Er gilt als einer der besten Torhüter der Bundesliga. Im Interview verrät Roman Weidenfeller, warum es derzeit mit Borussia Dortmund so gut läuft, ob er noch an die Nationalmannschaft glaubt und welche Vereine für seine Zukunft in Frage kommen.        

picWeidenfellers Vertrag läuft am Saisonende aus

Frage: Roman, Du gehörst zu den herausragenden Torhütern in der Bundesliga. Laut Kicker-Rangliste 2010 sogar zur Internationalen Klasse. Wie hat das im Heimatverein Eisbachtal angefangen? Wann wurde Dein Talent entdeckt?

Weidenfeller: Mit fünf Jahren habe ich angefangen in meinem Heimatverein Sportfreunde Eisbachtal Fußball zu spielen. Mein Vater hat mir schon damals viel auf der eigenen Wiese beigebracht und zeitgleich im Verein Dirk Hannappel. Mein älterer Bruder Heiko spielte schon länger in der Jugend, die von meinem Vater erfolgreich trainiert wurde. Als 15-Jähriger kam dann der Wechsel in die B-Jugend des 1. FC Kaiserslautern.

Frage: Wie kam das und gab es zu der Zeit auch andere Interessenten?

Weidenfeller: Als ich noch in Eisbachtal war, spielte ich bereits in der U16 Auswahl des DFB und in verschiedenen anderen Auswahlen. Da steht man bei Scouts bereits im Blickfeld. Zum Probetraining wurde ich neben Kaiserslautern auch in Bremen, Mönchengladbach und Frankfurt eingeladen. Die Entscheidung fiel schließlich auf Kaiserslautern, wohin mich der ehemalige, langjährige Bundesligaspieler und Jugendkoordinator Ernst Diehl holte. Mein Trainer war damals Hosic, der ebenfalls bei den Pfälzern lange Jahre als Profi gespielt hatte. Mein jahrelanger Mentor und Torwarttrainer war Gerry Ehrmann. In der Jugend des FCK spielte ich u.a. mit Benjamin Auer. In Kaiserslautern habe ich mich außerordentlich wohlgefühlt, da mich der Club sehr familiär aufgenommen hat.


"Es gab Kontakte zu Werder Bremen"

Frage: Deine Biografie zeigt, dass Du nach der mittleren Reife eine Ausbildung als Bürokaufmann absolviert hast. Sollte das für alle Fälle ein Auffangnetz sein?

Weidenfeller: Ja, das kann man so sagen. Wenn man als Jugendlicher bereits Leistungssportler ist und dies mit einer beruflichen Ausbildung verbinden soll, ist das eine große Beanspruchung. Mit dem Verein und den Auswahlmannschaften war ich regelmäßig unterwegs, sodass Momente entstanden, in denen ich die Ausbildung hinschmeißen wollte. Rückblickend bin ich meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich stets bestärkten weiter zu machen. Schlussendlich habe ich nun eine abgeschlossene Berufsausbildung als Bürokaufmann.

Frage: Der erste Schritt in die Profilaufbahn begann durch die Jugend und Amateure. Kaiserslautern II spielte meist in der Regionalliga Süd. In einer Saison jedoch in der Oberliga Südwest. In der Phase kam es zu einer oder zwei sportlichen Begegnungen mit Deinem Stammverein Eisbachtal und insbesondere mit Deinem Bruder Heiko, der dort in der Seniorenmannschaft spielte. Wie war das damals?

Weidenfeller: Ja, ich erinnere mich gut daran. Es war schon ein komisches Gefühl, gegen meinen Bruder zu spielen. Wir spielten in Kaiserslautern 0:0. Miro Klose und ich sammelten Spielpraxis bei den Amateuren.


"Nicht über die Meisterschaft reden, sondern umsetzen"

Frage: 2002 erfolgte der Ruf nach Dortmund, wo Du bis heute spielst. Eine ungewöhnlich lange Zeit. Hat man in Kaiserslautern Dein Potential verkannt und gab es außer aus Dortmund damals andere Anfragen?

Weidenfeller: Zunächst muss ich sagen, dass es in Kaiserslautern eine tolle Zeit war. Ich habe einen Großteil meiner Jugend in der Pfalz verbracht, wodurch viele fälschlicherweise davon ausgehen, dass ich auch von dort stamme. Wir waren sportlich erfolgreich und ich konnte im UEFA-Cup gegen PSV Eindhoven mein internationales Debüt geben. Nun, mein Vertrag lief in der Saison aus und Georg Koch hatte noch einige Jahre vor sich. Als dann der damalige Deutscher Meister 2002, Borussia Dortmund, anrief, habe ich nicht lange überlegen müssen und nahm die neue Herausforderung gerne an. Es gab u.a. Kontakte zu Werder Bremen.

