25.01.2022 18:35 Uhr

5 Gründe: Darum darf Union von der Königsklasse träumen

Max Kruse (l.) und Union Berlin sind wieder auf dem Weg nach Europa
Max Kruse (l.) und Union Berlin sind wieder auf dem Weg nach Europa

Union Berlin hat die Gunst der Stunde genutzt: Während die Konkurrenz schwächelt, bleiben die Köpenicker eisern und nehmen erneut Kurs auf Europa. Ein Einbruch ist nicht zu erwarten, denn Unions dauerhafter Höhenflug hat Methode.

"Wir waren schwächer, aber kaltschnäuziger", brachte Matchwinner Max Kruse den schmeichelhaften 2:1-Sieg bei Borussia Mönchengladbach am vergangenen Samstag auf den Punkt.

Eine Aussage, auf die Union Berlin stolz sein kann. Denn momentan agieren die Eisernen wie eine Spitzenmannschaft: Drei Pflichtspielsiege in Folge, dazu ein beachtliches 2:2 in Leverkusen - die Schützlinge von Urs Fischer nehmen mit Rang vier erstmals einen Champions-League-Platz ein. 

Und lassen einfach nicht nach: Eine größere Krise gab es seit dem Bundesliga-Aufstieg 2019 nicht. "Kein Zufall", meint Kruse. "Wenn man die Entwicklung der letzten Jahre sieht, muss man sagen, dass es herausragend ist, was wir geleistet haben und was wir leisten." Der ehemalige Nationalspieler hat Recht: Es gibt gute Gründe für die fulminante Entwicklung des Klubs.

  • Die Konstanz

Gleich in seinem allerersten Bundesligaspiel im August 2019 steckte Union Berlin eine 0:4-Niederlage gegen RB Leipzig ein und zahlte eine Menge Lehrgeld. Sofort fanden sich die Eisernen auf dem letzten Tabellenplatz wieder.

Die stete Entwicklung der Berliner seither ist beeindruckend, denn seit ebenjener Bundesliga-Premiere stand Union nie wieder auf einem direkten Abstiegsplatz. Im Gegenteil: Union hat sich im oberen Tabellendrittel etabliert und befindet sich seit dem vergangenen Wochenende erstmals unter den Top 4.

Eine Niederlagen-Serie ist den Eisernen fremd: Seit fast genau einem Jahr hat Union keine zwei Bundesligaspiele hintereinander verloren. Eine Konstanz, mit der man zwangsläufig oben dranbleibt.

  • Die Heimstärke

Eng mit der Konstanz verbunden ist die Heimstärke: Von seinen 44 Heimspielen in der Bundesliga verlor Union nur acht - sechs davon in der Premieren-Saison. Das heißt: In der vergangenen wie auch in dieser Spielzeit verloren die Köpenicker nur jeweils ein Heimspiel (2021/22 gegen den FC Bayern, 2020/21 am ersten Spieltag gegen Augsburg) - die Bilanz eines Spitzenteams!

Tatsächlich kassierte lediglich der FC Bayern in diesem Zeitraum ebenso wenige Heimpleiten. Gerade in Corona-Zeiten, in denen so manchem Team die Heimstärke abhanden kam, eine beachtliche Leistung.

  • Fischer macht hinten dicht

Defensiv haben die Berliner einen Riesensprung gemacht. Die Premierensaison in der Bundesliga endete mit 58 Gegentoren. So konnte man dauerhaft nicht in der Bundesliga überleben. Das dachte sich wohl auch Urs Fischer und legte seinen Fokus auf die Abwehrarbeit.

Heute betreiben die Eisernen enormen Aufwand gegen den Ball - in der vergangenen Saison legten sie die meisten Kilometer aller Bundesligisten zurück, aktuell liegt Union bei der Laufleistung auf Platz drei.

Der Lohn: 2020/21 kassierten Fischers Eiserne nur 43 Gegentore und damit sogar eines weniger als Bayern München. Mit 25 Gegentreffern in dieser Spielzeit liegt die Grundlage des Erfolges wieder in der Abwehrarbeit. Dass Union dabei hinten raus nicht die Luft ausgeht, beweisen mickrige zehn Gegentreffer in der zweiten Halbzeit - Bestwert mit dem FC Bayern!

  • Kluge Transferpolitik

Urs Fischer und Oliver Ruhnert (Geschäftsführer Profifußball), beide seit 2018 im Amt, haben bis auf wenige Ausnahmen Spieler verpflichtet, die zum Verein und Spielsystem passen.

Ins Visier genommen wurden dabei überwiegend ablösefreie Spieler mit Bundesliga-Erfahrung, die ihre Qualitäten vor allem in der Defensive haben: Robin Knoche, Timo Baumgartl, Rani Khedira oder einst Neven Subotic sind nur einige Beispiele. Die Eisernen haben mit einem Durchschnittsalter von 27,2 Jahren aktuell den ältesten Kader der Liga - und diese Erfahrung hilft in kritischen Momenten.

Unions Erfolgs-Duo: Oliver Ruhnert und Urs Fischer

Die Transfers schlugen häufig so gut ein, dass sie das Interesse finanziell stärkerer Klubs weckten - wie zuletzt bei Marvin Friedrich, der in der Winterpause nach Gladbach wechselte. Typisch, dass Union schon vorbereitet war: Dominique Heintz kam aus Freiburg nach Berlin-Köpenick.

Der größte Coup gelang den Eisernen wohl mit Max Kruse, der Union ganz neue Qualitäten im Angriffsspiel verleiht und als Typ perfekt zum Verein passt. Im vergangenen Sommer kamen zudem hungrige Spätstarter wie Andreas Voglsammer oder Kevin Behrens dazu, die zu den besten Stürmern der zweiten Liga zählten.

Bei der Masse an Spielern sind natürlich auch einige durch das Raster gefallen (z. B. der Pole Puchacz, der im Winter verliehen wurde). Doch so hat Union einen derart breiten Kader, dass selbst Ausfälle wie der von Top-Torjäger Taiwo Awoniyi - bis zuletzt beim Afrika-Cup - kaum ins Gewicht fallen.

  • Gesunder Minimalismus

Der 2:1-Sieg zuletzt bei Borussia Mönchengladbach war typisch Union. Aus wenig machen die Eisernen viel: Sieben der neun Saisonsiege in der Liga wurden mit nur einem Tor Differenz eingefahren. Der höchste Erfolg war ein 2:0. Da die Abwehr bis auf wenige Ausnahmen stabil steht, reichen oft wenige Tore. Mit 29 Treffern hat Union die schwächste Offensivabteilung in der oberen Tabellenhälfte.

Die Tatsache, dass knappe Siege genauso viel wert sind wie Kantersiege, könnte den Eisernen zu einem weiteren Riesenerfolg verhelfen: Mit einem 3:2 im Stadtderby zogen die Eisernen unlängst ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein. Der Traum vom Finale in der eigenen Stadt lebt und treibt die Mannschaft voran. Nicht nur gemessen am aktuellen Tabellenplatz ist Union Berlin einer der Top-Favoriten auf den Titel.

Lars Wiedemann