Ergebniskrise beim FC Bayern: Kurios - und doch brisant

Nachdem Vincent Kompany seine ersten sechs Pflichtspiele als Trainer des FC Bayern gewann, gerieten die Münchner unlängst in eine kuriose Ergebniskrise: In der Bundesliga dominierte man die Topteams Bayer Leverkusen (1:1) und Eintracht Frankfurt (3:3), holte jedoch jeweils nur einen Punkt. In der Champions League setzte es trotz einer über weite Strecken überlegenen Vorstellung eine 0:1-Pleite bei Aston Villa. An der Säbener Straße ist ob der Serie zwar noch keine Spur einer Alarmstimmung zu bemerken, für Kompany birgt sie aber eine Gefahr.
"Wir haben jetzt dreimal nicht gewonnen, aber in dieser Krise befinde ich mich sehr gerne", mit diesem Urteil reagierte Urgestein Thomas Müller nach dem Remis bei Eintracht Frankfurt im Interview mit "DAZN" auf das dritte sieglose Spiel des FC Bayern am Stück. Ebenso überraschende wie nachvollziehbare Worte.
Denn der deutsche Rekordmeister jagte den Tabellenzweiten aus der Mainmetropole meist nach Belieben über das Feld, die Frankfurter allerdings nutzten ihre Chancen schlicht klinisch effektiv und verschärften so die vermeintliche "Krise" der Bayern.
"Es war ein Genuss, wie wir den Gegner eingeschnürt haben", schob Müller dennoch zufrieden hinterher und stellte eine berechtigte Frage in den Raum: "Was sollen wir anders machen?"
Situation birgt eine gewisse Brisanz für den FC Bayern
Dass in der Zwischenzeit der ein oder andere Experte einen leicht kritischer gefärbten Blick auf das Spiel der Münchner geäußert hat und den ein oder anderen Ratschlag aus dem Ärmel schüttelte, was man besser machen könne, sei als Chronistenpflicht erwähnt. In München wird man sich angesichts der rein sportlichen Vorstellungen allerdings keine Sorgen machen - und dennoch ist die Situation nicht ohne Brisanz.
Dass sich in den Kadern der Topklubs auch hochdekorierte oder fraglos talentierte Spieler befinden, die sich eher mit einer Nebenrolle abgeben müssen, gehört zum Geschäft. Eine gewisse Unzufriedenheit mit der Rolle des Reservisten oder Wenig-Spielers ist durchaus erwünscht, aktiv Ansprüche stellen hingegen eher nicht. Das diese jedoch aufkommen, genau darin liegt die Gefahr für Kompany.
So lange der Erfolg sich auch in den Ergebnissen widerspiegelte, gab es nun wirklich gar keinen Anlass, die Entscheidungen des Belgiers für oder gegen einen Spieler zu hinterfragen. Allein die Ergebniskrise dürfte nun jedoch ausreichen, um bei den prominenten Wenig-Spielern den Gedanken aufkommen zu lassen: Hätte ich dem Team nicht das Quäntchen mehr bieten können, das notwendig gewesen wäre?
Zahlreiche Stars des FC Bayern 2024/25 noch mit einer Nebenrolle
Zumal sich im nicht gerade kleinen Kader der Mannen aus der bayerischen Landeshauptstadt einige Spieler tummeln, die sich 2024/25 noch mit einer Nebenrolle begnügen müssen.
Abwehr-Routinier Eric Dier, in der vergangenen Rückrunde unter Ex-Coach Thomas Tuchel meist gesetzt, kommt zum Beispiel gerade mal auf 31 Minütchen, 50-Millionen-Euro-Neuzugang Joao Palhinha steht bei mageren 154, Konrad Laimer bei 198 Minuten und Leon Goretzka ist mit 14 Einsatzminuten ohnehin außen vor.
In der Offensive wartet der lange verletzte Topstar Leroy Sané (78 Minuten) auf eine echte Chance und selbst bei Kingsley Coman (298 Minuten), dem hochgelobten Mathys Tel (158 Minuten) und sogar Müller (321 Minuten) dürfte es eine gewisse Diskrepanz zwischen Einsatzzeit und Selbstverständnis geben.
Zwar betonte Kompany Ende September, dass er beim FC Bayern angesichts der enormen Gesamtzahl an Spielen "den ganzen Kader nutzen" wolle und man jeden benötige, um die eigenen Ziele zu erreichen. Zum jetzigen Stand haben aber einige Akteure noch gar keine wirklich große Rolle gespielt.
Wenn mit den Defensivkräften Hiroki Ito, Josip Stanisic und Sacha Boey drei noch verletzte Spieler mit hohen Ambitionen zurückkehren, wird sich die Situation kaum entspannen. Ruhe bringt beim FC Bayern auf Sicht wohl nur die Rückkehr in die Erfolgsspur - gute Vorstellungen hin oder her.