Frage: Deine bisherige Dortmunder Zeit muss man insgesamt als sehr erfolgreich
bezeichnen. Dafür sprechen rund 220 Einsätze in der Bundesliga. Dieser Höhenflug wurde zwischenzeitlich unterbrochen, was mit Deinem damaligen Torwartkollegen Warmuz zusammenhing. Was war los und wie siehst Du das in der Rückblende?

Weidenfeller: Erstmal war es die richtige Entscheidung, nach Dortmund zu gehen, wo ich eigentlich zunächst hinter Jens Lehmann die Nummer 2 war. Da Lehmann sich verletzte, kam ich direkt zu elf Einsätzen in der ersten Spielzeit. Im zweiten Jahr wechselte Lehmann zu Arsenal und Sammer erklärte mich zur Nummer 1. Leider kam ich dann bloß zu 17  Einsätzen.

Frage: Woran lag das?

Weidenfeller: Nun, mit 22 Jahren war ich noch ein junger Torhüter. Im Laufe der ersten Halbserie fielen durch Verletzungen mit Metzelder, Rosicky, Frings, Evanilson erfahrene Stammkräfte länger aus. Hinter diesen etablierten Spielern sollte ich aufgebaut werden. Der Abwehrblock musste nun für längere Zeit umgebaut werden. Das war für mich als jungen Torwart nicht einfach. Wir, die Mannschaft, spielten nicht erfolgreich. Der Erfolgsdruck im gesamten Umfeld veranlasste Trainer Matthias Sammer dazu, mich durch den zehn Jahre älteren, erfahrenen Warmuz zu ersetzen. Zum damaligen Zeitpunkt lag es nicht an den Torhütern. Mit Warmuz pflegte ich einen guten, kollegialen Kontakt. Von seiner französischen Gelassenheit und Erfahrung konnte ich lernen. Diese Phase war zwar eine große sportliche Enttäuschung für mich, aber da mein Blick stets positiv in die Zukunft gerichtet ist, war dies schnell vergessen.


"Klopp passt zur Borussia wie die Faust aufs Auge"

Frage: Aktuell befindest Du Dich mit Borussia ja auf Wolke Sieben. Daran ändert auch das Ausscheiden aus der Europa League und dem DFB-Pokal nichts. "Deutsche Meisterschaft" gehört jetzt nicht mehr zum Fremdwortschatz bei Borussia. Selbst Bayern-Trainer Louis van Gaal redet nur noch vom Punkteabstand zu Mainz und Leverkusen. Wie sieht der Kapitän von Borussia Dortmund das?

Weidenfeller: Wir reden nicht, wir wollen umsetzen, wie zum Beispiel die Herbstmeisterschaft. Wobei man sich für diesen Titel wenig kaufen kann. Wir sind eine bodenständige, ehrgeizige, realistische Truppe. Wir sind stolz und selbstbewusst. Zudem wissen wir, dass es noch 17 hart umkämpfte Spiele sind. Wir wollen von Spiel zu Spiel denken.

Frage: Wie war es vor Saisonbeginn? Verein und Trainer hatten sicher bestimmte Zielvorgaben. Wie konkret hat man sich das vorzustellen?

Weidenfeller: Wir haben in der letzten Saison auf Platz 5 abgeschlossen. Damals spielten wir eine klasse Rückrunde. Da muss es unser Ziel sein, sich nochmals zu verbessern. Doch egal wie, wir lassen uns von niemandem unter Druck setzen.

Frage: Damit sind wir bei Borussen-Trainer Jürgen Klopp. Macht dieser etwas anders als die bisherigen Trainer und wenn ja, was? Lars Ricken sprach von einem "Geschenk des Himmels" oder wenigstens so ähnlich.

Weidenfeller: Jürgen Klopp passt zur Borussia wie die Faust aufs Auge!

Frage: Was soll das heißen?

Weidenfeller: Der Trainer vermittelt die Werte, die diesen großen Verein ausmachen. Er ist im positivem Sinne sehr ehrgeizig. Da springt der Funke für ehrliche Arbeit auf die Mannschaft über. Er versteht es, Spieler zu begeistern.


"Bei einem Wechsel muss das Gesamtpaket stimmen"

Frage: Kommen wir auf Deine Person zurück. Dein aktueller Vertrag bei Borussia läuft im Sommer 2011 aus. Wie geht es weiter? Bleibt Dein Standort "Signal-Iduna-Park" oder gibt es andere Angebote?

