12.02.2019 14:05 Uhr

So geht es Tuchel, Draxler und Co. bei PSG

Thilo Kehrer, Thomas Tuchel und Julian Draxler wollen mit PSG die Champions League gewinnen
Thilo Kehrer, Thomas Tuchel und Julian Draxler wollen mit PSG die Champions League gewinnen

Paris Saint-Germain empfängt an Dienstag in der Champions League Manchester United. Während PSG noch bei der Auslosung im Dezember als klarer Favorit galt, haben sich die Vorzeichen inzwischen verändert.

Die Red Devils eilen von Sieg zu Sieg, der französische Tabellenerste kämpft vor dem Hinspiel mit großem Verletzungspech. Superstar Neymar fällt wochenlang aus, auch Torjäger Edinson Cavani ist angeschlagen.

Umso mehr rückt eine Achse aus ehemaligen Bundesliga-Akteuren in den Fokus. Doch welche Rolle spielen Julian Draxler, Juan Bernat und Co. bei PSG? Und wie macht sich Trainer Thomas Tuchel? 

  • Julian Draxler (25, Mittelfeld, 29 Spiele)

Der ehemalige Schalker war es, der PSG in der vergangenen Woche gegen den Drittligisten FC Villefranche durch ein Tor in der Verlängerung vor einer herben Pokal-Blamage bewahrte.

Im folgenden Liga-Spiel gegen Bordeaux saß Draxler, der seit Januar 2017 bei den Franzosen unter Vertrag steht, allerdings nur auf der Tribüne. Wurde der 25-Jährige für die Partie gegen United geschont?

Denkbar wäre es: Draxler ist im Mittelfeld der Pariser eine zentrale Figur. Trainer Thomas Tuchel vertraut dem deutschen Nationalspieler, der sich nach einer gewissen Eingewöhnungszeit freigeschwommen hat. 

"Für mich war es zu Beginn dieser Saison hart, da ich von einer misslungenen Weltmeisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft zurückgekommen bin. Ich musste erst meinen Weg finden, mit dem neuen Trainer und den neuen Mitspielern", gestand Draxler unlängst im "Spox"-Interview. 

Mittlerweile hat sich der Allrounder aber zur tragenden Säule im Tuchel-Team entwickelt. Entscheidenden Anteil daran hat seine veränderte Rolle auf dem Platz: Seit einigen Monaten spielt Draxler zumeist im zentralen Mittelfeld und lenkt das Pariser Spiel aus der Tiefe.

Dennoch können sich seine Scorerwerte sehen lassen: Fünf Tore und neun Vorlagen in 29 Einsätzen sprechen für die gestiegene Bedeutung des Edeltechnikers. 

  • Thilo Kehrer (22, Abwehr, 25 Spiele)

Im vergangenen Sommer folgte Kehrer seinem Nationalmannschaftskollegen Draxler aus dem Ruhrpott an die Seine.

Den Ausschlag für den Wechsel, bei dem 37 Millionen Euro den Besitzer wechselten, gab offenbar der Trainer: "Thomas Tuchel hat mich überzeugt und mir gezeigt, dass er sehr interessiert ist, mit mir zu arbeiten und mich weiterzuentwickeln." 

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💪🏾☀️💧 @psg #Doha

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Nachdem sich Kehrer in den ersten Monaten mit der Rolle des Reservespielers begnügen musste, ist er inzwischen in der Abwehr gesetzt.

Der 22-Jährige profitiert von seiner Vielseitigkeit: Kehrer kann sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der defensiven Außenbahn eingesetzt werden und ermöglicht seinem Trainer so bei Bedarf den Wechsel von einer Vierer- auf eine Dreierkette. Seine Einsatzchancen gegen Manchester United stehen gut. 

  • Juan Bernat (25, Abwehr, 24 Spiele)

113 Spiele hat Juan Bernat zwischen 2014 und 2018 für den FC Bayern absolviert, bevor er vor dieser Saison für fünf Millionen Euro zu PSG wechselte. In München weinten sie dem Spanier keine Träne nach: "Bernat hat einen Scheißdreck gespielt", polterte FCB-Präsident Uli Hoeneß im Herbst auf einer Pressekonferenz. 

In Paris werden die Qualitäten des siebenmaligen Nationalspielers mehr gewertschätzt. Mit zwei wichtigen Toren trug Bernat, eigentlich Defensivspieler, maßgeblich zum Gruppensieg der Pariser in der schwierigen Champions-League-Gruppe C bei: Beim 1:1-Unentschieden gegen den SSC Neapel gelang dem ehemaligen Münchner ebenso der 1:0-Führungstreffer wie beim 2:1 im Top-Spiel gegen den FC Liverpool.

Auch wenn Bernat bei PSG kein unumstrittener Stammspieler ist, gilt er als flexibel einsetzbarer Musterprofi ohne Allüren. Gut möglich, dass er auch im Achtelfinale der Königsklasse auf dem Platz stehen wird. 

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Enorme equipo!!💪💪💪

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  • Eric Maxim Choupo-Moting (29, Sturm, 19 Spiele)

Der dritte Ex-Schalker in den Reihen von PSG ist Eric Maxim Choupo-Moting. Bis heute fragen sich die meisten Fans, warum im Sommer ausgerechnet der Deutsch-Kameruner als Cavani-Vertreter geholt wurde. 

In der mit zahlreichen Weltstars bestückten Offensive des Hauptstadtklubs kam der Stürmer bislang wie erwartet nur zu Kurzeinsätzen. Seine magere Ausbeute: Zwölf Spiele, ein Tor. 

Da Trainer Thomas Tuchel in der Partie gegen United jedoch auf die Verletzten Neymar und Edinson Cavani verzichten muss, könnte nun tatsächlich Choupo-Motings große Stunde schlagen. Ob er auf Champions-League-Niveau mithalten kann, bleibt indes fraglich. 

  • Thomas Tuchel (45, Trainer)

Nach seinem unglücklichen letzten Jahr beim BVB, wo der 45-Jährige wegen seiner autoritären und unnahbaren Art in der Kritik stand, hat Thomas Tuchel bei seinem neuen Arbeitgeber zur Charmeoffensive angesetzt.

In Paris beweist der Deutsche vor allem im Umgang mit den zahlreichen Weltstars bislang ein glückliches Händchen. Von Superstar Neymar erntete Tuchel dafür ein Riesenlob: "Wenn man solch eine große Zuneigung für seinen Trainer fühlt, gibt man sein Leben für ihn auf dem Platz. Ich werde für ihn mein Bestes geben zu gewinnen."

Und auch Tuchels sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: Seit seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer gewann er mit PSG 27 von 34 Spielen bei einem unfassbaren Torverhältnis von 101:25.

Der amtierende Meister führt die Tabelle der Ligue 1 mit zehn Punkten Vorsprung vor Verfolger OSC Lille an – und das mit zwei Spielen weniger. 

Trotz aller sportlichen (Zwischen-)Erfolge kam es zuletzt jedoch zu Verstimmungen zwischen Tuchel und PSG-Sportdirektor Antero Henrique. Im Januar drückte der ehemalige BVB-Coach seinen Unmut darüber aus, dass in der Winterpause erneut keiner seiner Wunschspieler verpflichtet wurde.

Der Champions-League-Kracher gegen ManUnited wird für Tuchel gewissermaßen zur Nagelprobe: Scheidet er mit seinen Mannen gegen die formstarken Engländer aus, wäre die Saison für PSG quasi gelaufen. Diese Erfahrung musste bereits sein Vorgänger Unai Emery machen. 

Patricia Kamper