10.03.2017 09:18 Uhr

Es war einmal: "Ich habe fertig"

Giovanni Trapattoni ging mit seiner Wutrede in die Bundesliga-Geschichte ein
Giovanni Trapattoni ging mit seiner Wutrede in die Bundesliga-Geschichte ein

An der Säbener Straße herrschte dicke Luft. Zwei Tage zuvor hatte der FC Bayern beim 0:1 gegen den FC Schalke 04 das dritte Ligaspiel in Folge verloren - die Titelverteidigung war damit in weite Ferne gerückt. Doch was am 10. März 1998 passieren sollte, damit hatte wohl keiner gerechnet.

1:2 in Berlin, 0:2 gegen Köln und 0:1 auf Schalke: Das Münchener Starensemble hatte sich im Frühjahr 1998 nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Niederlagenserie führte dazu, dass der Überraschungsaufsteiger aus Kaiserslautern um nahezu uneinholbare sieben Punkte enteilt war. Eine Herkulesaufgabe, die für die Bayern in jenem Jahr eine Nummer zu groß war.

Die Schuld an der Misere trug der damalige Trainer Giovanni Trapattoni. Zumindest war man sich in der Öffentlichkeit schnell darüber einig. Mangelhafte Deutschkenntnisse und eine andere Art des Trainings führten bisweilen zu einigen Missverständnissen zwischen Coach und Mannschaft. In der Presse hagelte es massenhaft Kritik am Italiener. Obendrein beschwerten sich die Spieler Mario Basler und Mehmet Scholl nach ihrer Nichtberücksichtigung im Spiel gegen die Schalker lautstark in den Medien. Und auch der angeschlagen ins Spiel gegangene Thomas Strunz gab den Reportern seine Verwunderung über seine Auswechslung preis.

"Wie eine Flasche leer"

Diese Kritik fasste Trapattoni wohl als Zweifel an seiner Person auf. Bei der Pressekonferenz an jenem 10. März von den Journalisten auf die Aussagen seiner Spieler angesprochen, redete sich der Bayern-Trainer in Rage. Heraus kam die wohl bekannteste Pressekonferenz, die die Bundesliga je gesehen hat.

Eigentlich richtete sich seine Ansprache wohl vor allem an die beiden Hauptschuldigen Basler und Scholl. Doch auch auf Grund der akustischen Wirkung der Worte "Was erlauben Strunz?" und "Wie eine Flasche leer" richtete sich sämtliches Augenmerk auf den ehemaligen Nationalspieler.

Heute zeigt sich Strunz mit der Geschichte versöhnt. Später habe sie ihm in beruflicher Hinsicht sogar einige Perspektiven ermöglicht. Mit seinem ehemaligen Trainer hat er sich längst ausgesprochen: "Wir müssen heute noch darüber lachen.", sagte der Italiener bereits 2008.

Die Katze im Sack

Sein legendärer Ausbruch ist aber nicht die einzige Pressekonferenz mit der Trapattoni für Erheiterung sorgte. 2008 übernahm der Italiener die irische Nationalmannschaft. Nachdem sich die Iren durch einen Sieg gegen Estland so gut wie sicher für die EM in Polen und der Ukraine 2012 qualifiziert hatte, warnte der Trainer jedoch davor, das anstehende Rückspiel zu leicht zu nehmen. Obwohl ihm für seine öffentlichen Auftritte immer eine Dolmetscherin zur Seite stand, versuchte er sich an jenem Tag selbst. Diesmal in brüchigem Englisch.

"Sei vorsichtig mit der Katze. Sagt nicht, die Katze ist im Sack, wenn die Katze nicht im Sack ist", verkündete er unter großem Gelächter der anwesenden Pressevertreter. Doch damit nicht genug, der heute 77-Jährige setzte gleich noch einen drauf: "Die Katze ist im Sack, aber der Sack ist noch nicht zu. Die Katze ist drin, aber es ist offen. Es ist eine wilde Katze."

Am Ende des Tages war die Fußballwelt um einen weiteren Höhepunkt aus der langen Karriere Trapattonis reicher und die Iren schafften kurz darauf die erste Qualifikation zu einer EM-Endrunde nach 24 Jahren. Aktuell steht der Kult-Trainer zwar ohne Verein da, doch Ziele habe er immer noch. "Ich bin noch etwas wert", sagte der Kult-Trainer zuletzt im Interview mit "Sport1": "Alt ist der, der sich keine Ziele mehr setzt." Fertig hat Giovanni Trapattoni, wenn es nach ihm geht, also noch lange nicht.

 

Jonas Elbeshausen