01.07.2020 13:23 Uhr

S04 muss massiv sparen, Europa kein Ziel mehr

Beim FC Schalke 04 wird sich in Zukunft einiges ändern
Beim FC Schalke 04 wird sich in Zukunft einiges ändern

Die Verantwortlichen des FC Schalke 04 haben sich am Tag nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies demütig gezeigt und "massive Einsparungen" angekündigt.

"Der heutige Tag ist eine Zäsur für den FC Schalke 04. Ein 'Weiter so' wird es und kann es nicht geben", sagte Marketing-Vorstand Alexander Jobst während einer Pressekonferenz. "In den vergangenen Monaten hat Schalke 04 in der Öffentlichkeit ein miserables Bild abgegeben. Wir haben Fehler gemacht, für die wir uns entschuldigen müssen."

Damit meinte Jobst zum einen die enorm schwache sportliche Rückrunde, die das Team von Trainer David Wagner auf Platz zwölf beendet hatte, und zum anderen die Fehltritte in der Öffentlichkeitsarbeit unter anderem bei zwischenzeitlich geforderten Härtefallanträgen bei Ticketrückerstattungen.

"Die Verantwortung tragen wir, der Vorstand, und wir müssen tunlichst dafür Sorge tragen, dass diese Dinge nicht mehr passieren. Wir wissen, dass wir sehr viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit verspielt haben."

Eine Gehaltsobergrenze bei 2,5 Millionen Euro bestätigten Jobst und Sportchef Jochen Schneider zunächst nicht direkt. Beide sprachen aber von deutlichen Budgetkürzungen auch im Profi-Bereich.

"Wir müssen uns Richtlinien auferlegen, an die wir uns halten", sagte Schneider, der zudem bestätigte, dass mit der Mannschaft Ende Juli über einen weiteren Teilverzicht auf Gehalt gesprochen wird.

Ausgliederung beim FC Schalke 04 derzeit kein Thema

"Wir kommen nicht umhin, den Kompromiss zu erzielen", sagte er. Bei der Frage nach der vermeintlichen NRW-Landesbürgschaft für einen Bankkredit bis zu 40 Millionen Euro wurde auf die "Geheimhaltungspflicht" verwiesen. Eine Ausgliederung des Profi-Bereichs sei aktuell noch kein Thema.

Der mächtige Aufsichtsratsboss Tönnies war am Dienstag nach massiver Proteste der eigenen Fans und dem Corona-Skandal in seinem Fleisch-Unternehmen zurückgetreten.

Schneider hat auch nach der schwachen Rückrunde in der Fußball-Bundesliga "totales Vertrauen" in das Trainerteam um Chefcoach David Wagner. "Wir werden da durchkommen", sagte Schneider. Die finanziell schwer angeschlagenen Königsblauen hatten die Saison nach guter Hinrunde nur auf Platz zwölf abgeschlossen. Die Wagner-Mannschaft blieb 16 Spiele in Serie ohne Sieg und stellte einen Vereins-Negativrekord auf.

"Es waren für unseren Kader für die Breite, die Tiefe und die Balance leider zu viele Verletzte", sagte Schneider. "Solange David Wagner das Gros des Kaders zur Verfügung hatte, haben wir attraktiven und erfolgreichen Fußball gespielt.

"Der finanziell ohnehin angeschlagene Verein habe durch die Corona-Krise weitere hohe Verluste hinnehmen müssen. Um Schalke "mit wirtschaftlicher Vernunft in die Zukunft" führen zu können, werde beim Personaletat und bei nicht notwendigen Investitionen "die Stopptaste" gedrückt. Deshalb sei es auch notwendig, die sportlichen Ziele für die kommenden "ein, zwei, vielleicht auch drei" Spielzeiten anzupassen, sagte Jobst. Das Erreichen des Europapokals sei kein Thema mehr.


sport.de hat die Pressekonferenz im ausführlichen Liveblog begleitet. Die wichtigsten Aussagen zum Nachlesen:

+++ Frage: Wieso haben einige Stammspieler nach der Coronapause schwach agiert? +++

Wagner: "Wir haben es während der Coronapause nicht geschafft, die Belastungsspitzen, genauer die Belastungsspielspitzen, die man sonst über Einsätze in der zweiten Mannschaft einüben kann, richtig zu setzen. Daher konnten einige Spieler nach der Pause nicht an ihre Leistungsgrenze kommen."

