02.06.2020 16:59 Uhr

Geister-Kracher zu Beginn der Meistergruppe

Jesse Marsch ist angespannt vor dem Geisterspiel-Kracher
Jesse Marsch ist angespannt vor dem Geisterspiel-Kracher

Für Salzburg-Trainer Jesse Marsch ist das erste Finaldurchgangsspiel gegen Rapid "vielleicht das wichtigste in der Meisterrunde". Rapid-Coach Dietmar Kühbauer hofft, dass diesmal seine Mannschaft das bessere Ende für sich hat.

Der Geisterspiel-Kracher Salzburg gegen Rapid bringt gleich zum Start der Meistergruppe am Mittwoch (20:30 Uhr) einen ersten Fingerzeig im Titelrennen der Bundesliga. Grün-Weiß darf nach dem LASK-Urteil wieder Hoffnungen hegen, man könnte den "Bullen" bis auf einen Punkt nahekommen. Für Salzburg-Coach Jesse Marsch ist das Spiel "vielleicht das wichtigste in der Meisterrunde".

"Wir brauchen auch in der Meisterschaft einen guten Start und müssen auf alles vorbereitet sein", warnte Marsch vier Tage nach dem souveränen 5:0-Cuptriumph über Zweitligist Austria Lustenau. Dass Salzburg bereits ein Bewerbsspiel in den Beinen hat, ist für Rapid-Coach Dietmar Kühbauer "sicher kein Nachteil. Ein Titel für Marsch und Mannschaft, das gibt Selbstvertrauen. Und: Er konnte den einen oder anderen Spieler schonen", meinte der 49-Jährige.

>> Liveticker: Red Bull Salzburg gegen Rapid Wien

Dreimal liefen sich die beiden Teams in der laufenden Saison schon über den Weg, stets behielt Salzburg die Oberhand - meist knapp: mit 2:1 nach Verlängerung in Wals-Siezenheim im Cup-Sechzehntelfinale, in der Liga mit 2:0 in Hütteldorf sowie 3:2 nochmals in Salzburg - durch einen Freistoß von Zlatko Junuzović in der 94. Minute. "Das waren keine normalen Fußballspiele, sondern Kampf", befand Marsch.

"Die letzten Spiele gegen Salzburg haben gezeigt, dass es sehr eng war", meinte Kühbauer, der endlich auf das bessere Ende für seine Truppe hofft. Dann - und wohl nur dann - dürfte man noch auf den Titel schielen - der freilich nie erklärtes Ziel war und ist. "Der Kracher kann schon richtungsweisend sein", betonte Rapids Sport-Geschäftsführer Zoran Barišić, der insgesamt "sehr viel Mut und Zuversicht" ortete. Kühbauer beschrieb die Ausgangslage nüchtern: "Wenn du gegen Salzburg als Verlierer vom Platz gehst, wird die Möglichkeit, dass wir (am Ende, Anm.) ganz oben stehen, gering sein."

So schätzen Marsch und Kühbauer den Faktor Geisterspiele ein

Klar sei angesichts des ersten Rapid-Pflichtspiels nach fast drei Monaten nur eines: "Mein Garten schaut erstmals seit zehn Jahren wieder gut aus." Der einzige Test gegen Zweitligist Horn endete 3:0. Kühbauer ist überzeugt, dass sein Team angesichts der Corona bedingten Trainingsbeschränkungen gemacht hat, "was man machen kann. Alle sind sehr fokussiert, wollen in die Mannschaft. Ich habe daher keine Bedenken, wenn ich rotieren muss." Und daran führe angesichts des dichten Programms nichts vorbei.

Lautstarke Gegenwehr von den Tribünen hat Rapid jedenfalls nicht zu erwarten. Einen echten Vorteil erwarte er sich dadurch nicht, meinte Kühbauer, "wir sind darauf vorbereitet". Prinzipiell sei es freilich nun besser möglich, coachingtechnisch ins Spiel einzugreifen. "Aber wir haben einen Matchplan, den wir umsetzen wollen." Den Spielern mit einem Zettel Anweisungen zu geben, dass werde ohnehin "nie ganz meins werden".

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Für Marsch muss das Auftreten in der ungewohnten Atmosphäre "noch präsenter und intensiver" sein. "Man hat in Deutschland schon gesehen, dass die Mannschaften mit mehr Persönlichkeit und Organisation normalerweise die Mannschaften waren, die einen Tick mehr auf dem Platz präsent waren. Von 36 Heimspielen haben nur 8 Heimmannschaften gewonnen", sprach er über seine jüngsten Erkenntnisse.

Für ihn ist ein Heimsieg quasi Pflicht. "Es wäre wichtig, wenn wir einen Vorsprung herausholen. Wenn wir in der Tabelle mehr Raum haben, denn dann werden die nächsten Wochen einfacher für uns", betonte der US-Amerikaner. Statt eines Drei-Punkte-Rückstands auf den LASK hat man nach dessen Trainingsfehltritten nun drei Zähler Vorsprung auf die Linzer bzw. vier auf Rapid - abzuwarten bleibt, ob das Urteil nach der Berufung des LASK hält. Für Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund darf das ohnehin keinen Unterschied machen: "Wir wollen so spielen, dass am Ende ganz klar feststeht, wer Meister ist."

Personell sind die beiden Teams fast in Bestbesetzung. Bei Rapid fehlt abgesehen von Langzeitverletzten wie Philipp Schobesberger nur Innenverteidiger Mateo Barać, aufseiten Salzburgs muss man auf Offensivmann Masaya Okugawa sowie Außenverteidiger Rasmus Kristensen verzichten. Grund sind bei allen muskuläre Probleme.

apa