24.01.2023 12:13 Uhr

Manuel Neuers bröckelnder Status beim FC Bayern

Droht Manuel Neuer das Aus beim FC Bayern?
Droht Manuel Neuer das Aus beim FC Bayern?

Jahrelang war Manuel Neuer die unumstrittene Nummer eins im Tor des FC Bayern. Doch sein Status bei den Münchnern beginnt zu bröckeln.

Bitteres WM-Aus, Verletzungsschock, neue Konkurrenz beim FC Bayern und dann auch noch der beste Freund gefeuert. Für Manuel Neuer hätten die letzten zwei Monate kaum schlechter laufen können.

Kurzer Rückblick: In seinem Urlaub nach dem WM-Desaster bricht sich Manuel Neuer beim Skitourengehen den Unterschenkel und fällt damit bis zum Saisonende aus.

Im Januar verpflichtet der FC Bayern dann Yann Sommer als Ersatzmann. Der Schweizer erhält in München einen Vertrag bis 2025.

Kurze Zeit später der nächste Rückschlag: Am Montag setzen die Münchner Torwarttrainer und Neuers besten Freund Toni Tapalovic vor die Tür.

Die Herausforderung, die nach seinem Comeback auf Manuel Neuer zukommt, könnte kaum größer sein. Erste Zweifel, ob der 36-Jährige seinen bis dato unangefochtenen Platz beim FC Bayern behalten darf, sind mittlerweile angebracht.

Der drohende Konkurrenzkampf mit Yann Sommer ist für Manuel Neuer neu. Seit seinem Wechsel vom FC Schalke 04 nach München zur Saison 2011/2012 verdrängte der Schlussmann seine Nebenmänner stets ohne Mühe auf die Reservebank.

Dass das Duell zwischen Neuer und Sommer ebenso kampflos entschieden wird, ist fast ausgeschlossen. Einen derart starken Konkurrenten hatte Neuer beim FC Bayern noch nie.

Hinzu kommt, dass noch völlig unklar ist, wie sich Neuer von der Verletzung erholen wird. Der Nationaltorhüter ist bei seinem angepeilten Comeback im Frühjahr schließlich schon 37 Jahre alt.

Sommer hat zwar auch schon 34 Jahre auf dem Buckel, hatte aber in der Vergangenheit seltener mit Verletzungen zu kämpfen als Neuer.

Neuer mit ungewohnten Patzern

In der Torwartdebatte beim FC Bayern sind Neuers sportliche Leistungen vor der Verletzung nicht außer Acht zu lassen. In der aktuellen Saison unterliefen dem Routinier immer wieder ungewohnte Patzer, die allerdings meist ohne Folgen blieben.

Bei der WM in Katar bestätigte Neuer den Abwärtstrend und war für mindestens zwei Gegentreffer hauptverantwortlich.

Zweifeln die Bayern-Bosse an Neuers Comeback?

Die Verantwortlichen des FC Bayern sprechen Neuer nach wie vor das Vertrauen aus. "Das Wichtigste für uns und Manuel ist, dass er seine Verletzung auskuriert und dass er genauso stark zurückkommt, wie er vorher war", betonte Sportvorstand Hasan Salihamidzic bei "Bild TV".

Auch Trainer Julian Nagelsmann plant in der kommenden Saison wieder mit Neuer als Nummer eins: "Ich gehe schwer davon aus, dass Manu im Sommer wieder dabei ist. Er ist unsere Nummer eins und unser Kapitän", sagte er vor dem Bundesliga-Restart gegen RB Leipzig (1:1) bei "Sat1".

Zu 100 Prozent überzeugt von diesem Plan klang der Coach dann aber doch nicht. "Und ich hoffe, dass er dann wieder ganz zu alter Stärke zurückfindet", hinterließ Nagelsmann Bedenken.

Dass die Münchner Bosse durchaus an Neuer zweifeln, zeigt zudem die Tatsache, dass Sommer einen Vertrag bis 2025 erhalten hat. Neuers Arbeitspapier ist nur noch bis 2024 datiert.

Wäre man sich an der Säbener Straße sicher gewesen, dass Neuer zurück zu alter Stärke findet, hätte man Sommer auch mit einem Arbeitspapier bis zum Saisonende ausstatten können, zumal die etatmäßige Nummer zwei, Sven Ulreich, noch bis 2024 gebunden ist.

Neuer verliert seinen Fürsprecher beim FC Bayern

Ein weiteres Indiz für Neuers bröckelnden Status beim FC Bayern ist die Trennung von Toni Tapalovic, die für den Keeper alles andere als erfreulich sein dürfte. Es ist durchaus ein Zeichen des Vereins, solch ein verschworenes Duo zu trennen.

Der Torwarttrainer wechselte 2011 gemeinsam mit dem Keeper vom FC Schalke 04, wo er Neuer seit dessen Jugend betreute, an die Säbener Straße. Beide sind auch privat befreundet, Tapalovic war sogar Neuers Trauzeuge.

Durch das Personal-Beben hat Neuer einen klaren Fürsprecher beim FC Bayern verloren. Mit der Ankunft eines neuen Torwarttrainers werden die Karten in München neu gemischt. Wer Tapalovic beerbt, ist noch offen. Beim Duell gegen den 1. FC Köln am Dienstag übernimmt Ex-Keeper Tom Starke das Warmup.

"Wenn Manuel Neuer zurückkommt, muss er den Kampf um die Nummer eins annehmen. Und der Trainer hat dann zu entscheiden", betonte auch Dietmar Hamann bei "Sky".

Neuer hat dem FC Bayern "ein dickes Ei ins Nest gelegt"

Einen klaren Fürsprecher beim FC Bayern hat Neuer noch in Uli Hoeneß. Der Ehrenpräsident ärgerte sich im "Doppelpass" über den "unglaublichen Abgesang". 

"Bis vor ein paar Monaten war er für mich der beste Torwart der Welt, jetzt wird er von allen in Frage gestellt", so der langjährige Bayern-Patron: "Dass der Manuel da einen Fehler gemacht hat, weiß er wahrscheinlich selbst. Trotzdem darf man nicht vergessen, was er für Bayern geleistet hat."

Doch Hoeneß' Meinung hat bei den Bayern-Bossen wohl nicht mehr sehr viel Gewicht. Eine derartige Rückendeckung erhielt Neuer von Salihamidzic nicht. "Manuel weiß, dass er einen Fehler gemacht hat, das ist doch klar, das tut ihm auch sehr leid", rüffelte Bayerns Sportvorstand den Weltmeister von 2014.

Dass Neuer den Unmut der Klub-Bosse mit seiner riskanten Skitour auf sich gezogen hat, liegt auf der Hand. "Die werden sicher auch nicht erfreut gewesen sein. Sie mussten jetzt eben schmerzhaft, auch finanziell gesehen, schauen, wie man das Problem gelöst bekommt", polterte Ex-Bayern-Profi Markus Babbel bei "888sport".

Neuer habe dem FC Bayern "unnötigerweise ein dickes Ei ins Nest gelegt" - möglicherweise mit direkten Folgen für den 36-Jährigen.

Durch die Trennung von Tapalovic stellt sich die ohnehin offene Frage nach der Zukunft des schwer verletzten Stammkeepers nun noch drängender.

Lissy Beckonert