+++ Frage: Wie ist der Trainingsstart geplant? / Wie sind die Auswirkungen von Corona auf den Transfermarkt? +++

Wagner: "Der 31.07. ist ein provisorischer Termin, der sich auf den Saisonauftakt am 11. September bezieht. Dieser ist jedoch noch nicht fix, so dass sich noch einiges ändern kann. Aber der 31.07. wird auf jeden Fall der erste Tag sein, wo der erste Coronatest anstehen wird."

Schneider: "Jeder von uns könnte ohne Vorbereitung ein Referat über die Auswirkungen der Coronakrise auf den Transfermarkt halten. Einige Vereine spielen ja sogar noch und wissen noch gar nicht, was sie auf dem Transfermarkt tun werden. Die Krise hat massive Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Faktoren."

+++ Frage: Wie steht es um Jonjoe Kenny? +++

Schneider: "Wir waren sehr zufrieden mit ihm, er hat perfekt zum FC Schalke gepasst. Everton wollte ihn jedoch zurück und das werden wir respektieren."

+++ Frage: Warum ging Juan Miranda? +++

Schneider: "Alle Parteien haben sich nach Wunsch des Spielers dazu entschieden, die Leihe zu beenden. Er sah sich zu wenig berücksichtigt. Es ist richtig, die Leihe ist gestern beendet worden."

+++ Frage: Wird es noch Gespräche mit Stambouli geben? +++

Schneider: "Wir würden ihn gern hier behalten." Rückfrage: Wie reagiert er? Schneider: "Schauen wir mal."

+++ Frage: Steht Geld für Neuzugänge zur Verfügung? +++

Schneider: "Die härteste Währung, die wir haben, ist die Information. Ich weiß, Sie können es nicht hören, der Kopf geht nach unten. Ich bitte um Verständnis, dazu nichts zu sagen."

+++ Frage: Mit welchen Spielern planen Sie? +++

Schneider: "Wir planen erst einmal mit allen Spielern, die für 20/21 beim FC Schalke unter Vertrag stehen. Das ist Fakt. Es bringt aber nichts, darüber zu diskutieren, was an welchen Stellen verändert werden soll. Es gebührt sich nicht zum Beispiel über Spieler zu sprechen, die anderen Vereinen gehören."

Wagner: "Ich bin mit den beiden Torhütern, die wir bei uns haben, absolut einverstanden."

+++ Frage: Was werden Sie an ihrer Arbeit ändern, Herr Wagner? +++

Wagner: "Wir haben über eine ganz lange Zeit gesehen, dass das, was wir vorhaben, Erfolg bringt. In der Reflexion wird sich meine Arbeit sicher verändern, aber nicht großartig. Wenn wir wieder die Möglichkeit haben, mit den Jungs wie zu Beginn der Saison zu arbeiten, wird auch der Erfolg wieder kommen. Veränderungen wird es nur in Maßen geben, nicht exorbitant."

+++ Frage: Wie sehr nehmen Sie die Mannschaft in die Pflicht? +++

Wagner: "Durch die Veränderung im Staff wird sich die Arbeit verändern. Die Trainingspläne für die trainingsfreie Zeit wurden verändert, erste Effekte sind eingeleitet worden."

Schneider: "Es ist keine Frage der Mentalität, falls die Frage dahin zielt. Wir waren in der Hinrunde in vielen Statistken vorne mit dabei. Das hat man nicht, wenn man einen faulen Haufen hat. Dann gab es aber personelle Veränderungen und das hat natürlich auch Einfluss auf die Leistungen. Wir haben eine gute Truppe und wir kriegen die auch wieder dahin, wo sie war."

