23.05.2009 18:30 Uhr

Wolfsburg macht Meisterprüfung: 5:1 gegen Bremen

Wolfsburg (dpa) - Mit einer zauberhaften Tor-Gala hat der VfL Wolfsburg das wunderbare Fußball-Märchen wahr gemacht und zum ersten Mal in seiner 64-jährigen Geschichte die deutsche Meisterschaft gewonnen.

Zum Bundesliga-Abschluss kam das Team von Trainer Felix Magath am Samstag zu einem 5:1 (3:1)-Heimsieg über Werder Bremen und verwies die Verfolger Bayern München und VfB Stuttgart damit endgültig in die Schranken. Der Werksclub, der 2006 und 2007 nur knapp dem Abstieg aus der Bundesliga entronnen war, steht nach nur zwei Jahren unter Magath in der Beletage des deutschen Fußballs ganz oben.

Grafite (15./56. Minute), Zvjezdan Misimovic (6.), Edin Dzeko (74.) und der Bremer Sebastian Prödl (26./Eigentor) erzielten vor 30 000 Zuschauern in der ausverkauften Volkswagen Arena die Tore für die «Wölfe», die die Meisterschale zum ersten Mal nach 42 Jahren wieder nach Niedersachsen holten. Mittelfeld-Regisseur Diego (31.) traf für den DFB-Pokalfinalisten Werder Bremen, das drei Tage nach dem verlorenen UEFA-Cup-Finale gegen Schachtjor Donezk kein ebenbürtiger Gegner für den neuen Meister war und regelgerecht vorgeführt wurde.

Mit dem 16. Bundesliga-Heimsieg im 17. Spiel machte der Werksclub die grandiose Rückrunde perfekt. Auf dem neunten Rang, neun Punkte hinter Tabellenführer TSG 1899 Hoffenheim ins Jahr 2009 gegangen, mischte das drittjüngste Team der Liga die Konkurrenz auf. Am 4. April demütigte Magath seinen ehemaligen Arbeitgeber Bayern München mit 5:1, übernahm damit die Tabellenführung und gab sie seitdem nicht mehr her.

Als Sahnehäubchen gab es noch die Torjägerkrone für VfL-Stürmer Grafite. Der 30 Jahre alte Brasilianer erzielte 28 Tore und damit zwei mehr als sein sieben Jahre jüngerer Teamgefährte Edin Dzeko. Das Duo war der wichtigste Garant für die Wolfsburger Erfolgs-Offensive, im Verein mit Spielmacher Misimovic die mit Abstand stärkste der Liga.

Das zeigte das Trio auch gegen Bremen im letzten Spiel von Magath, dessen Nachfolger nach übereinstimmenden Medienberichten Armin Veh werden soll. Der 48 Jahre alte Fußball-Lehrer soll an diesem Sonntag vorgestellt werden. Veh selbst wollte diesen Sachverhalt der «Augsburger Allgemeinen» zufolge nicht bestätigen. Eine VfL- Sprecherin sagte am Samstag: «Das können wir nicht bestätigen.» Veh galt seit einigen Wochen als Favorit auf den Trainerposten.

Bei sommerlichen Temperaturen, Sonnenschein und einer prächtigen Kulisse hatten die in Bestbesetzung angetretenen Hausherren, bei denen Kapitän Josué nach abgesessener Gelb-Sperre wieder in der Startelf stand, die Weichen nach einer Viertelstunde auf Sieg gestellt. Zunächst schoss Regisseur Misimovic aus Mittelstürmerposition scharf unter die Latte zur psychologisch wichtigen Führung ein.

Nur neun Minuten später schob Grafite eine Eingabe von Christian Gentner gekonnt zum 2:0 ein. Die Bremer Defensive leistete zu beiden Treffern die Vorarbeit: Pasanen war der Sündenbock beim ersten Gegentreffer, Frings ließ Gentner beim zweiten unbedrängt flanken.

Damit war die Meisterschale praktisch sicher in den Händen der «Wölfe». Als dann auch noch Prödl eine Flanke von Grafite unglücklich ins eigene Tor abfälschte, war die Meisterfeier endgültig eingeläutet. Daran änderte auch Diegos letztes Bundesliga-Tor nach einer guten halben Stunde nichts. Nach schönem Doppelpass mit Claudio Pizarro ließ der Brasilianer VfL-Torhüter Diego Benaglio keine Abwehrmöglichkeit.

Nach Wiederanpfiff versuchte Diego nachzulegen, aber sein platzierter 20-Meter Freistoß wurde eine sichere Beute von Benaglio (47.). Auch Pizarro versuchte es (54.), aber ebenso vergeblich. Ganz anders Grafite: Sein Kopfball schlug unhaltbar zum 4:1 ein und ermunterte auch die größten Pessimisten unter den Wolfsburgs Anhängern zur La-Ola-Welle.