10.09.2018 16:48 Uhr

Liverpool marschiert, City dominiert, Tottenham harmoniert

Der Saisonstart der englischen Top-Klubs fiel höchst unterschiedlich aus
Der Saisonstart der englischen Top-Klubs fiel höchst unterschiedlich aus

Die neue Saison der Premier League ist gerade erst vier Spieltage alt, doch erste Tendenzen lassen sich bei den "Big Six" bereits erkennen. weltfussball lässt den Liga-Start der Spitzenteams Revue passieren. Im zweiten Teil nehmen wir den FC Liverpool, Manchester City und die Tottenham Hotspur unter die Lupe.

Die Gereiften

Sadio Mané, Roberto Firmino, Mohamed Salah. In der vergangenen Spielzeit stand dieser Dreizack des FC Liverpool in erster Linie für eins: Tore am Fließband. In allen Wettbewerben erzielte das Trio zusammen satte 91 Treffer. Beim 4:0-Sieg über West Ham United zum Liga-Auftakt bewies der Angriff der Reds, dass auch in dieser Spielzeit wieder mit vielen Toren zu rechnen ist.

Doch nicht nur die Stürmer präsentierten sich bislang in Topform. Mit vier Siegen aus den ersten vier Ligaspielen legte der FC Liverpool den bestmöglichen Start hin und unterstrich eindrucksvoll den Anspruch, in dieser Saison um den Titel mitzuspielen. Coach Jürgen Klopp hat ganze Arbeit geleistet, sein Team wirkt reifer als je zuvor.

Zu Beginn der Titeljagd haben die Reds den Eindruck vermittelt, dass sie in dieser Saison mehr sein können als nur das offensivgewaltige Power-House. Auch wenn Duelle mit den großen Namen noch ausstehen, so ist die Bilanz von nur einem Gegentor nach vier Partien trotzdem beachtlich.

Dass dieses eine Gegentor beim jüngsten 2:1-Sieg bei Leicester City ausgerechnet aus einem eklatanten Torwartfehler von Neuzugang Alisson Becker resultierte, scheint fast wie die Ironie des Schicksals, erhoffte sich Liverpool vom Karius-Nachfolger doch mehr Stabilität zwischen den Pfosten.

Dennoch scheinen die Neuzugänge, für die der Champions-League-Finalist des Vorjahres mehr als 180 Millionen Euro investierte, die Mannschaft voran gebracht zu haben, allen voran der dynamische Ex-Leipziger Naby Keita.

Naby Keita (l.) im Trikot des FC Liverpool
Naby Keita (l.) im Trikot des FC Liverpool

"Er gewinnt Bälle, hat einen enormen Zug und großartige Fähigkeiten. Ich habe im Training gesehen, wie er sich selbst aus lächerlichen Situationen befreien kann", beschreibt Kapitän James Milner seinen neuen Mitspieler.

Der britische Boulevard überschüttete Keita nach seinem Debüt mit Lob. Zitat: "Die Frage, wer die furiosen Drei mit zielgenauen Zuspielen versorgen wird, ist beantwortet."

Zwischenfazit: Der FC Liverpool hat einen Start nach Maß hingelegt. Wenn die Reds ihre beeindruckende Frühform halten können und auch in den anstehenden Duellen mit Tottenham, Manchester City und Chelsea überzeugen, dann wird der Titel in dieser Saison zwangsläufig nur über das Klopp-Team zu holen sein.


Die Gejagten

Die letztjährige Meistersaison von Manchester City ließ kaum Wünsche offen. Als erstes Team durchbrachen die Citizens die magische Grenze von 100 Punkten in der Premier League.

Entsprechend ruhig verlief auch die sommerliche Transferperiode. Nachdem Pep Guardiola in seinen ersten zwei Jahren im Amt fast eine halbe Milliarde Euro in neues Personal investiert hatte, ist er mit seinem Kader mittlerweile vollauf zufrieden. Die Folge: Mit Riyad Mahrez wurde nur ein namhafter Spieler dazugeholt.