+++ Frage: Wie sehr haben die Sparmaßnahmen negativen Einfluss auf die Zukunftsplanungen mit Leistungsträgern? +++

Schneider: "Ozan Kabak, Weston McKennie und andere sind ja langfristig gebunden. Es muss ja immer im Einklang verlaufen. Wie entwickelt sich ein Verein, wie entwickelt sich ein Spieler. Manchmal geht es in die eine, manchmal in die andere Richtung. Ich kann nicht in die Zukunft gucken. Das Thema, welche Gehälter wir bezahlen, hat keinen dogmatischen Ansatz. Fußball ist sehr dynamisch. Wir müssen gucken, wohin das führt. Ich kann die Frage nicht zu 100 Prozent beantworten."

+++ Frage: Wie groß ist die Hypothek mit den 16 sieglosen Spielen im Rücken? +++

Wagner: "Dass es da keine Hypothek gibt, ist Quatsch. Sie ist da, keine Frage. Es ist nicht alltäglich dass man nach so vielen sieglosen Spielen noch auf der Bank sitzt. Wir alle wollen das korrigieren, wir wollen zeigen, dass wir das anders können, so wie zu Beginn der Saison. Die ersten siebeneinhalb Monate waren ja kein Zufall, genauso wie die letzten vier Monate. Jetzt kann man die Erklärungen annehmen oder nicht. Die vielen Verletzten als Grund kann keiner mehr hören, ich auch nicht mehr, aber ist definitiv ein Grund. Ich bin sicher, dass wir mit den kommenden Personalentscheidungen schnell einen Ertrag sehen werden."

+++ Trainer David Wagner zum Sportlichen +++

"Ich teile die Saison in mehrere Abschnitte ein. Wir haben die Saison mit mehr oder minder zwei verschiedenen Mannschaften gespielt. Nach dem DFB-Pokal-Spiel gegen Hertha war der große Bruch. Ich bin der sportlich Verantwortliche für beide Phasen. Dass über die erste weniger gesprochen wird als über die zweite, ist auch klar. Für mich geht es nun darum zu hinterfragen, wie es dazu kommen konnte, dass nach der starken ersten Phase mit einer anderen Mannschaft ganz anders Fußball gespielt wurde. Vieles passiert im Fußball zeitversetzt. Und so ist es auch in unserer Mannschaft. Am Ende hatten wir fünf Szenarien, die dazu führten, dass wir ab Ende Februar eine andere Mannschaft auf dem Platz hatten: Verletzte wie Caligiuri, Serdar, Harit.

"Auch in der Reha gab es Schwierigkeiten. Spieler wie Stambouli und Sané kehrten erst spät zurück. Ausfälle konnten auf diese Weise nicht kompensiert werden."

"Dazu hatten wir ein Torwartpaar, das ab Februar nicht mehr richtig funktioniert hat, da gab es zu viele Torbeteiligungen in vielen Spielen."

"Das Transferfenster hat uns sicherlich nicht geholfen im Januar. Da bin ich als sportlich Verantwortlicher ebenfalls mit drin. Unser Sturmproblem konnten wir nicht lösen."

"Leider haben wir auch die Coronaphase nicht gut genug genutzt, um die Spieler wieder so aufzubauen, dass wir wieder in eine gute Position kommen. Es wurde eher noch schlimmer. Das hat sich alles auch auf die Trainingsqualität ausgewirkt. Das führt am Ende dazu, dass selbst erfahrene Spieler am Wochenende nicht so gut performen konnten, wie sonst."

"Nichtdestotrotz hat diese Phase uns gute Erkenntnisse geliefert: Die Zusammenarbeit mit der Knappenschmiede ist sehr sehr gut. Wir haben viele Jungs, die wir weiter supporten werden. Das wird eine Grundlage des FC Schalke 04 bleiben. Das ist für uns auch eine Chance, zu analysieren, wie wir eigentlich Fußball spielen wollen. Wir wollen viel Enthusiasmus, viel Zusammenhalt, viel Mut. Alles, was man bis Februar gesehen hat. Ich freue mich, wenn wir uns am 31.07. wiedertreffen und mit einer ganz klaren Idee, einer klaren Zielsetzung in die neue Saison gehen. Wir werden mit einem kleinen Geldbeutel gute Entscheidungen treffen."

