Matthäus: Neuer gehört auch zur WM 2026 ins Tor

Nach der EM ist vor der WM. Und so dürfte die T-Frage in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in den kommenden Monaten wieder hochkochen: Wer steht künftig im DFB-Kasten? Manuel Neuer oder Marc-André ter Stegen? Rekordnationalspieler Lothar Matthäus legt sich in seiner Kolumne für sport.de fest - und hat einen klaren Rat an Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Entweder klarer Status als Nummer eins oder gar nichts! Natürlich werden die Karten in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach der EM teilweise neu gemischt.
Wenn aber ein Torwart wie Manuel Neuer das Vertrauen des Trainers bekommt, wenn Julian Nagelsmann ihm zutraut, auch der Torwart für die Mannschaft zu sein, die in zwei Jahren um die WM kämpfen soll –, dann muss Neuer bis zum Turnier in den USA, Mexiko und Kanada unbestritten die Nummer eins sein.
Neuer hat bei Nagelsmann offenbar einen besonderen Status, die beiden haben einen besonderen Draht zueinander. Wäre es nach den Leistungen und Fehlern vor der EM gegangen, hätte sicher auch Marc-André ter Stegen das Recht gehabt, das Turnier zu spielen. Nagelsmann hat aber eben ein besonderes Vertrauen zu Neuer: Sie kennen und schätzen sich.
Solange bei Neuer die Leistung stimmt, kann er selbst bestimmen, ob er weitermacht oder nicht, ob er im deutschen Tor steht oder nicht. Spielt er schlecht, fängt die Diskussion natürlich an, dann wäre die T-Frage voll da. Aber wenn er sich nichts zu Schulden kommen lässt, würde ich weiter auf Neuer setzen. Warum sollte sich Nagelsmann ein Fass auf dieser Position aufmachen?
Nagelsmann muss mit Neuer und dem FC Bayern sprechen
Neuer ist noch immer top, hat ein starkes Turnier gespielt und vor allem die Persönlichkeit, die es im Tor braucht. Auch die Mannschaft hat Vertrauen zu ihm. Deswegen sollte Neuer gesetzt sein.
Wichtig ist, dass Nagelsmann weiß, wie es mit Manuel Neuer in den nächsten zwei Jahren weitergeht. Neuer hat beim FC Bayern ja nur noch Vertrag bis 2025. Der Bundestrainer wird ganz sicher das Gespräch mit allen Beteiligten suchen.
Nagelsmann muss wissen, welche Absprachen es zwischen Neuer und dem FC Bayern gibt. Neuers Heldenstatus in München sollte es ihm ermöglichen, auch bis 2026 für die Bayern zu spielen.
Und wenn Neuer dem Bundestrainer klipp und klar sagt, dass er diese zwei Jahre noch spielen will, dass er sich fit fühlt, dass er bereit ist – und Nagelsmann hat die medizinische Abteilung ja an seiner Seite –, dann sehe ich keinen Grund, warum man auf einen jüngeren Torhüter als Nummer eins bei der WM setzen sollte.
Nagelsmann muss an 2026 denken. Bei der EM hat er gezeigt, dass er den Spielern den Rücken stärkt, die er als Nummer eins auf der jeweiligen Position sieht. Da gehört Manuel Neuer nach seinen gezeigten Leistungen bei der EM ganz sicher dazu.
Das Vertrauen zählt
Ich bin zwar immer für Konkurrenzkampf, auch auf der Torhüter-Position. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Julian Nagelsmann in den nächsten zwei Jahren umdenkt, nachdem er Neuer jetzt solch ein Vertrauen geschenkt hat. Und nochmal: Solange Neuer seine Leistung bringt und nicht abfällt, ist der Faktor Vertrauen wichtiger als ein vom Bundestrainer ausgerufener Konkurrenzkampf um den Platz im deutschen Tor.
Lothar Matthäus