12.08.2019 13:06 Uhr

Mourinho-Kritik lässt Lampard kalt

Frank Lampard stand am Wochenende erstmals für Chelsea in einem Pflichtspiel an der Seitenlinie
Frank Lampard stand am Wochenende erstmals für Chelsea in einem Pflichtspiel an der Seitenlinie

Der Start für Frank Lampard als Teammanager des FC Chelsea ist missglückt. Trotz vier Gegentoren sah der unerfahrene Coach in seiner neuen Rolle bei den Blues aber auch Positives.

Die forschen Töne des Chefkritikers erreichten Frank Lampard kurz nach seinem "Albtraum-Start" als Teammanager des FC Chelsea. Die falsche Aufstellung mit zu wenig Erfahrung - das warf José Mourinho dem unerfahrenen Coach der Blues vor. Doch dieser, äußerlich mitgenommen vom ersten Spiel in der Verantwortung, parierte die Vorwürfe des Ex-Londoners nach dem 0:4 (0:1) im Old Trafford bei Manchester United lässig und gekonnt.

"Ich muss mir über das, was schlaue Experten oder wer auch immer sagt, keine zu großen Sorgen machen", sagte Lampard nach dem missglückten Start des Europa-League-Siegers in die neue Premier-League-Saison. "Wir waren eindeutig das bessere Team für 45 Minuten, vielleicht 60 Minuten. Aber wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht, die zu vier Gegentoren aus fünf Schüssen geführt haben."

Diese "brutale Realität" war der erste belastbare Eindruck, den der 41-Jährige in seiner neuen Rolle an der Stamford Bridge hinterließ. Eine höhere Niederlage beim Debüt als Chelsea-Chef hatte zuletzt Danny Blanchflower im Dezember 1978 (2:7 in Middlesbrough) kassiert. Marcus Rashford per Foulelfmeter (18.), Anthony Martial (65.), erneut Englands Nationalspieler Rashford (67.) und Neuzugang Daniel James (81.) trafen am Sonntag für die effektiven Gastgeber.

Die Klub-Legende sah im "Theatre of Dreams" aber kein typisches "4:0-Spiel" - auch wenn Medien wie der "Daily Telegraph" von einem "Nightmare" schrieben. "Zur Halbzeit müssen wir führen. Dann kommen aus dem Nichts das zweite und dritte Tor. Das hat es deutlich leichter für sie gemacht", sagte Lampard, der sein erstes Spiel an der Seitenlinie im dunkelblauen Anzug mit aufgeknöpftem Hemd beobachtete.

Ex-BVB-Star Pulisic kommt nur von der Bank

Der ehemalige Mittelfeldspieler war nach dem Abgang von Maurizio Sarri (zu Juventus Turin) durchaus überraschend zum Teammanager befördert worden. Seine kaum gefüllte Vita als Teammanager - er trainierte für eine Saison den Zweitligisten Derby County und verpasst den Aufstieg - hatten seine Zweifler schon vor dem Start auf den Plan gerufen.

Gegen United erhielten sie die erste Nahrung. Lampard setzte unter anderem auf die Youngsters Mason Mount (20) and Tammy Abraham (21) in der Startelf. Olivier Giroud (32) und N'Golo Kante (28) kamen wie Ex-Dortmunder Christian Pulisic (20) erst von der Bank - zu spät für Mourinho, der bei "Sky Sports" seine Kritik äußerte. "Ich hatte das Gefühl, dass sie mit mehr Erfahrung hätten spielen können. Für Spiele solcher Dimensionen braucht es etwas mehr", sagte er und bemängelte die "fehlende Aggressivität" in seinem Ex-Team.

Lampard gewann den Worten des Portugiesen, unter dem er in dessen zwei Amtszeiten bei Chelsea selbst noch gespielt hatte, nicht viel ab. "Es war die Mannschaft, die zur Verfügung stand und an die ich geglaubt habe. Uns haben internationale und große Spieler gefehlt, aber das soll keine Ausrede sein", sagte er. Den Londonern fehlten unter anderem Youngster Callum Hudson-Odoi sowie Nationalspieler Antonio Rüdiger verletzungsbedingt, zudem dürfen sie wegen einer Transfersperre bis Sommer 2020 keine Spieler verpflichten.

Lampard bleibt daher nur das vorhandene Personal und der Blick nach vorn. Schon am Mittwoch (21:00 Uhr) wartet im europäischen Supercup Champions-League-Sieger FC Liverpool mit Teammanager Jürgen Klopp. Für Lampard die erste Gelegenheit, den missglückten Start vergessen zu machen.