+++ Jochen Schneider zum Sportlichen +++

"Die Saison 2019/2020 war in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere. David Wagner ist jetzt seit genau einem Jahr hier. Wir haben unter schwierigen Voraussetzungen begonnen, hatten die Spielzeit davor mit nur 33 Punkten abgeschlossen. Wir mussten den Kader nachjustieren, er war nicht richtig ausbalanciert. Wir mussten erst Spieler verkaufen, um nachrüsten zu können. Die Situation war auch schon damals schwierig."

"Wenn man auf die aktuelle Saison guckt, kann man sie dreiteilen: Bis zm 18. Spieltag, dann eine zähe Phase danach und dann eine bittere Phase nach dem Restart. Man kann sie auch zweiteilen: Es waren auf jeden Fall auch viele Spiele dabei, wo unsere Fans glücklich nach Hause gingen."

"Ohne, dass es eine Ausrede sein soll: Uns sind jedoch auch viele Spieler verletzungsbedingt weggebrochen. Torgefährliche Mittelfeldspieler, mit Harit, Caligiuri und Serdar. Wir haben aber auch zu wenig Stürmertore gemacht. Wir haben hintenraus über weile Teile mit einem Team gespielt, das am Anfang der Saison noch ganz anders aussah. Für unseren Kader waren die Verletzungen ein Rückschlag. "

"Es ist klar: Wir machen mit unserem Trainer-Team weiter! Der branchenartige Reflex, immer etwas Neues zu machen, weil es nicht läuft, ist nicht mein Ding. Wir müssen sprechen und gucken, wo wir den Hebel ansetzen. Natürlich werden die Spiele gezählt, die nicht gewonnen wurden, das ist ja ganz normal. Aber wir haben ein gutes Fundament und werden aus der Situation herauskommen."

"Ich reihe mich nicht in die Kritiker von Alexander Nübel ein. Er hat ein tolles Jahr 2019 für uns gespielt. Ich glaube auch, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat."

"Wir haben Entscheidungen getroffen: Z.B. dass wir das komplette Athletik- und Reha-Team ausgewechselt haben."

"Es hat sich bewährt, dass wir Can Bozdogan vom 1. FC Köln geholt haben, für weitaus weniger Geld, als ich überall gelesen haben. Diesen Weg, über die Knappenschmiede, gehen wir weiter, gemeinsam mit Norbert Elgert. Diesen Weg werden wir weitergehen, auch in der wirtschaftlichen Situation, in der wir sind, werden wir weiter in die Knappenschmiede investieren. Wenn wir diesen Weg weitergehen und es schaffen, unsere PS auf die Straße zu bringen, hat der Verein eine positive Zukunft."

Nun soll die sportliche Analyse erfolgen!

+++ Frage: Hat man versucht, Clemens Tönnies zum Bleiben zu bewegen? +++

Jobst: "Wer Clemens Tönnies kennt, der weiß, dass - wenn Tönnies einen Beschluss trifft - dieser auch steht. Daher gab es auch keine Überredungsabsichten von Jochen Schneider oder mir."

+++ Frage: Wie sieht es mit den Bauarbeiten im Berger Feld aus? +++

Jobst: "Die Investitionen sind zweckgebunden, die Bauarbeiten laufen weiter. Weil wir auch hier mit Augenmaß agieren und wissen, dass diese Infrastruktur für den FC Schalke unabdingbar ist."

+++ Frage: Wie steht es um das Malocher-Klub-Image? +++

Jobst: "Die soziale Verantwortung des Vereins wird auch in Zukunft eine Rolle spielen. Vielleicht ein wenig in anderem Maße."

+++ Frage: Wie geht es mit den Dauerkarten weiter? +++

Jobst: "Diese Entscheidung müssen wir in Zusammenarbeit mit der DFL abwarten. Erst bei einer Gewissheit, wie es weitergeht, werden wir auf unsere Dauerkarteninhaber zugehen."

