David Alaba, mit 17 Jahren, acht Monaten und 13 Tagen der jüngste vom FC Bayern München in der "Königsklasse" eingesetzte Fußballer, hat sein Debüt in der Champions League am Dienstagabend im Stadio Artemio Franchi trotz der 2:3-Niederlagen gegen AC Fiorentina genossen. "Es war ein Traum, es hat viel Spaß gemacht", sagte der Österreicher.

pic
David Alaba sorgte beim CL-Debüt für Begeisterung

Er freute sich über den Aufstieg, andere im Lager des deutschen Rekordmeisters freuten sich über ihn. Der junge ÖFB-Internationale war von seinem erfahrenen Trainer Louis van Gaal vom An- bis zum Abpfiff auf der linken Position der Viererkette aufgeboten worden und hatte dort den Auftrag erhalten, Marco Marchionni durch seine Schnelligkeit zu bremsen. Alaba tat dies in der ersten Hälfte ohne Fehl und Tadel, kam aber dann nach dem Wechsel doch einige Male in Bedrängnis.

Der Wiener agierte vor über 42.000 Zuschauern so, als würde er schon immer auf dieser für ihn ungewohnten Position spielen. Der Linksfuß hatte die meisten Ballkontakte (87) aller Spieler. "Er ist ein linker Verteidiger, auch wenn er selbst das nicht denkt", befand Van Gaal und fügte hinzu: "Er ist von den jungen Spielern der Stabilste." Alaba brachte auch seine Frechheit ins Spiel, verpasste in der Anfangsphase Fiorentina-Starstürmer Alberto Gilardino ein "Gurkerl".

Hitzfeld zu Alaba-Debüt: "Sensationell"

Der Ex-Austrianer scheute sich nicht, seinen prominenten Vordermann Franck Ribery, dem man noch die fehlende Spielpraxis ansah, mit Pfiffen und Schreien aufzufordern, defensive Arbeit zu verrichten. "Es ist nicht einfach, hinter Ribery zu spielen. Da muss man viel Laufarbeit leisten. Alaba ist ein mutiger Spieler, der Nervenstärke gezeigt hat", merkte Sky-TV-Experte Ottmar Hitzfeld an, der die Leistung Alabas "für einen 17-Jährigen als sensationell" einstufte. Dass er einige Zweikämpfe verloren habe, sei auf diesem Niveau logisch.

Lob kam auch von Van Gaal, der mit dem Auftritt seines Greenhorns "sehr zufrieden" war. "Er ist 17, spielt seine ersten 90 Minuten und das auf dieser Bühne. Er hat ein sehr gutes Spiel, bei eigenem und bei generischem Ballbesitz seine Arbeit gemacht und mein Vertrauen nicht enttäuscht", meinte der 58-Jährige. Kapitän Mark van Bommel hatte schon vor der Partie gesagt: "Wir haben vollstes Vertrauen in ihn. Dass er es kann, zeigt er jedes Mal im Training. Er ist ein guter Bursch mit sehr viel Qualität." Und Bastian Schweinsteiger sagte: "Er hat für sein Alter ein sehr gutes Spiel gemacht. Man sieht seine Anlagen, es war sicher nicht sehr leicht für ihn."

Rummenigge: verwundert und unwissend

Vor dem Spiel war Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der Kabine gewesen und verwundert darüber, dass der Debütant überhaupt keine Nervosität hatte erkennen lassen. "Er hat das toll gemacht", meinte der Ex-Spieler, der Alaba irrtümlich darauf aufmerksam gemacht hatte, er könne Geschichte schreiben und als erster Österreicher ins Viertelfinale der Champions League kommen. Der erste ÖFB-Legionär dort war Wolfgang Feiersinger 1997 mit Borussia Dortmund, obwohl er dann im Münchner Finale beim 3:1 gegen Juventus Turin nicht im Kader stand.

Rummenigge hatte über Alaba ein Interview-Verbot verhängt, das nach dem Schlusspfiff aber nicht ganz hielt. "Wir wollen keinen Hype um ihn haben, der kommt von selbst. Es ist für so einen Burschen nicht leicht. Wir schauen, dass er mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt. Wir tun gut daran, ihn jetzt ein bisschen vor den Medien zu verstecken", erklärte der Vorstandschef.

"Wunderbar" und "cool"

Die Presse ließ es sich aber nicht nehmen, Alaba nach dem gelungenen Debüt in der europäischen Auslage des Fußballs in den Vordergrund zu rücken. Die ungewohnte Rolle des Verteidigers habe der Mittelfeldspieler mit "Bravour und bemerkenswert selbstbewusst ausgefüllt, schrieb die "Bild"-Zeitung unter dem Titel "Alaba wunderbar!". Die Münchner "Abend-Zeitung" bescheinigte Alaba Abgeklärtheit und Souveränität. Sie kam zu dem Schluss: "Der Jüngste blieb cool".

In den internationalen und nationalen Rekordbüchern reichte es für Alaba für neue Einträge aber nicht. Der jüngste Spieler aller Zeiten, der in der Champions League zum Einsatz kam, ist seit November 1994 Celestine Babayaro. Der Nigerianer wurde vom RSC Anderlecht mit 16 Jahren, zwei Monaten und 26 Tagen erstmals aufgeboten. Er flog damals gegen Steaua Bukarest nach 37 Minuten vom Platz.

Im Alter von 16 Jahren, zehn Monaten und fünf Tagen stellte Roman Wallner im Dezember 1998 bei der 0:2-Heimniederlage von Sturm Graz gegen Inter Mailand die rote-weiß-rote Bestmarke auf. Der Steirer kam damals allerdings erst in der 84. Minute für Jan Kocijan aufs Feld. Alaba ist somit der jüngste Österreicher, der in der Champions League von Beginn eines Spiel mitgewirkt hat.

>> Champions League: Bayern steigt mit Alaba auf
>> Ergebnisse und Spielplan des Champions League Achtelfinales