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Spielbericht

WM 2006 in Deutschland .:. 3. Platz

Samstag, 8. Juli 2006 um 21:00 Uhr
Deutschland vs Portugal
Deutschland
3:1
Portugal

Deutschland nach 3:1 gegen Portugal WM-Dritter

Stuttgart (dpa) - Fußball-Deutschland hat die WM bei einer stimmungsvollen Abschiedsparty als Nummer drei der Welt abgeschlossen. Ein entfesselter Bastian Schweinsteiger führte die Gastgeber im Platzierungsspiel in Stuttgart mit seinem Doppelpack zum 3:1 (0:0)-Sieg gegen Portugal.

Deutschland beendete zum dritten Mal nach 1934 und 1970 eine WM auf Rang drei. Der Münchner traf vor 52 000 Zuschauern in der 56. und 78. Minute mit knallharten Fernschüssen, dazu lenkte der Portugiese Petit (61.) einen Schweinsteiger-Freistoß ins eigene Tor. Zwei Minuten vor Schluss verkürzte Nuno Gomes auf 1:3.

Der von den Fans mit begeisterten «Klinsmann»-Sprechchören gefeierte Bundestrainer umarmte nach dem Happy End sichtlich gerührt alle Betreuer und Spieler. Anschließend erhielten die Akteure aus den Händen von Bundespräsident Horst Köhler und Angela Merkel ihre Bronzemedaillen. Als besondere Geste umarmte die Bundeskanzlerin den 41-jährigen Klinsmann und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. «Ein Superspiel. Eine unglaubliche Leistung der deutschen Mannschaft. Das war kein Loser-Finale», sagte die Regierungschefin.

«Das ist der absolute Wahnsinn. Was die Mannschaft geleistet hat, ist unbeschreiblich. Es ist ein richtig großer Grundstein gelegt worden. Das Fantastische an dieser WM ist, dass wir mit den Großen mithalten können», sagte Klinsmann. Der im letzten Turnierspiel verletzt fehlende Michael Ballack kündigte «Einzelgespräche mit dem Trainer» an, um ihn zum Weitermachen zu bewegen. Nach dem Spiel verkündete Oliver Kahn seinen Rücktritt aus dem Nationalteam: «Irgendwann ist es vorbei. Das ist der richtige Zeitpunkt», sagte der 37-Jährige nach seinem 86. Länderspiel.

Mit dem verdienten Sieg zum Abschluss heizte die Mannschaft die Stimmung für die große Party auf der Fanmeile in Berlin noch einmal kräftig an. «Mehr kann man sich nicht erhoffen. Ein wunderbarer Abschluss», sagte Horst Köhler. Ein Titel ist dem Team praktisch sicher: Mit fünf Treffern dürfte Miroslav Klose die Torjägerkrone beim Finale zwischen Italien und Frankreich in Berlin nicht mehr zu nehmen sein.

Von Enttäuschung über den Halbfinal-K.o. gegen Italien war bei der Rückkehr in die Heimatstadt des Bundestrainers nichts mehr zu spüren. Dabei könnte das 34. Länderspiel zugleich Klinsmanns letztes gewesen sein. Nach ihrem knapp vierwöchigen Triumphzug durch die WM-Stadien in München, Dortmund und Berlin gelang es der radikal umformierten deutschen Mannschaft beim letzten Auftritt, die Anhängerschaft noch einmal mit erfrischendem Offensivfußball mitzureißen.

Zum Matchwinner für das deutsche Team wurde ausgerechnet Schweinsteiger, von dem 55 Minuten lang so gut wie nichts zu sehen gewesen war. Doch dann brachte er die «Klinsmänner» mit zwei knallharten Schüssen, die wie eine Kopie waren, auf die Siegerstraße.

Dabei waren die Voraussetzungen für ein gutes Spiel alles andere als günstig, denn die Liste der Ausfälle mit Ballack, Arne Friedrich, Per Mertesacker und Tim Borowski wurde kurz vor Beginn der Partie um Robert Huth erweitert. Der England-Legionär, der Mertesacker ersetzen sollte, verletzte sich beim Warmmachen und musste seinen Platz in der Innenverteidigung an Jens Nowotny abtreten. Der Leverkusener WM- Debütant machte seine Sache im Deckungszentrum aber ebenso gut wie der Gladbacher Marcell Jansen, der es bei seinem Turnier-Einstand auf der linken Abwehrseite meist mit Cristiano Ronaldo zu tun hatte.

Doch obwohl mit Christoph Metzelder in der Defensive nur eine Stammkraft übrig geblieben war, hatte Kahn zunächst nur wenige Gelegenheiten sich auszuzeichnen. Glänzend auf dem Posten war der 37-Jährige, als die Abwehr Pauleta einen Moment lang aus den Augen ließ (15.). Im übrigen unterstrichen die überraschend ohne Luis Figo beginnenden Portugiesen, dass ihnen die Durchschlagskraft im Abschluss fehlt. Der Alt-Star wurde erst kurz vor Schluss zu seinem Abschieds-Länderspiel eingewechselt und schlug die Flanke zum Anschlusstor.

Als großer Gewinn erwies sich die Rückkehr von Torsten Frings ins Mittelfeld. Der im Halbfinale gesperrte Bremer war in einer von beiden Teams mit viel Tempo und großem Einsatz geführten Partie ein unermüdlicher Ankurbler. Ihm kaum nach stand Sebastian Kehl, der jede Gelegenheit nutzte, um sich in die Offensive einzuschalten und dabei auch den Abschluss suchte. Lukas Podolski wurde dagegen der Auszeichnung als bester junger Spieler des Turniers diesmal nicht gerecht. Klose war häufig nur durch Fouls zu stoppen, letztlich aber bei allem Engagement ohne Schussglück. Nach 65 Minuten machte der Bremer für Oliver Neuville Platz. Am Ende kamen auch noch Mike Hanke und Thomas Hitzlsperger zu ihrem WM-Einstand. Damit kamen bis auf Torhüter Timo Hildebrand alle deutsche Akteure zum Einsatz.

Elf Minuten nach Wiederbeginn sorgte ein «Flatterball» von Schweinsteiger für die beruhigende Führung der deutschen Elf, die nicht mehr so viel Souveränität ausstrahlte wie zuvor. Der Münchner zog aus 25 Metern ab und erwischte Ricardo dabei auf dem falschen Fuß. Wenig später war der 21-Jährige mit einem knallharten Freistoß, den Petit ins eigene Tor abfälschte, auch Wegbereiter des 2:0. Im direkten Gegenzug verhinderte Kahn mit einer Parade gegen Deco das Anschlusstor, ehe wiederum Schweinsteiger Maß nahm.