04.12.2019 18:43 Uhr

Hunter und Arnie in Torlaune - Ex-BVB-Talent im Aufwind

Klaas Jan Huntelaar glänzt bei Ajax Amsterdam
Klaas Jan Huntelaar glänzt bei Ajax Amsterdam

Viele bekannte Gesichter aus der Fußball-Bundesliga spielen inzwischen weitgehend unbeachtet von den deutschen Medien im Ausland. Heute im sport.de-Rampenlicht: Eine ehemalige Skandalnudel von Werder Bremen brilliert in Fernost, eine Ikone des FC Schalke 04 blüht in Holland auf und ein Ex-BVB-Talent befindet sich am Liga-Abgrund im Aufwind.

Die Kritik an Marko Arnautovic war groß, als im Sommer 2019 bekannt wurde, dass der Österreicher von West Ham United aus der englischen Premier League zu Shanghai SIPG in die chinesische Super League wechseln würde.

Es war der Höhepunkt einer Transferposse, die sich über Monate hinzog und an deren Ende West Ham schlicht genug von den Spielchen des Angreifers hatte. Was Arnautovic bewog, dem Fußball-Mutterland den Rücken zu kehren, stand dabei nie infrage: Im fernen Osten wird der 30-Jährige mit kolportierten 11,5 Millionen Euro jährlich fürstlich für seine Dienste entlohnt, West Ham wurde zudem mit einer Ablöse von rund 25 Millionen Euro entschädigt.

Anders als einige seiner namhaften Vorgänger zahlt Arnautovic die Summe jedoch mit Toren zurück. So auch am ersten Advent, als der österreichische Nationalspieler Gegner Shenzhen FC im Alleingang auseinander nahm. Als der Schlusspfiff ertönte, stand es 6:0, Arnautovic hatte seine Vita um vier Tore und eine Vorlage erweitert.

Der Kantersieg war ein Stück weit Frustbewältigung. Immerhin verspielte Shanghai nur acht Tage zuvor die Meisterschaft im Spitzenspiel gegen Guangzhou Evergrande. An Arnautovic haperte es nicht. Nach seinem ersten Halbjahr in China stehen satte neun Treffer in elf Partien zu Buche.

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The Eagle has landed 🇦🇹🦅🇨🇳 @sipg_fc

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Zahlen, von denen man bei Werder Bremen seinerzeit nur träumen konnte. Zwischen 2010 und 2013 hat der exzentrische Stürmer 72 Bundesligaspiele für die Norddeutschen absolviert, trat aber häufiger abseits des Platzes in Erscheinung als mit Toren. 

Ex-Star von Schalke 04 wird zum Matchwinner in Holland

Zur Torquote von Arnautovic fehlt Klaas-Jan Huntelaar zwar ein Treffer, acht Tore in bislang elf Partien der niederländischen Eredivisie können sich allerdings sehen lassen. Zumal der der 36-Jährige Edeljoker im Team der jungen Wilden von Ajax Amsterdam ist.

Am vergangenen Wochenende stellte der Altstar seine Jokerqualitäten gegen Twente Enschede unter Beweis. Als sich Stammkraft Quincy Promes Mitte der ersten Halbzeit verletzte, lag Ajax bereits mit 0:2 im Hintertreffen, dann folgte die Show des "Hunters": Nur 35 Minuten nach Huntelaars Einwechslung war die Partie gedreht, der Routinier erzielte die 3:2-Führung höchstpersönlich und markierte zudem den 5:2-Endstand. 

Den Torriecher des Angreifers wusste man auch beim FC Schalke 04 zu schätzen. Für die Knappen absolvierte Huntelaar zwischen 2010 und 2017 175 Bundesligaspiele, traf 82 Mal ins gegnerische Tor und avancierte zum Publikumsliebling. 2011 gewann er den Pokal mit S04, 2012 wurde er Torschützenkönig der Bundesliga.

Ehemaliges BVB-Talent kämpft gegen den Absturz

Von solchen Erfolgen kann Jon Gorenc-Stankovic nur träumen. Die Karriere des 23-Jährigen kommt zwar gerade erst so richtig in Fahrt, droht aber in der zweiten englischen Liga zu versanden. 2014 war der Defensivspezialist als hoffnungsvolles Talent aus seiner slowenischen Heimat in die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund gewechselt, wo seinerzeit der heutige Schalker Cheftrainer David Wagner an der Seitenlinie stand.

Zu mehr als einer Berufung in den Profikader der Schwarzgelben hat es in zwei Jahren am Borsigplatz allerdings nie gereicht. 2016 folgte Stankovic letztlich dem Ruf von Wagner und wagte den Sprung auf die Insel zu Huddersfield Town.

Wagner hatte ein dreiviertel Jahr zuvor beim englischen Zweitligisten angeheuert und sah in seinem Ex-Schützling in günstige Sofortverstärkung. Der Sprung ins Profigeschäft verlief allerdings nicht reibungslos. Stankovic kam nur sporadisch zum Zug und musste nach einem Kreuzbandriss von außen mit ansehen, wie sein Team sensationell in die Premier League aufstieg.

Nachdem der ehemalige slowenische U21-Nationalspieler nahezu die gesamte erste Saison im Oberhaus ausfiel, konnte der Abwehrmann erst zum Ende der vergangen Spielzeit Fuß fassen. Den Abstieg konnte er jedoch nicht mehr abwenden. Nun spielt Huddersfield also wieder in der Championship - diesmal ohne Wagner.

Stankovic, der nach dreieinhalb Jahren in England nur auf 32 Einsätze kommt, hat sich in den vergangen Spielen aber endlich zum Stammspieler gemausert. In Anbetracht dessen, dass Huddersfield mittlerweile auch im englischen Unterhaus gegen die Abstieg kämpft, würde er wohl nichts gegen einen erneuten Anruf seines Ex-Trainers einzuwenden haben.

Jonathan Batsch