere Menschen sagen. Es gibt ein paar Leute, denen ich vertraue. Der Rest interessiert mich nicht."

Mehr dazu:
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Christian Tragschitz