Portugal .:. Steckbrief

Mannschaft: Portugal
Verband: UEFA UEFA
gegründet: 31.03.1914
Farben: rot-grün
Mitgliederzahl: 291.200
Stadion: José Alvalade
52.000 Plätze
Anschrift: Rua Alexandre Herculano 58
1250-012 Lisboa
Telefon: 0 21 / 32 52 700
Telefax: 0 21 / 32 52 780
Homepage: www.fpf.pt
E-Mail: info@fpf.pt

Portugal .:. Portrait

Portugal, ein beliebtes Reiseziel vieler Touristen, wird dieses Jahr um eine Attraktion reicher, die ¬ Euro 2004. Hinter den Kulissen galt es schon als etwas verwunderlich, dass ausgerechnet Portugal den Zuschlag für die Austragung der Europameisterschaft erhielt. Warum?

Portugals Infrastruktur galt nicht gerade als vorbildlich und viele munkelten, dass die Bewerbung und der damit verbundene Zuschlag nur ein Grund war, um die maroden Fußballplätze und Stadien zu sanieren, bevor der portugiesische Fußball ganz kollabiert und einbricht. Von den Spekulationen nun zu Portugal und seiner Fußballhistorie.

Das Fußballzentrum war und ist bis heute Lissabon und hier soll die Fußballgeschichte Portugals ihren Lauf genommen haben. Die Brüder Eduardo und Frederico Basto sollen bei ihrem Aufenthalt in England im Jahre 1866 auf das Fußballspiel aufmerksam geworden sein und haben einen Lederball mit in ihr Heimatland gebracht. In Folge dessen nahm die Aufmerksamkeit langsam zu und erste Vereine gründeten sich. Als erste Fußballmannschaft in Portugal gilt der Lisbon Football Club, der 1875 gegründet wurde. Auch in Portugal waren englische Arbeiter maßgeblich an der Entwicklung des portugiesischen Fußballs beteiligt. Ab 1920 entwickelte sich der Fußball auch außerhalb der Stadtgrenzen von Lissabon und auch in der Hafenstadt Porto und Coimbra wurde Fußball gespielt. Politische Unruhen überschatteten jedoch das Land und den Fußball. Folgerichtig spielte Portugal in Sachen Fußball keine große Rolle im Vergleich zum restlichen Europa.

Während man dem Nachbarn ¬ Spanien im Fußball frühzeitig Beachtung schenkte, verschlief Portugal den Beginn und Anschluss an Europa und dümpelte im wahrsten Sinne des Wortes am Rande Europas. Ziemlich spät entwickelten sich erste Fußballstrukturen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. So ist es auch zu erklären, das erst im März 1914 ein Nationalverband gegründet wurde. Diese Verspätung zog sich auch in Sachen Nationalliga und Nationalmannschaft wie ein roter Faden durch. Das späte Debüt der Nationalmannschaft 1921 und die Einführung der Nationalliga 1935 brachten dem portugiesischen Fußball einen schweren Stand in Europa. Diese Zeit war nicht gerade von Glanz geprägt.

Vier lange Jahre zankten sich Vereine und Verbände wegen des Spielsystems und dem Status der Profis in der Nationalliga, bis es zur Katastrophe kam. Bei einem WM-Qualifikationsspiel verlor die Nationalelf gegen Spanien mit 0:9. Dies war der endgültige Höhepunkt der Misserfolge und ein Wendepunkt für den Fußball in Portugal.

Verbandsfunktionäre beschlossen, Veränderungen durchzuführen und damit einen erfolgreicheren Fußball entstehen zu lassen. Als erster Schritt wurde die Reformierung der Nationalliga angesehen. Die neu gegründete ¬ 1ª Divisão beendete die konfuse Zeit im portugiesischen Fußball. Die Nationalliga wurde in wirtschaftlicher und sportlicher Beziehung von den großen Vereinen ¬ Porto, ¬ Benfica und ¬ Sporting klar dominiert. Doch im Vergleich zu anderen europäischen Fußballclubs hinkte Portugal zu diesem Zeitpunkt immer noch hinterher, was sich jedoch ändern sollte.

Der Anlass für die Aufholjagd des portugiesischen Fußballs war der zweite Weltkrieg. Da Portugal sich am Rande des Krieges befand und sich nicht aktiv beteiligte, schloss der portugiesische Fußball schnell auf, während der Rest Europas in Trümmern lag. Auf Vereinsebene gehörten ¬ Benfica und ¬ Sporting Ende der 50er Jahre zu den Top-Teams in Europa. Mit den Vereinserfolgen kam auch der lang ersehnte Erfolg in der Nationalmannschaft, welche 1947 ihren ersten Achtungssieg gegen Nachbar Spanien errang. Im Jahre 1954 gab der portugiesische Nationalverband FPF das Profitum in der Nationalliga frei. Mit diesem Schritt wurde die Ruhm reiche Zeit der Südeuropäer eingeläutet. Die 60er Jahre waren die Blütezeit des portugiesischen Vereinsfußballs und der Nationalmannschaft. ¬ Benfica Lissabon wurde mit dem bis heute berühmtesten Fußballer Portugals, ¬ Eusébio, ¬ zweimaliger Sieger im Europapokal der Landesmeister und damit Europas Nr. 1.

Auch die Nationalelf erlebte einen Höheflug - dank der Tore ¬ Eusébios. Bei der ¬ WM 1966 in England scheiterte die Mannschaft erst im Halbfinale gegen den Gastgeber. Der Erfolg war jedoch von kurzer Dauer. Die Diktatur Salazars und die damit verbundenen politischen Turbulenzen im Land warfen den Fußball wieder weit zurück. Ihr erstes Comeback auf der internationalen Fußballbühne gelang der Nationalelf mit der WM Teilnahme in ¬ Mexiko 1986, die jedoch mit einem Eklat für die Portugiesen endete. Während des Turniers drehte es sich zwischen den Spieler und den Verbandsfunktionären mehr um die überhöhten Gehaltsforderungen der Spieler als um den sportlichen Wettkampf. Nach dem Ausscheiden Portugals in der ¬ Vorrunden-Gruppe griff der Verband hart durch und entließ elf Nationalspieler, worauf hin alle Auswahlspieler das Handtuch warfen.

In den folgenden Jahren wurde der Fußball von Korruption und Misswirtschaft überschattet, was sich jedoch nicht allzu stark auf die Qualität der Nationalspieler auswirkte, die teilweise im Ausland oder in der heimischen Nationalliga ihr Geld verdienten. Der jüngste Erfolg gelang der Nationalelf mit dem Erreichen des ¬ Halbfinales bei der Euro 2000 in Holland/Belgien, als man gegen den späteren Europameister ¬ Frankreich ausschied. Auch wenn Portugal beim letzten großen Fußballereignis, der ¬ WM 2002 in Japan/Südkorea sehr enttäuschte und als Geheimfavorit auf den WM-Titel schon in der ¬ Gruppe stolperte, sind die Gastgeber bei der diesjährigen Euro 2004 als Mitfavorit anzusehen - auch wenn der Druck nicht unerheblich und die heimischen Erwartungen groß sind.