09.12.2019 07:57 Uhr

Andersson wird zur Symbolfigur für Unions Erfolg

Sebastian Andersson ist bester Torschütze von Union Berlin
Sebastian Andersson ist bester Torschütze von Union Berlin

Die direkte Konkurrenz von Sebastian Andersson könnte kaum prominenter sein. Auf vier Kopfballtreffer kommt in dieser Bundesliga-Saison ansonsten nur Bayerns Robert Lewandowski, mit insgesamt acht Toren liegt der Stürmer des 1. FC Union Berlin gleichauf mit Dortmunds Marco Reus.

Und so verdiente sich Andersson für seinen Doppelpack beim 2:0-Sieg der Köpenicker über den 1. FC Köln ein ungewohntes Sonderlob seines Trainers.

"Er war sehr effizient", sagte Urs Fischer am frühen Sonntagabend über den Schweden, der zunächst per Kopf (33. Minute) und dann überlegt mit Köpfchen (55.) traf. "Einmal mehr hat er aber viel dafür aufgewendet - nicht nur um die Tore zu erzielen, sondern auch um Arbeit zu verrichten, die uns als Team hilft."

Mit der Wucht von 1,90 Metern Körpergröße ist Andersson prädestiniert für das Angriffsspiel des Aufsteigers. Meist wird er von seinen Teamkollegen mit langen, hohen Bällen gesucht. Die Abpraller - so genannte zweite Bälle - erhält der 28-Jährige dann zurück.

"Er ist ein Riesenfaktor derzeit bei uns, auch unabhängig von seinen Toren", lobt Kapitän Christopher Trimmel. "Das ist sehr, sehr wichtig. Sonst kloppst du die Bälle vor und die sind gleich wieder weg. Das macht er hervorragend." Gegen Köln verbuchte Andersson sieben der zehn Torschüsse von Union.

Diese Qualitäten blieben lange Zeit bei Scouts der europäischen Topligen verborgen. "Er ist so ein bisschen ein Phänomen", charakterisierte Union-Manager Oliver Ruhnert den Stürmer zuletzt im Fachmagazin "Kicker". "In jungen Jahren war er unauffällig, hat aber meist seine Tore gemacht - und ist doch oft unter dem Radar geflogen."

Erst im Alter von 26 Jahren wechselte Andersson nach vier Profistationen in Schweden aus seiner Heimat im Sommer 2017 zum damaligen Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Auch seine zwölf Treffer konnten den Abstieg der Pfälzer nicht verhindern - ein Glücksfall für Union. Da Andersson keinen Vertrag für die 3. Liga unterschrieben hatte, konnten die Berliner ihn ablösefrei verpflichten.

"Wir sind noch nicht sicher mit 19 Punkten"

Mit ebenfalls zwölf Saisontoren trumpfte der Vater zweier Töchter in der Aufstiegssaison als bester Schütze der Berliner auf - und steigert nun in seiner ersten Bundesligasaison seine Quote sogar noch. "Ich bin sehr glücklich, aber auch sehr müde", sagte der introvertiert auftretende Andersson vor den TV-Kameras nach seinem zweiten Bundesliga-Doppelpack.

Insgesamt trafen erst fünf Spieler diese Saison für Union - so wenig wie bei keinem anderen Bundesligisten. Aber auch trotz dieser Unwucht bejubelten die Berliner bereits ihren vierten Heimsieg in Serie und liegen aktuell im gesicherten Mittelfeld. "Wir sind noch nicht sicher mit 19 Punkten", warnte Andersson und lieferte eine Beschreibung der Lage, die auch für seine bisherige Zeit in Deutschland symbolhaft ist: "Wenn wir so weitermachen, wird alles gut werden."