26.01.2022 22:12 Uhr

Warum der BVB Pherai noch nicht ins Profiteam befördert

Immanuel Pherai glänzt in der Zweitvertretung des BVB
Immanuel Pherai glänzt in der Zweitvertretung des BVB

Dass die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund in der 3. Liga als Aufsteiger so gut dasteht, ist auch den starken Leistungen von Immanuel Pherai zu verdanken. In seiner Rolle als Dreh- und Angelpunkt des Offensivspiels geht der Kreativkopf, der einst auch als Kandidat für die Profis galt, total auf. Vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Saarbrücken am Mittwoch (ab 19 Uhr im LIVE-Ticker) mehren sich im BVB-Umfeld die Stimmen, die eine neue Bewährungschance für den Niederländer im Bundesliga-Team fordern.

Vor gar nicht allzu langer Zeit galt Immanuel Pherai in Dortmund noch als großes Zukunftsversprechen. Wer den technisch versierten Spielmacher in den Juniorenteams des BVB zaubern sah, der verstand sofort, dass kein Geringerer als Star-Berater Mino Raiola darum gekämpft hatte, den Youngster managen zu dürfen.

Im vergangenen Jahr wurde es um den in Amsterdam geborenen U-Nationalspieler der Niederlande allerdings ruhig. Eine Leihe in die Heimat zu PEC Zwolle verlief durchwachsen, anschließend fand der neue Profi-Trainer Marco Rose keine Verwendung für Pherai, der in die gerade erst aufgestiegene Zweitvertretung versetzt wurde.

Doch anstatt zu schmollen, hat der Edeltechniker die neue Situation vorbildlich angenommen. Ein Blick in die Statistik verrät, wie wichtig Pherai für die Mannschaft von Coach Enrico Maaßen ist: Fünf Treffer und sieben Vorlagen in 21 Einsätzen sind teaminterner Spitzenwert, nur Berkan Taz kommt ebenfalls auf zwölf Torbeteiligungen.

BVB: Pherais Geniestreich in Mannheim geht viral

Sein bisheriges Saison-Highlight erlebte Pherai unlängst beim 3:1-Auswärtssieg in Mannheim, als er die Schwarz-Gelben beim Stand von 1:1 mit einem Weltklasse-Heber aus knapp 45 Metern auf die Siegerstraße brachte.

"Der Junge ist crazy, er ist bekannt für sowas. Das ist Wahnsinn", schwärmte Keeper Stefan Drljaca im Anschluss an den Geniestreich von seinem Teamkollegen.

Pherai selbst beschrieb die bemerkenswerte Szene erstaunlich nüchtern: "Ich habe gesehen, dass der Torwart vor seinem Tor stand. Ich habe nichts zu verlieren und es einfach mal probiert. Dazu braucht es natürlich auch Glück."

Im Netz machten Videos vom Traumtor des 20-Jährigen schnell die Runde, nicht wenige Fans sahen darin den ultimativen Beleg für Pherais Eignung für höhere Aufgaben. Zu dieser Überzeugung scheinen die Borussia-Bosse derweil noch nicht gekommen zu sein.

Borussia Dortmund ließ Pherai im Sommer zappeln

Denn: Pherais Arbeitspapier in Dortmund ist nur noch bis zum 30. Juni gültig. Und vor wenigen Monaten deutete noch alles auf eine Trennung im Sommer hin.

Laut den vereinsnahen "Ruhr Nachrichten" war man von den Fähigkeiten des Rohdiamanten nicht vollends überzeugt, entsprechend wurden seine Chancen auf einen Sprung zu den Profis als "eher gering" beurteilt.

Zu enttäuschend sei die Leihe zum niederländischen Erstligisten PEC Zwolle verlaufen. 28 Einsätze, zwei Treffer und drei Vorlagen standen für Pherai dort zu Buche.

Pherai (M.) spielte in der Saison 2020/2021 in der Eredivisie

Zurück bei der Borussia wurde der Raiola-Schützling zunächst einige Zeit im Unklaren gelassen. "Mir war lange nicht klar, wie es beim BVB konkret für mich weitergehen würde. Ich ging eigentlich davon aus, dass ich wieder bei den Profis mittrainiere. Ich sollte mich dann aber zum Trainingsstart bei der U23 melden", verriet Pherai Mitte November in einem Interview mit "Spox" und "Goal".

Einen Monat später habe ihn dann Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl zum Gespräch gebeten. "Er meinte, dass das Jahr in Zwolle gut für mich war und sie nun meine Entwicklung in der U23 beobachten werden", erinnerte sich Pherai, der mit Blick auf seine Perspektive ergänzte: "In der Winterpause setzen wir uns dann erneut zusammen und besprechen meine Zukunft."

BVB strebt Verlängerung an - Lockrufe aus der Bundesliga

Seither sind Pherais Aktien beständig gestiegen. Und zwar so sehr, dass die BVB-Verantwortlichen laut "kicker" mittlerweile eine Verlängerung mit dem Offensivmann anstreben.

Laut Ingo Preuß, Teammanager der U23, befindet sich der Rechtsfuß aktuell "in der besten Phase seiner Karriere". Ein Winter-Abgang soll daher unbedingt verhindert werden.

Problem: Eine Beförderung in den Bundesliga-Kader deutet sich weiterhin nicht an, weshalb andere Klubs schon mit den Hufen scharren. Im Herbst bestätigte Pherai "konkretes Interesse von Klubs aus Deutschlands 1. und 2. Liga".

Dem Oranje-Talent dürfte bewusst sein, dass seine Einsatzchancen auf seiner Lieblingsposition hinter den Spitzen in der ersten Mannschaft kurz- bis mittelfristig gering sind. Kapitän Marco Reus, Julian Brandt und der an seinem Comeback arbeitende Gio Reyna stehen hierarchisch momentan weit vor Pherai.

Pherai hat Traum von den BVB-Profis "noch nicht aufgegeben"

Sollte sich der Mittelfeldmann dennoch entscheiden, beim entthronten Pokalsieger zu verlängern, dürfte Geduld gefragt sein. Bei den Profis ist (noch) kein Platz, die zweite Mannschaft braucht Pherai wiederum dringend. Heißt: Fürs Erste muss der Dribbelkünstler auf Duelle mit Bayern, Leipzig und Frankfurt noch verzichten und stattdessen mit Meppen, Havelse und Verl vorliebnehmen.

Sein Langzeit-Ziel bleibt indes bestehen. Er habe den "Traum" von einem Bundesliga-Debüt in Schwarz und Gelb "noch nicht aufgegeben", sagte Pherai im November: "Dafür bin ich vor vier Jahren hierher gekommen. Ich glaube auch weiter daran, dass ich das nötige Niveau erreichen kann."

Die jüngsten Eindrücke aus der 3. Liga bestätigen Pherais These.

Heiko Lütkehus