+++ Frage: Wie wollen Sie Clemens Tönnies ersetzen? +++

Jobst: "Er war sehr starker Sparringspartner und Ratgeber. Wichtig, dass unsere Sponsoren an unserer Seite stehen, weil die sich für Schalke engagieren und nicht für Tönnies. Gazprom hat sofort signalisiert, bis 2022 an unserer Seite zu stehen."

+++ Frage: Wird die Kündigung der Fahrer der Knappenschmiede zurückgenommen? +++

Jobst: "Die Entscheidung ist getroffen. Es war nicht gut, wie wir in der Ansprache mit den Fahrern agiert haben. Deshalb räumen wir nicht nur den Fehler ein, sondern entschuldigen uns dafür. Die Entscheidung steht aber. Allerdings wird es beim neuen Dienstleister eine Übergabemöglichkeit geben."

+++ Frage: Wie groß sind die internen Probleme? +++

Schneider: "Ihr alle schreibt die Artikel, ihr lest die Artikel, ihr seid in den Foren unterwegs. Ich bekomme morgens etliche Emails, was alles schief läuft. Wir befassen uns damit viel zu sehr. Es ist jetzt eine neue Zeitrechnung, wir gehen die Dinge bewusst an und mit Sinn für die Realität. Wir sind intern kein zerstrittener Haufen. Wenn das so verstanden wurde, ist das falsch."

Jobst: "Auch Mitarbeiter sind verunsichert, wie es weitergeht. Mit der Zäsur, die genannt wurde, müssen wir auch das Mitarbeiterklima wieder optimieren. Es geht unser größter Dank an die Mitarbeiter in dieser schweren Zeit."

+++ Frage: Wie groß ist die Sorge, dass Schalke langfristig zum Mittelmaß steht? +++

Jobst: "Je schneller die Pandemie aus unserem Leben verschwindet, desto optimistischer können wir sein, Schalke wieder in die richtigen Fahrwasser zu führen. Stabilität und wirtschaftliche Vernunft hat Vorrang vor ambitionierten Zielen. Ein Europaanspruch für die nächsten Saisons gibt der Etat nicht her. Das wäre eine Position, die nicht der Realität entspricht. Wir haben gegenüber unseren Fans und Partnern eine Verantwortung zu zeigen, wie realistisch Schalke agieren kann in den nächsten Jahren."

Schneider: "Es gibt mittlerweile viel mehr Vereine, die vor vier Jahren noch nicht so da waren, die um Europa spielen. Es gibt viele Vereine, die mehr gute als schlechte Entscheidungen getroffen haben. Und wir haben Fehler gemacht, sonst ständen wir jetzt nicht hier. Wir kämpfen miteinander im Promillbereich, wenn es zum Beispiel mit einem Spielanalysten bessere Chancen gibt, dann werden wir das auch machen. Dieser Situation werden wir uns nicht verschließen. Aber wir müssen auch einen Schritt zurückgehen, um den Klub zu gesunden und wieder zurück zum Erfolg zu führen. Schalke ist ein Klub, den es so in der Bundesliga nicht noch einmal gibt. Am Anfang der Saison war zu sehen, was möglich ist, wenn es rund läuft. Aber leider bleibt der letzte Eindruck haften. Und der war auch richtig schlecht, das kann man nicht wegdiskutieren. Dieser Wettbewerbsituation stellen wir uns, ganz ganz nüchtern. Nur träumen dürfen wir nicht mehr!"

+++ Frage: Wie steht es um eine mögliche Ausgliederung? +++

Jobst: "Die Coronakrise kann nicht das Sprungbrett zu einer Veränderung des FC Schalke 04 sein. Ziel wird aber sein, den FC Schalke 04 zu konsolidieren und eine schlagkräftige Mannschaft für 20/21 zusammenzustellen. Danach ist es aber auch unsere Aufgabe, den Klub in die Zukunft zu leiten. Und WENN es dann sinnhaftig sein könnte, für den Klub eine Ausgliederung anzudenken, werden wir das transparent tun. Wir würden dann GEGEBENFALLS auf die Mitglieder zukommen in aller Offenheit. Das ist aber kein Thema für heute und die nächsten Monate.

