06.11.2019 13:54 Uhr

Rampenlicht: Sam trifft wieder - Söyüncü rockt England

Beim FC Schalke blieb Sidney Sam der Durchbruch verwehrt - nun kickt er in Österreich
Beim FC Schalke blieb Sidney Sam der Durchbruch verwehrt - nun kickt er in Österreich

Viele bekannte Gesichter aus der Fußball-Bundesliga spielen weitgehend unbeachtet von den deutschen Medien im Ausland. Heute im weltfussball-Rampenlicht: Ein Schalke-Flop überrascht in Österreich, ein Ex-Freiburg-Juwel rockt die Premier League und ein Europameister feiert ein emotionales Comeback in Griechenland.

"Außer Bayern und Dortmund kann ich allen Mannschaften in der Bundesliga sofort weiterhelfen." Mit diesen Worten kommentierte Sidney Sam im September in der "Sport Bild" seine Vereinslosigkeit. Zuvor war sein Vertrag beim Zweitligisten VfL Bochum nicht verlängert worden.

Es war der vorläufige Tiefpunkt in der Karriere von Sam, der einst als Ausnahmetalent gehandelt worden war. Als 20-Jähriger lief er für den HSV im Achtelfinale des UEFA-Cups auf, traf für Leverkusen in der Champions League und stieg sogar zum Nationalspieler auf.

Doch mit seinem Wechsel zum FC Schalke im Sommer 2014 begann der Absturz. Die Zeit in Königsblau war geprägt von Verletzungen und Formsuche.

Sams bittere Bilanz: Nach drei Jahren im Knappen-Dress standen nur 22 Einsätze ohne ein einziges Tor zu Buche. Wenig überraschend wurde das Arbeitspapier des Großverdieners vorzeitig aufgelöst - gegen Zahlung einer saftigen Abfindung, versteht sich.

Ein erfolgloses Gastspiel in Bochum folgte, im Anschluss stand Sam ohne Verein da. Erst nach zahlreichen Probetrainings (u.a. beim RSC Anderlecht) schlug der österreichische Erstligist SCR Altach schließlich zu.

Seit Anfang Oktober steht der 31-Jährige beim Klub aus Vorarlberg unter Vertrag - zunächst bis zum Saisonende. Im zweiten Spiel für die Schwarz-Weißen ließ Sam nun erstmals seine Klasse aufblitzen, als er nach seiner Einwechslung gegen die WSG Tirol ein Tor und eine Vorlage zum 4:0-Sieg beisteuerte.

"Ich bin einfach froh, dass ich wieder auf dem Platz stehe", gab sich der Joker bei "Sky Sport Austria" bescheiden.

Ehemaliger Freiburger avanciert zum Premier-League-Star

Keinen Grund zu Bescheidenheit hätte derzeit Caglar Söyüncü. 2018 war der Türke für stolze 21 Millionen Euro vom SC Freiburg zu Leicester City gewechselt.

Dort wurde der 23-Jährige zwischenzeitlich schon als Fehleinkauf abgestempelt. Aber weit gefehlt: In der aktuellen Saison hat sich Söyüncü beim Sensationsmeister von 2016 zur absoluten Stammkraft gemausert.

Der Innenverteidiger verpasste bislang in der Premier League noch keine Minute und brachte sein Team beim jüngsten 2:0-Erfolg bei Crystal Palace mit einem Kopfballtor auf die Siegerstraße. Es war sein erster Treffer in der Elite-Liga.

Doch nicht nur für Söyüncü persönlich läuft es nach Maß. Momentan sind die Foxes punktgleich mit dem FC Chelsea Tabellendritter und liegen überraschend auf Königsklassen-Kurs.

"Die Leute haben ihn geliebt, auch wenn er Fehler gemacht hat, weil er diese Kriegermentalität hat", erinnerte sich Freiburg-Trainer Christian Streich bei "Sky Sport" an Söyüncü, der in seinen zwei Jahren im Breisgau zum gestandenen Profi gereift war.

Diese Fehler hat der türkische Nationalspieler nun offenbar abgestellt. Mit nur acht Gegentoren in elf Spielen stellt Leicester derzeit die beste Abwehr der Liga. Am Samstag folgt die nächste Nagelprobe für Söyüncü, wenn Verfolger Arsenal im King Power Stadium gastiert.

Europameister feiert sensationelles Comeback in Griechenland

Eine Herausforderung ganz anderer Art hat der Ex-Wolfsburger Vieirinha hinter sich. Der Kapitän von PAOK Thessaloniki musste im drittletzten Spiel der vergangenen Saison schwer verletzt vom Platz. Diagnose: Kreuzbandriss.

Wenige Tage später, der griechische Erstligist lag auf Titelkurs, wechselte Trainer Razvan Lucescu seinen Spielführer beim Stand von 5:0 und unter dem frenetischen Jubel des Anhangs ein. Auf diese Weise konnte Vieirinha die erste Meisterschaft des Klubs seit 34 Jahren mit seinen Teamkollegen bejubeln.

Nun ist der Portugiese nach langer Leidenszeit auf den Rasen zurückgekehrt - und wie! Beim 2:2 gegen Panathinaikos wurde der Routinier nach der Halbzeitpause eingewechselt - und direkt zum gefeierten Helden. Der Außenbahnspezialist schnürte direkt einen Doppelpack und sicherte Thessaloniki einen wichtigen Punkt.

Heldenstatus hat der 33-Jährige auch beim VfL Wolfsburg, den er in der Relegation 2017 gegen den Lokalrivalen Eintracht Braunschweig zum Klassenerhalt geschossen hatte. Insgesamt 163 Spielen absolvierte Vieirinha in fünfeinhalb Jahren für die Wölfe, ehe er nach Thessaloniki zurückging.

An alter Wirkungsstätte avancierte der Europameister von 2016 sofort wieder zum Führungsspieler - wie er nun erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Jonathan Batsch