20.09.2019 14:07 Uhr

Zagadou beim BVB: Ein "Bock" und seine Spätfolgen

Dan-Axel Zagadou erlebt beim BVB bislang eine Achterbahnfahrt der Gefühle
Dan-Axel Zagadou erlebt beim BVB bislang eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Im Sommer 2017 gelang Borussia Dortmund ein Transfercoup: Mit Dan-Axel Zagadou lockte der BVB den damaligen Kapitän der französischen U19-Nationalmannschaft zum Nulltarif in den Ruhrpott. Paris Saint-Germain erhielt im Gegenzug lediglich eine Ausbildungsentschädigung und war dazu verdammt, aus der Ferne zu verfolgen, wie der Innenverteidiger seinen Marktwert in die Höhe schraubte.

Dass die Zeit Zagadous beim BVB dennoch eher einer wilden Achterbahnfahrt gleicht, ist vor allem dem Körper des Abwehr-Hünen und einer Horrorvorstellung gegen den FC Bayern geschuldet. 

Nach seiner Unterschrift beim BVB fand sich Zagadou auf Anhieb regelmäßig auf dem Rasen wieder. Nach einer Roten Karte bei einer 2:4-Pleite in Hannover Ende Oktober folgten 2017/18 jedoch nur noch Kurzeinsätze beim 1:2 in Stuttgart sowie dem legendären Remis im Derby gegen den FC Schalke 04, bei dem die Borussen Ende November eine 4:0-Führung aus der Hand gaben. 

Dass Zagadou Mitte März 2018 beim Europa-League-K.o. gegen RB Salzburg endlich wieder eine Chance über 90 Minuten bekam und zu überzeugen wusste, machte ein Muskelbündelriss zu nichte.

Auch in seiner zweiten Saison im schwarzgelben Trikot bremste der Körper Zagadou aus. Nachdem sich der Kicker aus dem Pariser Vorort Créteil am fünften Spieltag der Saison 2018/19 in die Dortmunder Stammformation zurückkämpfte, bedeutete ein Mittelfußbruch im Dezember den nächsten Rückschlag. Erst Mitte Februar 2019 gab Zagadou sein Comeback in der ersten Elf der Profis - sieben Partien später setzte es allerdings den bislang letzten und heftigsten Nackenschlag.

Vom FC Bayern mit Vorsatz vorgeführt

Anfang April 2019 gastierte der BVB beim FC Bayern, wurde beim 0:5 von den Münchnern nach Strich und Faden vorgeführt, verspielte letztlich die Meisterschaft und landete extrem unsanft auf dem Boden der Tatsachen.

Vor allem Zagadou erwischte gegen den Rekordmeister einen rabenschwarzen Tag: Das Talent wurde von Robert Lewandowski und Co. 45 Minuten schwindelig gespielt, verschuldete das 0:2 durch einen irren Fehlpass und wurde von Coach Lucien Favre bereits in der Halbzeit erlöst.

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Mit seiner freimütigen Enthüllung, man habe die eigene Spielweise bewusst darauf ausgelegt, "dass Zagadou immer mal wieder einen Bock drin hat", goss Bayern-Trainer Niko Kovac zusätzlich Öl ins Feuer. Eine Aussage, die dem Standing des Hoffnungsträgers offenbar nachhaltig schadete. Besonders bitter: aufgrund von Knieproblemen konnte Zagadou seine Scharte im Saisonendspurt nicht mehr auswetzen.

Auch den Transfersommer 2019 dürfte Zagadou mit gemischten Gefühlen verfolgt haben. Durch die Rückkehr von Mats Hummels in den Schoß des BVB ist ein Platz in der Abwehrmitte fest vergeben, dass mit Abdou Diallo und Ömer Toprak zwei Konkurrenten das Ruhrgebiet verlassen durften, beweist hingegen, dass man mit Zagadou plant. Gerüchte, Zagadous Berater würden einen Abschied ihres Schützlings anstreben, verliefen sich folglich im Sand.


Mehr dazu: Zagadou-Berater bereiten angeblich BVB-Abschied vor


Derzeit dürfte der Linksfuß in der internen Hierarchie hinter Hummels und Manuel Akanji den dritten Platz einnehmen, auf Einsatzzeit in einem Pflichtspiel für den BVB wartet Zagadou 2019/20 allerdings noch vergebens. Sicher auch, da sich die Abläufe zwischen dem von Favre aktuell favorisierten Duo Hummels/Akanji einspielen sollen.

Ein Umstand, der durchaus Gefahren birgt. Zumal sich Akanji weder beim 3:1-Erfolg gegen den 1. FC Köln noch bei der krachenden 1:3-Pleite gegen Union Berlin mit Ruhm bekleckerte. Noch sind von Zagadou keine kritischen Worte über seine Reservistenrolle zu vernehmen, ohne baldige Einsätze dürfte es allerdings schwer werden, den hochveranlagten Abwehrspieler bei Laune zu halten.

Denn allen Rückschläge und der Konkurrenz durch namhafte Millionentransfers zum Trotz zieren bereits 38 Pflichtspiele für Champions-League-Dauergast BVB die Vita des jungen Franzosen. 

Was in ihm steckt, bewies Zagadou zuletzt bei seinem Debüt für die U21-Auswahl Frankreichs. Beim 4:0-Erfolg über Albanien absolvierte Zagadou die komplette Spielzeit, machte keine Fehler und erzielte einen Treffer. Eine Leistung, die er bald sicherlich gerne im Trikot des BVB bestätigen würde.

Marc Affeldt