+++ Frage: Wird es weiter einen Gehaltsverzicht geben? +++

Schneider: "Wir haben mit unseren Spielern damals in sehr guten Gesprächen, wo die Jungs Größe gezeigt haben, eine sehr gute Lösung für den Verein gefunden. Wir sind so verblieben, dass wir uns zu Ende der Saison 19/20 wieder zusammensetzen werden. Das haben wir getan. Zum Trainingsauftakt soll es ein erneutes Gespräch geben. Klar ist, die Einnahmen sind derzeit geringer, wir werden wie alle anderen Bundesligisten auch nicht drum herum kommen, einen Gehaltsverzicht zu machen."

+++ Frage: Ist die Gehaltsobergrenze flexibel? +++

Schneider: "Nichts ist in Stein gemeißelt. Aufwand und Ertrag müssen aber stimmen. So schwer das ist, weil wir auch viele Unwägbarkeiten in unserem Geschäft haben. Es gibt viele Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen, denen muss man Rechnung tragen. Das ist der Hintergrund unseres Tun und Handelns.

+++ Frage: Wollen Sie uns verraten, ob es eine Gehaltsobergrenze geben wird? +++

Schneider: "Ich hatte schon das Gefühl, dass das Image des FC Schalke in der Vergangenheit war, dass man hier besonders viel verdient. Nun müssen wir Realitäten ins Auge blicken, daher haben wir uns intern Richtlinien zurechtgelegt. Zu konkreten Zahlen werde ich aber keine Auskunft geben."

+++ Frage: Wie weit müssen die Personalkosten gesenkt werden? +++

Schneider: "Ich bitte um Verständnis, dass ich an dieser Stelle keine konkreten Zahlen nennen kann und dies auch nicht möchte. Das ist der entscheidende Hebel beim Fußball. Zahlen diskutiere ich eh nie, weil es Schalke nicht hilft. Wenn es helfen würde, würde ich es machen."

+++ Frage: Werden sich die Ressort-Zuteilungen ändern? +++

Jobst: "Der Aufsichtsrat wird eine Klausurtagung abhalten und dann über Änderungen beraten. Bis dahin sind wir ganz normal für unsere Bereich zuständig."

+++ Frage: Wie sehr ist Schalke von Europa abhängig? / Gibt es einen Antrag an das Land NRW zur Absicherung von Krediten? +++

Jobst: "Ich habe in den vergangenen Jahren immer mal wieder darauf aufmerksam gemacht, dass wir in unserer Struktur an die Grenzen kommen werden, wenn sich der sportliche Erfolg nicht einstellt. Durch Corona ist die Situation nun genau vor unseren Augen. Unsere Fans haben nun ein Anrecht darauf zu wissen, dass die Situation nicht einfach ist und dass wir uns verändern müssen. Wir können aus wirtschaftlicher Vernunft nicht mehr auf die Zukunft wetten, sondern werden Einsparungen vornehmen müssen. Das ist die einzig logische Vorgehensweise, da bin ich mir mit Jochen Schneider einig."

Jobst zur NRW-Bürgschaft: "Das ist ein Instrument, aus dem sich Vereine anderer Branchen schon in der Vergangenheit bedient haben. Das ist auch etwas, von dem sich Schalke 04 schon in der Vergangenheit bedient hat. Ansonsten unterliegen wir haben der Geheimhaltungspflicht und können keine weitere Auskunft geben. Wenn es etwas zu vermelden gibt, werden wir es tun."

