27.05.2022 16:05 Uhr

Kein Ricken, kein Riedle: Hitzfeld nennt größten BVB-Held '97

Ottmar Hitzfeld führte den BVB 1997 zum Sieg in der Champions League
Ottmar Hitzfeld führte den BVB 1997 zum Sieg in der Champions League

Ottmar Hitzfeld ist einer der erfolgreichsten deutschen Vereinstrainer aller Zeiten. Sieben Mal wurde er als Coach Deutscher Meister, dazu gewann er mit dem BVB und dem FC Bayern je einmal die Champions League. 25 Jahre nach dem Königsklassen-Triumph mit Borussia Dortmund verriet der Altmeister nun einige Geheimnisse des größten Erfolgs der BVB-Klubhistorie.

Der 3:1-Erfolg von Borussia Dortmund über Juventus Turin im Endspiel der Champions League 1997 ist bis heute unvergessen. Die gefeierten Helden damals waren Doppeltorschütze Karl-Heinz Riedle, Traumtor-Schütze Lars Ricken, Mittelfeldregisseur Andreas Möller und Leitwolf Matthias Sammer. 

Hitzfeld selbst hob 25 Jahre nach dem Gewinn des Henkelpotts mit den Schwarz-Gelben aber einen anderen BVB-Helden besonders hervor, der in der Rückbetrachtung häufig in Vergessenheit gerät: Mittelfeldspieler Paul Lambert.

"Er war unglaublich, weil er immer am richtigen Fleck stand und für die Mannschaft gearbeitet hat. Er war die ideale Ergänzung", adelte Hitzfeld den Schotten, der nur eineinhalb Jahre beim BVB unter Vertrag stand und Ende 1997 schon wieder verließ, im Gespräch mit den "Ruhr Nachrichten".

Ausgerechnet zum Finale der Champions League hatte sich Hitzfeld damals für den Einsatz von Lambert und damit gegen seinen direkten Konkurrenten, den damaligen Kapitän Michael Zorc, entschieden, was für extremen Zündstoff gesorgt hatte.

"Es war für mich schwierig, Michael Zorc draußen zu lassen. Er hat unglaubliche Qualitäten, ist immer in den Strafraum gestoßen. Aber ich musste die Mannschaft als Ganzes sehen, und Lambert war der defensivere Spieler", erklärte Hitzfeld sein damaliges Handeln.

BVB-Legende Hitzfeld über "die schwierigste Entscheidung meines Lebens"

Auch in der Abwehrreihe musste Hitzfeld eine höchst umstrittene Entscheidung treffen. Hitzfeld entschied sich für das Juve-Spiel gegen Wolfgang Feiersinger auf der Libero-Position, der bis dahin eine sehr starke Saison gespielt hatte, und beorderte Matthias Sammer auf diesen Posten.

Hitzfeld gab zu: "Das war die schwierigste Entscheidung meines Lebens. Sammer war top, Europas Fußballer des Jahres. Ich bin am Tag des Spiels zu Feiersinger aufs Zimmer und musste ihm mitteilen, dass er nicht nur nicht spielt, sondern nicht einmal im Kader steht. Ich brauchte Tretschok als flexibleren Spieler auf der Bank, weil ich bei einem Rückstand hätte reagieren müssen. Es gab leider nur fünf Auswechselspieler."

Letztlich gab dem mittlerweile 73-Jährigen der Erfolg Recht. Das Kunststück, die Champions League zu gewinnen, konnte die Trainer-Ikone vier Jahre später mit dem FC Bayern sogar noch einmal wiederholen.  

Der Fußballlehrer beendete seiner Trainerkarriere mit dem Rücktritt als Schweizer Nationaltrainer im Sommer 2014.