Neben Mesul Özil und Sami Khedira spielt seit diesem Jahr auch der Ex-Herthaner Patrick Ebert in Spanien. Er unterschrieb für zwei Jahre beim Aufsteiger Real Valladolid. Weltfussball sprach exklusiv für euch mit dem ehemaligen U21-Nationalspieler.                

picSeit 1998 hat Patrick Ebert die Fußballschuhe in Berlin geschnürt


welfussball: In Deutschland wurde wenig über Ihren Transfer berichtet. Wie ist es zum Wechsel nach Spanien gekommen?

Ebert: Real Valladolid hat Interesse bekundet. Ich bin dann nach Spanien geflogen und hatte ein längeres Gespräch mit dem Trainer. Ich habe mir alles vor Ort angeschaut und hatte sofort einen guten Eindruck.


weltfussball: Wie läuft die Eingewöhnung? Und wie ist es von der Großstadt in die spanische Provinz zu kommen?

Ebert: Die Mannschaft hat mich super aufgenommen. Es gefällt mir bisher echt gut hier. Die Leute in der Stadt (313.437 Einwohner (Stand 1.1.2011, Anm. d. Red.)) sind sehr freundlich und das Wetter ist super. Es soll zwar im Winter auch hier recht kalt werden, aber so kalt wie in Berlin wird es bestimmt nicht.


weltfussball: Wie bleiben Sie mit Ihrer Familie in Kontakt?

Ebert: Ich telefoniere natürlich viel mit meiner Familie und meinen engsten Freunden. Wenn ich Zeit habe werde ich versuchen nach Berlin zu fliegen, um meine Mutter zu besuchen.


weltfussball: Was macht Ihr Spanisch?

Ebert: Auf dem Platz verstehe ich inzwischen eigentlich alles. Da spielt die Sprache aber weniger eine Rolle. Fußball wird eben überall und auch hier in Spanien gespielt.


weltfussball: Am zweiten Spieltag ging es gegen UD Levante und Ihren ehemaligen Mannschaftskollegen Christian Lell. Wie war das Spiel und stehen Sie mit ihm in Kontakt?

Ebert: Früher standen wir zusammen in der gleichen Mannschaft auf dem Platz. Jetzt spielen wir beide in Spanien und stehen uns eben als Gegner gegenüber. Ich freue mich für ihn, dass er den Schritt nach Spanien gemacht hat. Das Spiel konnten wir mit 2:0 gewinnen, was natürlich das Team und die ganze Stadt freute. Ab und zu schreiben Christian und ich uns die eine oder andere SMS.


weltfussball: Auf Facebook ist ein Foto von Ihnen und Sami Khedira zu sehen. Was verbindet Sie mit Sami?

Ebert: Mit Sami und Mesut habe ich in der U21- Nationalmannschaft zusammengespielt. Sie sind beide Supertypen, die trotz ihres Erfolges auf dem Boden geblieben sind. Wir stehen des Öfteren in Kontakt. Valladolid liegt ja auch nicht allzu weit von Madrid entfernt und ich werde versuchen, am Dienstag nach Madrid zu fahren, um die Jungs gegen Manchester City in der Champions League zu unterstützen.


weltfussball: Am 9. Dezember gastiert Real Madrid in Valladolid. Welche Chancen rechnen Sie sich gegen Real aus?

Ebert: Natürlich wird es nicht leicht, gegen das Starensemble aus Madrid zu bestehen. Aber auch in diesem Spiel will ich mich zeigen und mein Bestes geben. Wir sind gut in die Saison gestartet und wenn wir so weiterspielen, haben wir auch gegen Real eine Chance.


weltfussball: Was sind die größten Unterschiede zwischen der Primera División und der Bundesliga?

Ebert: Das Spiel ist in Spanien viel schneller. Es wird mehr mit dem Ball gespielt und lange Pässe sind eher die Ausnahme. Gepflegtes Kurzpassspiel, wie man es bei der spanischen Nationalmannschaft beobachten kann, wird hier gerne gesehen. Auch wird öfter ins Eins gegen Eins gegangen, was meinem Spiel sehr entgegen kommt.


weltfussball: Welches Spielsystem lässt Ihr Coach Miroslav Đukić spielen und wie haben Sie sich darin zurechtgefunden?

Ebert: Ich spiele in Valladolid als Rechtsaußen und damit auf der gleichen Position wie noch bei Hertha. Dennoch habe ich viel mehr Freiheiten als in Deutschland. Dort ist man als Flügelspieler oft an die Außenlinie gefesselt, um das Spiel breit zu machen. Hier darf ich mit dem 10er oder dem Linksaußen während des Spiels auch einmal die Positionen tauschen. Diese Flexibilität kommt meinem Spiel entgegen.


weltfussball: Wie war es in Bilbao in San Mamés einzulaufen und dort zu spielen?

Ebert: Ich habe nun ja in der Bundesliga auch schon in vielen großen Stadien gespielt. Daher versuche ich, darauf immer weniger zu achten. Wir haben auch in Bilbao ein gutes Spiel abgeliefert und haben bis zur 75. Minute das 0:0 gehalten. Wir haben auf ein Unentschieden spekuliert und dann fiel das Gegentor. Aber auch danach hatten wir selbst noch weitere Chancen.


weltfussball: Wie erleben Sie persönlich die Wirtschaftskrise in Spanien?

Ebert: Persönlich bekomme ich davon nichts mit. Den Spaniern bedeutet der Sport - und vor allem Fußball - in dieser schwierigen Zeit jedoch sehr viel. Während der Olympischen Spiele feuerten die Menschen in Valladolid ihr Olympia-Team bei allen Wettbewerben an und die Stimmung war super.


weltfussball: Wo sehen Sie Real Valladolid am Ende der Spielzeit?

Ebert: Das Team ist in einer guten Verfassung und wir sind mit sechs Punkten aus drei Spielen gut gestartet. Natürlich ist für das Ziel am Ende der Saison die Klasse zu halten. Bisher haben wir aber positiv überrascht und man muss schauen wo die Reise hingeht.


weltfussball: Verfolgen Sie regelmäßig die deutschen Bundesligen? Stehen Sie mit den alten Hertha-Kollegen in Kontakt?

Ebert: Ich spiele jetzt in Spanien. Hier ist meine neue sportliche Heimat. Ich habe hier zwar deutsches Fernsehen und Internet, aber meist zu wenig Zeit, um mich intensiver damit zu beschäftigen. Natürlich bin ich mit ein paar Mannschaftskollegen noch in Kontakt. Sie berichten dann aus Deutschland und ich aus Spanien.


weltfussball: Hätten Sie gerne im Derby gegen Union noch einmal für die Hertha gespielt?

Ebert: Was soll ich dazu sagen? Wenn ich noch bei der Hertha spielen würde, hätte ich natürlich gerne mitgewirkt. Ein Stadtderby ist immer etwas ganz Besonderes. Selbstverständlich habe ich der Hertha fest die Daumen gedrückt. Mein Herz schlägt immer noch für die Hertha.


weltfussball: Was wünschen Sie der Hertha für diese Saison?

Ebert: Natürlich das möglichst Beste.


Vielen Dank für das Gespräch! Weltfussball wünscht Patrick Ebert eine erfolgreiche erste Saison in Spaniens Eliteklasse.

Das Interview führte Thomas Malzacher.