+++ Frage: Wie existenzbedrohend ist die Situation für S04? +++

Jobst: "Die Aussage habe ich im März getätigt, als der Spielbetrieb ruhte. Da war es die Frage, wann nicht nur Schalke, sondern alle Klubs in Bedrängnis gekommen wären. Ich bin zuversichtlich, dass wir Schalke durch die Coronakrise steuern. Wir sind gerade in der Planungsphase für die neue Saison. Wir werden auf einen Bedarf reagieren können, wir haben ein stabiles Fundament, was die Sponsoren angeht. Nichtdestotrotz ist es eine herausfordernde Zeit für den FC Schalke. Dadurch, dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden konnte und dadurch, dass die neue Saison vielleicht sogar mit Zuschauern stattfindet, sind wir zuversichtlich, dass wir den Klub solidarisiert bekommen."

+++ Frage: Gibt es eine Gehaltsobergrenze? +++

Schneider: "Aufwand und Ertrag sind in Einklang zu bringen aus kaufmännischer Sicht. Das ist zuletzt nicht gelungen, auch weil wir das internationale Geschäft verpasst haben. Schalke 04 ist auf Europa ausgerichtet. Von 2005 bis 2016 haben wir uns zehn Mal international qualifiziert. Zuletzt nur einmal. Da ist ein Trend erkennbar, der sich in Zahlen widerspiegelt. Um dieses Verhältnis wieder in Einklang zu bringen, treffen wir verschiedene Maßnahmen." - Kurzum: Schneider manövriert sich um eine konkrete Antwort herum.

+++ Jobst: Wir werden mit den Fanklubs sprechen +++

"Wir wollen in den Dialog mit den Fans treten, wir werden die Fanklubs besuchen und unseren Standpunkt mitteilen, wir werden mit den Profis über Einsparungen sprechen. Es wird Zeit, dass wir offenkundig und transparent agieren. Wir möchten mit einem Stück weit schwäbischer Mentalität - ich schaue Jochen Schneider an - agieren. Und dann den Klub wieder in die Fahrwasser führen, die sich alle wünschen. Ich bin commited und freue mich auf die sehr herausfordernden Aufgaben in der nahen Zukunft und gehe das mit voller Überzeugung an. Wir haben alle Hände voll zu tun. Wir werden die Saison aufarbeiten und gestärkt aus der Sommerpause herausgehen."

+++ Jobst: Schalke muss sparen und Ziele anpassen! +++

"Für Jochen Schneider und mich ist es wichtig, den Klub mit Wirtschaftlichkeit in die Zukunft zu führen. Die aktuell angespannte Situation ist durch Corona noch einmal glasklar aufgezeigt worden. Schalke 04 hat in der Vergangenheit sehr stark in die Zukunft investiert, auch in das Personal, mit der Prämisse, dass sich der sportliche Erfolg einstellt. Fakt ist aber auch, dass S04 in den letzten vier Jahren dreimal Europa verpasst hat. Wir können in Zukunft nicht mehr so stark in den Sport investieren, dass wir davon ausgehen können, Europa zu reichen."

"In den letzten Jahren wurde oft kritisch angemerkt: Schalke 04 hat kein Einnahme-, sondern ein Ausgabenproblem. Durch Corona ist dieses Missverhältnis noch einmal eklatanter zum Tragen gekommen. Dadurch, dass wir vor leeren Rängen stehen, brechen uns viele Einnahmen weg. Das bringt uns dazu, dass wir auf der Ausgabenseite massive Einsparungen vornehmen müssen. Wir werden diesen Klub soweit gesunden wollen, dass wir im Personetat in Investitionen, die nicht unbedingt notwendig sind, die Stopptaste zu drücken haben, um Schalke zu konsolidieren bzw. diesen Klub mit wirtschaftlicher Vernunft in eine sichere Zukunft zu führen. Das ist die kurzfristige Aufgabe für uns. Das hat auch Konsequenzen für unsere sportlichen Ziele, die wir für die nächsten zwei bis vier Jahren anpassen werden müssen."

+++ Alexander Jobsts Statement +++

"Mein Dank geht an Clemens Tönnies für das Vertrauen der letzten Jahre. Die Entscheidung ist ihm keinesfalls leicht getan. Gleichzeitig auch der persönliche Dank von Jochen Schneider und mir, dass der Aufsichtsrat, nun unter Jens Buchta, uns das Vertrauen schenkt, den Klub durch diese harte Zeit zu führen."

