10.07.2020 12:53 Uhr

Rigoroser Sparkurs: Schalke schaut "in anderen Regalen"

Der FC Schalke 04 muss sparen
Der FC Schalke 04 muss sparen

Schalke 04 ist hoch verschuldet und muss sparen. Sportvorstand Jochen Schneider hat für neue Spieler kaum Geld.

Christian Heidel gab 155 Millionen Euro für neue Spieler aus, Horst Heldt 81 und Felix Magath 45 - von den Zahlen seiner Vorgänger kann Jochen Schneider nur träumen. Weil Schalke 04 erneut den Europacup verpasst hat und jetzt einen rigorosen Sparkurs fährt, muss der Sportvorstand ohne Geld einkaufen.

"Indem man in anderen Regalen schaut, kreativ sein muss", erklärt Schneider im Interview mit dem "Sport-Informations-Dienst": "Es ist schwieriger, man muss noch genauer prüfen, an anderen Stellen suchen, aber es ist möglich. Es bringt nichts, im Traumland zu leben."

Der einstige Stammgast der Champions League, der zwischen 2005 und 2016 zehnmal international spielte, hat die "Wette auf die Zukunft", wie es Schneiders Vorstandskollege Alexander Jobst formulierte, "zuletzt verloren" und nur einmal in den vergangenen vier Jahren das europäische Geschäft erreicht.

Nach dem Abschied des langjährigen Finanzvorstands Peter Peters und dem Rücktritt des umstrittenen Aufsichtsratsbosses Clemens Tönnies ist die Zeit der Großmannssucht vorbei. "Für absehbare Zeit müssen wir uns davon verabschieden, gestandene Topspieler zu verpflichten, weil wir sie uns nicht leisten können", stellt Schneider klar.


Mehr dazu: Schneider will den FC Bayern "nicht bestrafen"


Leihspieler, günstige Talente, Schnäppchen aus der 2. Liga - die Arbeit des Managers sieht "definitiv" anders aus, als er sie sich bei seinem Amtsantritt im März 2019 vorgestellt hatte. 15 Millionen Euro Ablöse wie noch im letzten Sommer für den hochtalentierten türkischen Innenverteidiger Ozan Kabak sind nicht mehr drin.

Hinzu kommt: Schneider muss das Gehaltsbudget der Profimannschaft, das 2019 inklusive Trainerstab noch 100 Millionen Euro betrug, zusammenstreichen. Um wie viel Prozent will er nicht verraten, eine kolportierte Gehaltsobergrenze von 2,5 Millionen Euro soll dabei helfen.

Einen Salary Cap für die gesamte Bundesliga oder gar den europäischen Fußball nach nordamerikanischem Vorbild, den Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge und DFL-Boss Christian Seifert als Konsequenz aus der Coronakrise ins Gespräch brachten, lehnt Schneider aber ab.

"Unsere Historie des Sports in Europa ist eine komplett andere als in Nordamerika, wir haben andere Eigentumsverhältnisse, andere Strukturen und eine andere Rechtsprechung", betont er: "Jeder Klub ist angehalten, im Rahmen seiner eigenen wirtschaftlichen Möglichkeiten hauszuhalten. Und damit sind wir in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere in der Bundesliga sehr gut gefahren."

Schneider lässt Verkauf von Leistungsträgern offen

Erschwert wird der Sparkurs durch teure Fehleinkäufe, die nach Leihgeschäften zurückkehren. Weder Köln für Mark Uth noch Hoffenheim für Sebastian Rudy zogen die vereinbarten Kaufoptionen. Offen ist noch, was Newcastle United mit Nabil Bentaleb vorhat.

Will Schneider die Großverdiener möglichst schnell von der Gehaltsliste bekommen? Oder auf ordentliche Ablösesummen spekulieren, um doch mehr Möglichkeiten bei Neuverpflichtungen zu haben? Erstmal plant er mit "richtig guten Fußballern, die wir gut gebrauchen können".

Vor der Coronakrise, die Schalkes "wirtschaftliche Vorerkrankungen", so Schneider, verschärfte, hatte der Sportvorstand einen Verkauf der Leistungsträger und wertvollsten Spieler wie Kabak, Nationalspieler Suat Serdar oder Amine Harit noch kategorisch ausgeschlossen.

Jetzt sagt er: "Wenn du auf Strecke immer deine besten Spieler verkaufst, macht das deine Mannschaft nicht besser. Wir sind angehalten, sportlichen Erfolg zu erzielen. Andererseits: Wenn sich ein Spieler schneller entwickelt als sein Verein und das Bedürfnis verspürt, woanders seine Karriere fortzusetzen, weil dort bessere sportliche und wirtschaftliche Voraussetzungen existieren, dann muss man sich zusammensetzen und die Situation besprechen." Und dann hätte er doch ein bisschen Geld zum Einkaufen.