26.10.2021 14:21 Uhr

Prekäre Personalmisere: Drei Varianten für den BVB

BVB-Coach Marco Rose muss sein Team im DFB-Pokal umbauen
BVB-Coach Marco Rose muss sein Team im DFB-Pokal umbauen

Vor dem DFB-Pokalspiel gegen den FC Ingolstadt (ab 20 Uhr im LIVE-Ticker) herrscht beim BVB akute Stürmernot. Neben Platzhirsch Erling Haaland fallen wohl auch die beiden ersten Ersatzmänner Donyell Malen und Youssoufa Moukoko am Dienstagabend aus. Wie könnte Trainer Marco Rose seine Mannschaft nun aufstellen? 

Schon seit Wochen ist die Personallage bei Borussia Dortmund angespannt. Auch vor dem ungleichen Pokal-Duell mit Zweitligist Ingolstadt erfüllten sich die Hoffnungen auf ein Comeback des ein oder anderen zuletzt angeschlagenen Stars nicht.

"Die gute Nachricht ist, dass sich kein Spieler in Bielefeld verletzt hat. Es kommt aber auch keiner zurück", verkündete Trainer Marco Rose auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel des Titelverteidigers.

Beim jüngsten 3:1-Erfolg bei Arminia Bielefeld hatten dem BVB neun (!) Profis gefehlt. Dabei stehen bis zur nächsten Länderspielpause Mitte November noch vier Partien in zwölf Tagen an.

BVB gehen offensiv die Optionen aus

Besonders schmerzlich ist der Ausfall von Torjäger Erling Haaland, der im Sturmzentrum kaum zu ersetzen ist. An den jüngsten Spekulationen, wonach der Norweger bis mindestens Dezember ausfallen könnte, wollte sich Rose nicht beteiligen.

"An sein Fehlen müssen wir uns ein paar Spieltage gewöhnen. Deshalb brauchen wir nicht rumzujammern. Sicher ist er wahnsinnig wichtig für uns. Aber wir müssen deshalb nicht alles auf den Kopf stellen und uns neu erfinden", betonte der 45-Jährige.

Problem: Auch die Alternativen für die Angriffsmitte werden voraussichtlich mindestens gegen Ingolstadt ausfallen. Neuzugang Donyell Malen hat sich einen Magen-Darm-Infekt eingefangen, Youngster Youssoufa Moukoko ist nach einer hartnäckigen Muskelverletzung noch nicht wieder komplett auf dem Damm.

Rose muss also improvisieren, um auch am Dienstag eine schlagkräftige Offensive auf den Platz zu bringen. Folgende drei Varianten bieten sich an:

  • BVB-Variante 1: Rückkehr zum 4-3-1-2 mit zwei Halbstürmern

Bis zum 2:1-Sieg bei Besiktas in der Champions League Mitte September vertraute Rose einige Zeit auf ein System mit zwei Stürmern plus Spielmacher. Kehrt er nun dorthin zurück?

Gegen Ingolstadt, aber auch in den folgenden Begegnungen könnte der Engpass auf der Neun womöglich kaschiert werden, indem zwei flexible Offensiv-Allrounder wie Marco Reus und Thorgan Hazard nominell als Angreifer agieren, allerdings immer wieder rochieren und so auch Platz für nachrückende Spieler schaffen.

Allen voran Jude Bellingham stößt mit seinen dynamischen Solos gerne ins letzte Drittel vor, auch Julian Brandt strahlte in den vergangenen Wochen wieder mehr Torgefahr aus. Sie könnten mit Reus, Hazard und Co. immer wieder die Positionen tauschen.

  • BVB-Variante 2: Verbleib beim 3-4-2-1 mit falscher Neun oder Mittelstürmer Tigges

In Bielefeld ließ Rose seine Elf mit Dreierkette, schnellen Schienenspielern auf den Flügeln und einem Dreiergespann in vorderster Front spielen. Als Speerspitze fungierte Donyell Malen, der gegen Ingolstadt aber wohl fehlen wird.

Sollte der Trainer am System festhalten, blieben für die vakante Mittelstürmer-Position zwei Optionen: Entweder müsste einer der Allrounder (Reus, Hazard, Brandt, Wolf, Reinier) als falsche Neun ran, oder Rose gibt dem zuletzt ein wenig in Vergessenheit geratenen Nachwuchsknipser Steffen Tigges eine Bewährungschance.

Steffen Tigges gegen Bielefeld in Aktion

Der 23-Jährige hat sich nach einer Verletzung mühsam wieder ans Profi-Team herangekämpft, gegen die Arminia durfte er jüngst als Joker immerhin 24 Minuten mitwirken. Schlägt im Pokal seine große Stunde?

  • BVB-Variante 3: Wechsel zum 4-3-3 mit rochierendem Angriffs-Trio

Vier Mal lief Borussia Dortmund in der Saison 2021/2022 bislang im klassischen 4-3-3 auf. In der Vorwoche wurde die Formation beim 0:4 bei Ajax Amsterdam jedoch entschlüsselt, vor allem auf den defensiven Außenbahnen waren die Schwachpunkte des Systems unübersehbar.

Hinzu kommt, dass ein 4-3-3 ohne einen abschlussstarken Zielspieler wie Haaland zu wenig Durchschlagskraft besitzt. Auch hier wäre Tigges eine Option, ebenso wahrscheinlich scheint indes ein rochierendes Trio, das den gegnerischen Defensivverbund durch ständige Positionswechsel aus dem Konzept bringen will.

Im Vergleich zu Variante 1 und 2 dürfte dieser Ansatz aber der unwahrscheinlichste sein. Ausgeschlossen ist er dennoch nicht, schließlich dürfte Ingolstadt extrem tief stehen und eine offensive Ausrichtung, wie im 4-3-3, alternativlos sein.

Rose selbst hat sich alle Wege offengehalten. "Es ist sicherlich möglich, dass wir zur Viererkette zurückkehren", verriet er vor dem Pokalspiel am Dienstag. Entscheidend sei am Ende allerdings nicht das System, sondern die passende Einstellung.

Seine Botschaft: Nur das Weiterkommen zählt - Verletzungssorgen hin oder her.

Heiko Lütkehus