"Der heutige Tag ist eine Zäsur beim FC Schalke 04. Ein Weiter-so kann es nicht geben!"

"Neben der sportlich schlechten Rückrunde, die wir gespielt haben, haben wir uns auch mit einigen Entscheidungen keinen Gefallen getan. Exemplarisch spreche ich von den Ticketrückerstattungen, den Kündigungen unserer Minijobber und einige andere Dinge. Dafür wollen wir uns bei allen Fans und Mitgliedern entschuldigen, auch bei den Mitarbeitern und Minijoblern. Die Verantwortung für diese Entscheidungen tragen wir. Wir müssen tunlichst dafür Sorge tragen, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passiert. Wir wissen, dass wir sehr viel Glaubwürdigkeit verspielt und Vertrauen verloren haben. Wir wissen und werden alles dafür tun, dass wir das Vertrauen zurückgewinnen. Worte dazu sind das eine, Taten werden das Wichtigere sein."

+++ Jochen Schneider am Mikrofon +++

"Größten Respekt an Clemens Tönnies für seine Entscheidung. Jetzt gilt es den Verein wieder auf Kurs zu bringen. Wir sollten jetzt wieder miteinander sprechen und nicht übereinander. Und wir sollten nun wieder miteinander arbeiten und nicht gegeneinander."

+++ 11:30 Uhr: Auf geht's! +++

Marketing-Chef Alexander Jobst, Sportchef Jochen Schneider und Trainer Wagner sind da und werden von unzähligen Fotografen in den Blick genommen. Die PK kann starten!

+++ 11:25 Uhr: Gleich kann es losgehen! +++

Die letzten Pressevertreter, die noch im Stau steckten, trudeln langsam ein. Die PK kann dann wohl pünktlich um 11:30 Uhr beginnen.

+++ Anfangszeit verschoben! +++

+++ Wer steht auf dem Podium Rede und Antwort? +++

Eigentlich wollten Sportchef Jochen Schneider und Trainer Wagner die Ergebnisse ihrer Analyse einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Saison präsentieren. Dabei sollen sportliche Konsequenzen verkündet werden. Nach dem Tönnies-Rücktritt ist kurzfristig auch Marketing-Chef Alexander Jobst dabei und dürfte Angaben zur künftigen Schalker Struktur machen.

+++ Welche Fragen sind bislang unbeantwortet? +++

- Wie geht es nach 19 Jahren mit dem Aufsichtsratschef Tönnies und dem vorherigen Abschied von Finanzchef Peter Peters beim FC Schalke 04 weiter?

- Wird es nun endgültig die immer wieder diskutierte Ausgliederung der Fußball-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft geben?

- Bekommt der Revierklub tatsächlich eine Landesbürgschaft in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro, um den Klub-Fortbestand zu sichern?

- Wird es bei den Spielern tatsächlich eine Gehaltsobergrenze von 2,5 Millionen Euro pro Jahr geben?

- Wie geht es sportlich nach der schlimmsten Negativkrise des Klubs mit 16 sieglosen Spielen in Serie weiter?

- Warum hält Schalke an Trainer David Wagner fest?

- Wie stellt sich Wagner künftig seine Arbeit vor?

- Ist Schalke überhaupt zu retten?

+++ Wer wird Tönnies-Nachfolger? +++

Die Nachfolge von Tönnies ist bereits geregelt. Der Schalker Aufsichtsrat wählte am Dienstag in seiner Sitzung den bisherigen Stellvertreter Jens Buchta zum neuen Vorsitzenden. Der 57 Jahre alte Rechtsanwalt, der dem Gremium bereits seit 2006 angehört, hatte Tönnies schon während dessen dreimonatiger Pause im vergangenen Jahr vertreten. Damals hatte sich Tönnies für einige Zeit aus der Fußball-Öffentlichkeit zurückgenommen, weil er mit Äußerungen über Afrikaner für einen Skandal gesorgt hatte, die als rassistisch eingestuft worden waren.