06.06.2024 19:25 Uhr

Nagelsmann beantwortet die Sturm-Frage

Wer stürmt bei der EM für die deutsche Nationalmannschaft?
Wer stürmt bei der EM für die deutsche Nationalmannschaft?

Kai Havertz versandte seine EM-Botschaft mit freundlichen Grüßen. Zauberei oder Konsequenz, diese Frage gebe es in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft eigentlich nicht zu beantworten, übermittelte Havertz dem Bundestrainer im "kicker"-Interview: "Ich sehe mich hier ganz klar als Neuner, das habe ich auch in den letzten sechs Monaten bei Arsenal gespielt. Da fühle ich mich extrem wohl." Außerdem sei es als Offensivspieler recht hilfreich, "wenn man konstant auf dich setzt". Danke, nächste Frage.

Julian Nagelsmann sieht das ganz offensichtlich genauso. "Wenn Kai performt, hat er ein bisschen die Nase vorn", verriet er am Donnerstagabend, was keine große Überraschung war: "Aber auch Niclas Füllkrug wird seine Einsatzzeiten bekommen. Beide kennen ihre Rolle."

Beim 0:0 gegen die Ukraine, das nicht nur für einen klassischen Abschlussstürmer wie Füllkrug fruchtloses Ballgeklimper an der Grenze zur Quälerei gewesen sein muss, hat der Bundestrainer sich selbst nach einem Spieler gesehnt, der das Ding einfach ins Tor knallt. "Fülle hätte uns gutgetan mit seiner Wucht, seiner Kopfballstärke", sagte Nagelsmann. Paff, drin, weiter geht's. "Wir haben aber den Anspruch", sagte Nagelsmann, "den Gegner nicht nur per Kopfball zu bezwingen."

Havertz harmoniert mit den Flügeln

Die Neuner-Position ist besonders angesichts der unterschiedlichen Profile der beiden Kandidaten eine der letzten, die in Nagelsmanns System vor dem EM-Start als halbwegs umkämpft gelten darf. Es ist ein bisschen wie früher in der TV-Sendung Herzblatt. Wer darf es sein: Kandidat eins, der spielstarke Kombinierer, jung, cool, umtriebig, etwas zurückgezogen, mit feinstem Fuß? Oder Kandidat zwei, erfahren und doch noch fast neu, nordisch, roh, kantig, immer mit dem Fuß am Abzug?

Vorerst ist es Kandidat eins: In den vergangenen Monaten hat sich die Nadel auf der Anzeige Richtung Havertz bewegt. Der spielte beim FC Arsenal eine grandiose Rückrunde, er harmonierte beim DFB-Team prächtig im Zocker-Trio mit Jamal Musiala und Florian Wirtz. Im Champions-League-Finale stand jedoch Füllkrug, er traf in Wembley gegen Real Madrid (allerdings aus Abseitsposition) den Innenpfosten und erklärte anschließend, er sehe keinen Grund, sich aufrichten zu müssen: "Ich habe mich gegen die besten Verteidiger der Welt bewiesen."

Obwohl in seiner Bundestrainer-Zeit niemand häufiger getroffen hat als Füllkrug, gibt Nagelsmann in seinen Rollengesprächen Havertz den ersten Zugriff auf die Position ganz vorne. Denkbar ist ein 60:30-Modell: Wirtz, Havertz und Musiala spielen die Abwehr müde - hat es nach einer Stunde noch nicht mit einem Tor geklappt, kommt Füllkrug. "Auch er wird bei der EM enorm wichtig werden. Da wird das Ego hintenan gestellt", betonte Havertz.

Havertz verspricht Tore gegen Griechenland

Das neue Jobsharing ist jedenfalls wahrscheinlicher als die Variante vom 3:3 gegen die Ukraine vor genau einem Jahr. Da begann Füllkrug, traf, machte zur Pause Platz für Havertz. Und der traf auch. Diesmal, in Nürnberg, wieder gegen die Ukraine, "war die Leistung okay, aber die Tore haben gefehlt", sagte Havertz, der zwischenzeitlich von Nagelsmann sogar als Linksverteidiger getestet worden war.

Gegen Griechenland in Mönchengladbach am Freitag (20.45 Uhr/RTL), versprach der 24-Jährige, "werden wir nachlegen. Wir müssen den Ehrgeiz entwickeln, unbedingt das Tor schießen zu wollen, um das Spiel zu öffnen." Dies war bei den Siegen gegen Frankreich und die Niederlande gelungen, wobei das Siegtor gegen Holland ein Joker erzielte: Niclas Füllkrug. Er war zehn Minuten zuvor für Kai Havertz gekommen.