"Déjà-vu" für den FC Bayern - BVB nur tristes Mittelmaß

Die Hinrunde der Fußball-Bundesliga ist beendet. Sowohl das Meisterschaftsrennen, als auch das Duell um Europa und der Abstiegskampf versprechen Spannung pur. Holt sich der FC Bayern den Titel zurück? Verpasst der BVB gar Europa? Und rettet Dieter Hecking den VfL Bochum? Die sport.de-Redaktion diskutiert einige der heißesten Thesen für die Rückrunde!
These 1: Der FC Bayern wird nicht Meister!
Lissy Beckonert: Alle, die auf einen erneuten Tiefschlag für den FC Bayern hoffen, muss ich leider enttäuschen. Die Münchner lassen sich die Meisterschaft in diesem Jahr nicht noch einmal entreißen. Dafür sind die Leistungen in dieser Saison einfach zu konstant. Bayer Leverkusen wird den Druck zwar lange aufrecht erhalten, das Ruder am Ende aber nicht mehr herumreißen können.
Emmanuel Schneider: Natürlich sind die Bayern Stand heute Favorit und in der Pole Position. Aber der Lauf von Bayer Leverkusen ist beängstigend. Die Alonso-Elf hat jetzt schon wieder zehn Pflichtspiele in Folge gewonnen (unter anderem gegen Inter und den FCB), immer öfter blitzt die Mentalität aus der Vorsaison auf. Das direkte Duell könnte nochmal richtig Spannung reinbringen. Und die Bayern haben in dieser Saison in großen Spiele auch schon gepatzt. Deswegen: Bayer bleibt bis zum letzten Spieltag dran und verteidigt die Schale!
Jannik Kube: Die Bundesliga bekommt einen Meister-Krimi bis zum 34. Spieltag. Der FC Bayern sowie Bayer Leverkusen sind in dieser Saison zu stark, als dass sich einer der beiden Klubs vorzeitig absetzen kann. Meine Prognose: Die Münchner holen sich die Schale in einem Herzschlagfinale zurück.
Heiko Lütkehus: Aktuell fühlt es sich manchmal wie ein Déjà-vu an. 2011 hatte ein mitreißender BVB den FC Bayern entthront, der im Folgesommer mit Top-Neuzugängen (Neuer, Boateng) den Gegenangriff startete. Zunächst lief alles nach Plan, zumal Dortmund hier und da patzte. Doch irgendwann wendete sich das Blatt und alles lief gegen den Rekordmeister, der die Borussia in der Rückserie noch vorbeiziehen lassen musste. Das Bauchgefühl sagt: Mit Leverkusen könnte es dieses Jahr ähnlich laufen.
These 2: Der BVB verpasst sogar die Europa League!
Emmanuel Schneider: Die Lage in Dortmund ist wie das Wetter: Ziemlich unterkühlt. Das Minimalziel Champions League ist in Gefahr. Aber, um mal etwas Ruhe reinzubringen: Auf die Champions-League-Ränge sind es derzeit fünf Zähler Rückstand, auf Platz sechs sind es drei – und vielleicht reicht ja auch der siebte Platz für Europa. Verloren ist also noch lange nichts. Sorgen machen eher der leidenschaftslose Auftritt und solche Aussetzer wie zuletzt gegen Kiel. Trotzdem setzt sich auf Strecke der BVB durch und landet mindestens in der Europa League. Lasst Serhou Guirassy mal endlich ins Laufen kommen, dann geht es auch wieder nach oben.
Jannis Bartling: Der BVB ist nur tristes Bundesliga-Mittelmaß. Das wird sich am Ende der Bundesliga-Saison auch in der Tabelle zeigen. Selbst die Qualifikation für die oftmals so verpönte Conference League wäre als Erfolg zu werten. Auch Winter-Transfers und ein längst überfälliger Trainer-Wechsel werden daran nichts mehr ändern. Für Dortmund ist der Zug in dieser Spielzeit bereits abgefahren!
Lissy Beckonert: Beim BVB brennt der Baum auch drei Wochen nach Weihnachten noch lichterloh. In der aktuellen Verfassung sind die Schwarz-Gelben weder ein Kandidat für die Champions- noch für die Europa League. Auch wenn im Winter noch personelle Veränderungen anstehen sollten - ob Verstärkungen für den Kader, ein Trainerwechsel oder Entlassungen in der Führungsetage - schnelle Hilfe, die die Dortmunder zu dringend benötigen, ist nicht abzusehen.
Jannik Kube: Dass es in der Bundesliga hinter der Spitze eng zugeht, ist noch die beste Nachricht für Borussia Dortmund nach einer schwachen Hinrunde. Den großen Turnaround wird der BVB meiner Meinung nach dennoch nicht mehr schaffen, die Schwarz-Gelben landen auf einem Europa-League-Platz.
These 3: Dieter Hecking rettet den VfL Bochum!
Jannik Kube: Der Abstiegskampf nimmt nach den jüngsten Siegen des VfL Bochum und von Holstein Kiel so langsam an Fahrt auf. Die Rettung ist für den Revierklub zwar noch drin, große Sorgen bereitet aber die Auswärtsschwäche. Erst einen mageren Punkt holte der VfL in neun Spielen auf fremden Platz - so steigt Bochum ab!
Jannis Bartling: Dieter Hecking ist genau das, was der VfL Bochum gebraucht hat. Die Ruhe und Abgezocktheit des Trainer-Routiniers wird dazu führen, dass der Ruhrpottklub wieder die Klasse hält - wenn auch erst auf den letzten Metern. Am wahrscheinlichsten ist es, dass die Bochumer erneut den Umweg über die Relegation nehmen müssen.
Emmanuel Schneider: Sieg am Grünen Tisch und dann auch noch ein wichtiger Dreier im direkten Kellerduell. Hecking haucht dem VfL neues Leben ein. Reicht das für den Klassenerhalt? Kommt darauf an, wie sehr Hoffenheim, Heidenheim, Pauli, Kiel und Union unten hängen bleiben. Mehr als der Relegationsplatz ist meiner Meinung nach nicht drin. Damit können sie in Bochum aber bekanntlich auch arbeiten.
Lissy Beckonert: Dank Dieter Hecking lebt der VfL Bochum wieder. Der Rückstand zum rettenden Ufer beträgt nur fünf Zähler. Dennoch machen die im Saisonverlauf gezeigten Leistungen zu wenig Hoffnung auf den Klassenerhalt. "Ich bin nicht der Messias, ich bin kein Zauberer", hatte Hecking bei seinem Amtsantritt im November gesagt. Damit wird er wohl recht behalten.