Weidenfeller: Wir führen positive Gespräche. Beide Seiten wissen, was sie voneinander haben. Borussia ist natürlich mein erster Ansprechpartner. Ich fühle mich nach acht Jahren in Dortmund wohl.

Frage: Man konnte in der Vergangenheit lesen, dass Paris Saint Germain, Aston Villa oder AS Rom Interesse bekundet haben. Gab es, bzw. gibt es Anfragen von ausländischen Klubs? Wenn ja, welche Voraussetzungen  - unabhängig von den wirtschaftlichen – müsste dieser Verein bieten?

Weidenfeller: Bei einem Wechsel müsste das Gesamtpaket stimmen. Ich muss das Gefühl haben, mich wohl zu fühlen und es sollte eine neue Herausforderung sein. Damit möchte ich ausdrücken, dass ich nach Spanien nicht wegen der Sonne und nach Russland nicht aufgrund der Rubel wechseln würde.

Frage: Anderes Thema. Ein Fußballprofi ist zeitlich sehr eingespannt. Das ist das Opfer, wenn man sein Hobby zum Beruf macht. Training, Spiele, andere Termine, wenig Urlaub. Was bleibt an Freizeit?

Weidenfeller: In der Tat ist der Alltag eines Fußballprofis ziemlich ausgefüllt - auch wenn es so oft nicht vermutet wird. Vor jeder Einheit wird sich eine Stunde vorab am Trainingsgelände getroffen, anschließend folgt, zumindest nach dem morgendlichen Training, ein gemeinsames Essen. Zusätzlich stehen individuelles Krafttraining, physiotherapeutische Termine und Verpflichtungen mit Sponsoren, Merchandising, Presse etc. und Anreise zu Auswärtsspielen auf dem Plan - all das kostet entsprechend Zeit. Fazit davon ist eine knapp bemessende Freizeit - man freut sich über jede Möglichkeit zu Hause zu sein und zu entspannen, abseits vom Fußball und dem dazugehörenden Trubel. Falls es die Zeit erlaubt, bin ich gerne mit Familie und Freunden zusammen.

Frage: Blicken wir in die Zukunft. Mit 30 Jahren steht ein Keeper sozusagen in der "Blüte seiner Laufbahn". Nicht alle stehen wie Jens Lehmann, Dein Vorgänger bei Borussia, bis 40 zwischen den Pfosten. Was wünschst Du Dir langfristig und was kommt nach dem Fußball?

Weidenfeller: Ich hoffe, noch acht bis zehn Jahre Profifußball spielen zu können. Was dann folgt kann ich zum aktuellem Zeitpunkt noch nicht konkret sagen. Offen werde ich für all das sein, bei dem ich mit Freude dabei bin.

Frage: Es gab Zeitpunkte, wo Du mehrmals auf dem Sprung in die Nationalmannschaft standest. Warum haben Löw & Köpke Dich nie berücksichtigt, obwohl es immer nach dem Leistungsprinzip gehen sollte? Ist das nach wie vor begehrenswert oder hast Du das Thema angesichts der Konkurrenz Neuer, Adler, Wiese ad acta gelegt?

Weidenfeller: Ich habe alle Jugendauswahlen des DFB durchlaufen und selbst für die U 21 und das Team 2006 gespielt. Das Thema A-Nationalmannschaft sehe ich ganz gelassen. Priorität hat mein Verein und dass ich gesund bleibe.

Frage: Kommen wir abschließend zu Deinen Wurzeln zurück. Dein Bruder Heiko ist mittlerweile erfolgreicher Trainer beim Verbandsligisten Hadamar und steht ähnlich wie Dein Team auf dem Sprung zur Meisterschaft. Verfolgst Du auch das Geschehen im regionalen Fußball?  

Weidenfeller: Ganz klar verfolge ich Heikos Werdegang. Wir sind eine fußballverrückte, intakte Familie. Er war ein Top-Fußballer und versucht nun dies an seine Mannschaft  zu vermitteln. Ich würde mich für Hadamar freuen, speziell natürlich für ihn persönlich. Er ist sehr ehrgeizig, akribisch und möchte den Club und die Mannschaft weiterentwickeln.

Herzlichen für das Gespräch, frohe Weihnachten, ein gutes neues Jahr und für die weitere Zukunft alles Gute.


Das Gespräch führte Claus Coester.

Claus Coester stellte weltfussball das Interview zur Verfügung. Nachzulesen bei: flw24.de