An der dominanten Spielweise des Titelverteidigers hat sich erwartungsgemäß nichts geändert. Auch der mit viel Hoffnung gestartete FC Arsenal musste beim 0:2 zum Auftakt bereits erkennen, dass ManCity wohl auch in dieser Saison wieder eine Nummer zu groß ist.

Doch ganz ohne Makel ist der Klub nicht gestartet. Das 1:1 bei Aufsteiger Wolverhampton am 3. Spieltag fällt zwar eher in die Kategorie Arbeitsunfall, ist dennoch ärgerlich. Allein Torjäger Sergio Agüero scheiterte zweimal am Aluminium. Grund zur Sorge herrscht deshalb aber nicht. Mit zehn Punkten aus vier Spielen liegen die Sky Blues nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Liverpool.

Der Ausfall von Strippenzieher Kevin De Bruyne sorgt da schon eher für Kopfzerbrechen. Auch wenn sich die Befürchtung eines Kreuzbandrisses nicht bestätigte, wird der Belgier den Citizens mindestens drei Monate fehlen.

Damit fällt der einzige Spieler aus, der laut Guardiola "nicht zu ersetzen" ist. Ohne das kreative Genie könnten die anstehenden Duelle mit Liverpool und Tottenham durchaus Stolpersteine werden.

Mit Leroy Sané stand ein weiterer wichtiger Akteur des Vorjahres zuletzt nicht im Kader, allerdings aus sportlichen Gründen. Englische Medien berichteten, der Deutsche habe im Training wiederholt die nötige Einstellung vermissen lassen.

Zwischenfazit: Manchester City knüpft bislang fast nahtlos an die dominante Meistersaison an. Vor dem Hintergrund der Verletzung von De Bruyne darf sich die Konkurrenz aber Hoffnung machen, dass City in nächster Zeit womöglich mehr Punkte liegen lässt als im Vorjahr.


Die Kontinuierlichen

Ohne einen einzigen Neuzugang sind die Tottenham Hotspur in die Saison gestartet. Während die direkte Konkurrenz mächtig aufgerüstet hat, übten sich die Spurs-Bosse zum Unmut vieler Fans in Zurückhaltung. Zum Vergleich: Aufsteiger und Stadtrivale FC Fulham investierte schlappe 110 Millionen Euro in frisches Personal.

Doch keine Spur von Aktionismus bei den Lilywhites. Warum auch? In den vergangenen vier Jahren hat Coach Mauricio Pochettino ein international gefürchtetes Spitzenteam geformt, das qualitativ höchsten Ansprüchen genügt. Kontinuität ist das Credo. Alle Leistungsträger konnten gehalten werden, allen voran der heftig umworbene Torgarant Harry Kane.

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Neben dem Kapitän der englischen Nationalmannschaft hat sich der Brasilianer Lucas Moura vorerst festgespielt. Der wieselflinke Angreifer, der im Januar von Paris Saint-Germain nach Nord-London gewechselt war und zunächst mit Anpassungsproblemen zu kämpfen hatte, traf in den ersten vier Begegnungen drei Mal.

Sein Doppelpack beim aufsehenerregenden 3:0-Coup im Old Trafford gegen Manchester United ließ selbst Kritiker mit der Zunge schnalzen.

Eitel Sonnenschein also? Nicht ganz. Nach drei Dreiern zum Auftakt setzte es beim Überraschungsteam FC Watford zuletzt eine vermeidbare 1:2-Schlappe. Ausschlaggebend waren zwei Kopfball-Gegentore nach Standardsituationen.

"Nach einer Führung noch so zu verlieren, ist enttäuschend und schmerzhaft", konstatierte ein zerknirschter Pochettino, dessen Schützlinge sich gegen fußballerisch limitierte, aber kampfstarke Gegner zuweilen noch schwer tun.

Zwischenfazit: Tottenham ist trotz des Rückschlags in Watford gut aus den Startlöchern gekommen. Die Mannschaft ist homogen und eingespielt. Den Spurs ist eine Menge zuzutrauen.